Harte Töne und Krawatten in der „Villa Rock“

Harte Töne und Krawatten in der „Villa Rock“

Der Vater des Schüler-Rockfestivals errichtet ein Haus für junge Musiker.

Wuppertal. Schicke Anzüge und krachende Gitarren passen so gut zusammen, wie die "Nederlands Elftal" und ein WM-Titel. Wenn aber eine Pressekonferenz in der "Villa Rock" abgehalten wird, können die Gäste schon vermuten, dass sie etwas Besonderes erwartet. Wenn die Veranstaltung dann auch noch von Kalle Waldinger organisiert wird, weiß jeder, dass ihn etwas Außergewöhnliches erwartet. Kalle Waldinger ist der Vater des Ronsdorfer Rockprojekts, das vor 25 Jahren das Schüler-Rockfestival ins Leben rief.

Viel neuer als das Festival ist die "Villa Rock". Vor fünf Jahren zog Kalle Waldinger in das Haus von Irmtrud Sieling. Zunächst nur, weil er sich um seine langjährige Wegbegleiterin in Sachen Schülermusik sorgte, die kurz zuvor schwer erkrankt war. Doch schnell erkannte Waldinger das Potential des Hauses auf Einern in Wichlinghausen. Seitdem sind oft Schülerbands aus dem Umkreis des Lehrers zu Gast.

So auch gestern: Während sich die geladenen Sponsoren auf Reden vorbereitet hatten, gab es erstmal auf die Ohren. Die Schülerbands "Hörsturz" und "Panama" zeigten auf dem Dachboden der "Villa Rock", dass sie auch bei Backofen-Hitze rocken können - Schweißperlen standen nur den Schlipsträgern auf der Stirn.

Danach erklärte Kalle Waldinger den geplanten Ausbau der "Villa Rock": Im Obergeschoss soll ein großer Schlafraum mit Bad und Küche entstehen, so können Bands aus anderen Städten nach dem Festival kostenlos in Wuppertal übernachten. Denn schon in den vergangen Jahren waren Bands aus Italien, Bayern und Husum zu Gast beim weiter wachsenden Festival.

Im Keller der rockigen Villa wird bald ein echter und vor allem schallisolierter Proberaum errichtet - die Nachbarn auf Einern werden es danken. "Als der Bauer von nebenan uns Eierkartons geschenkt hat, haben wir den Wink verstanden", schmunzelt Kalle Waldinger.

Er selbst will die Organisation des Schüler-Rockfestivals langsam in jüngere Hände übergeben. Björn Krüger von der Band "Uncle Ho" soll in den kommenden Jahren immer mehr Kompetenzen vom Festival-Chef übernehmen. "Die Arbeit macht eine Menge Spaß", sagt der designierte Nachfolger Waldingers, dessen Band selbst einen ihrer ersten Auftritte beim Schüler-Rockfestival 1994 hatte. Krüger: "Wenn ich mit den Schülern arbeite, fühle ich mich selbst wieder wie 16."