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Wuppertal: Handwerksmeister Krüger: „Ein Dieselverbot wäre tödlich“

Wuppertal : Handwerksmeister Krüger: „Ein Dieselverbot wäre tödlich“

Kreishandwerksmeister Arnd Krüger fordert, dass die Autoindustrie nach Lösungen sucht, die ein Diesel-Fahrverbot verhindern können. Die sei für den Schaden verantwortlich.

Wuppertal. „Wenn alle Diesel stillgelegt würden, dann wäre das für Handwerk und Dienstleister tödlich“, charakterisiert Arnd Krüger, seines Zeichens Kreishandwerksmeister, den „schlimmsten Fall“, nämlich die konsequente Umsetzung des Urteils des Bundesverfassungsgerichtes, nach dem Städte in der Lage wären, das Diesel-Verbot umzusetzen.

Krüger hat — wie auch Vertreter der Industrie- und Handelskammer und des Wuppertal Institutes — am „Mobilitätsgipfel“ Ende 2017 im Rathaus teilgenommen. „Da wurde vorgeschlagen, alle mit Diesel betriebenen Fahrzeuge stillzulegen und stattdessen auf Lastenfahrräder auszuweichen“, sagt Krüger mit einem Kopfschütteln. „Dann müsste ich bergerfahrene Tour-de-France-Teilnehmer beauftragen, die Schaufensterscheiben rauf zum Hahnerberg zu bringen“, sagt er sarkastisch. Und spricht dabei für alle 4500 Wuppertaler Handwerksbetriebe, die sperriges Werkzeug und voluminöse Ersatzgeräte zu transportieren haben.

„Es ist grundsätzlich sicher richtig, wenn die Richter das menschliche Leben für schützenswerter erachten als wirtschaftliche Interessen“, räumt Arnd Krüger ein. „Aber man darf nicht vergessen, dass damals, als wir die inzwischen fünf oder zehn Jahre alten Fahrzeuge gekauft haben, Diesel und Benzin-Antriebe auf eine Stufe gestellt wurden. Und dass es auch keine Bedenken gegen die Vergabe der grünen Plakette gegeben hat.“

Krüger, der vier Transporter unterhält und einen ZehnPersonen-Betrieb führt, hat Kundschaft bis nach Düsseldorf und stünde vor dem Aus, wenn den Dieselfahrzeugen die Fahrerlaubnis entzogen würde. „Das gleiche würde dann auch für Taxen und etwa 80 Prozent der Busse der Wuppertaler Stadtwerke gelten. In Wuppertal stünde also praktisch alles still.“

Ebenfalls gelten seine Gedanken den Kfz-Händlern, die auf ihren Diesel-Fahrzeugen sitzenblieben. Obendrein wären sie gezwungen, Leasing-Fahrzeuge, deren Wert sich derzeit gegen Null bewegt, zu einem im Vertrag festgelegten Preis zurückzunehmen. Krüger zitiert in diesem Zusammenhang den NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst: „Das käme für alle Diesel-Besitzer einer Enteignung gleich.“ Aber, wie nun heraus aus diesem Dilemma? „Wuppertal ist hervorragend mit Messstationen ausgerüstet, so dass man genau weiß, wo die gesundheitsgefährdenden Grenzwerte deutlich überschritten werden.“

Der Kreishandwerksmeister schlägt deshalb vor, Verkehrswege, die wie die Briller Straße besonders hohe Feinstaubbelastungen aufweisen, für den Schwerlastverkehr zu sperren. „Welchen Weg die Brummis dann nehmen müssten, das wäre eine Aufgabe für die Stadtplaner im Rathaus.“

Für die Dieselfahrzeuge, die die Existenz von Handwerk und Dienstleister sichern, wie auch für die Busse der Stadtwerke müsse es für eine Übergangsfrist Ausnahmeregelungen geben. „Und in dieser Zeit müssen sich Auto-Industrie und Politik Gedanken über Lösungen machen. Man darf nicht vergessen, dass die Handwerksbetriebe und Taxen-Unternehmen ihre mit Diesel betriebenen Fahrzeuge, die jetzt nicht mehr umgerüstet werden können, guten Glaubens gekauft haben. Nun sollen sie die Suppe auslöffeln, die ihnen durch teilweise betrügerische Manipulationen eingebrockt worden sind. Das widerspricht doch jeglichem Gerechtigkeitsempfinden.“

Ganz wenig hält Krüger von Umtauschprämien. „Es wäre fatal, wenn die, die diese existenzbedrohenden Situationen herbeigeführt haben, jetzt auch noch von Zusatzgeschäften, nämlich den Verkauf neuer Autos, profitieren würden.“