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Handtasche beim Frühstück im Café gestohlen

Handtasche beim Frühstück im Café gestohlen

Der Täter griff im Vorbeigehen zu. Das Amtsgericht verurteilte ihn zu neun Monaten Haft.

„Wir sind Sonntagsfreundinnen“, erklärt die alte Dame (89) der Richterin. „Wir treffen uns immer sonntags zum Frühstück.“ Dann besuchen die beiden Frauen eines der Cafés in der Innenstadt und nutzen das gemeinsame Essen zum Plausch. So war es auch am Feiertag Allerheiligen im vergangenen Jahr. Doch das Beisammensein wurde jäh unterbrochen: Ein Mann wollte die Tasche der 89-Jährigen stehlen. Jetzt wurde der Fall vor dem Amtsgericht verhandelt.

Direkt um 8 Uhr früh waren die Seniorinnen ins Café am Wall gekommen, saßen nah an der Ausgangstür. „Ich hatte schon das erste Brötchen fertig“, erinnert sich die alte Dame. Da sei der junge Mann auf sie zugekommen. Sie habe gedacht, dass er an den Tisch hinter ihnen wollte, „aber der kam zu mir und im selben Moment schnappt der sich meine Tasche.“ Die stand auf dem Stuhl neben ihr. „Ich konnte nur schreien.“

Andere Zeugen schildern, dass sie „Meine Tasche!“ rief. Ihre Freundin (79) wollte geistesgegenwärtig dem Dieb die Tasche entreißen. Doch der kehrte ihr den Rücken zu, war schnell weg. In der Bewegung traf er sie mit dem Ellbogen vor der Brust, was ihr den Atem verschlug. „Ich stand nur noch da und holte tief Luft.“

Es sprangen aber sofort weitere Personen dazu, ein Pärchen und zwei ältere Herren hielten den Dieb fest. Weil die Tür nach innen aufgeht, konnte der Täter sie nicht mehr öffnen. Er saß er fest, bis die alarmierte Polizei ihn festnahm.

Die beiden Damen mussten dann noch bei der Polizei ihre Aussage machen, konnten erst danach ihr Frühstück fortsetzen. „Ich war natürlich fertig“, gesteht die 89-Jährige. „Das kostet schon Nerven.“

Im Gericht zeigt sich der Angeklagte (35) reumütig: „Ich möchte mich entschuldigen, das war eine dumme Aktion und ist unverzeihlich.“ Er ist drogenabhängig, brauchte Geld — für die letzten Cent hatte er sich ein Brötchen gekauft. Dass er die 79-Jährige getroffen hat, davon wisse er nichts, entschuldigte sich aber dafür.

Er hat ein langes Vorstrafenregister — seit er 14 ist — mit Drogenbesitz oder -handel, Diebstählen und Schwarzfahrten. Erst habe er Haschisch, später Heroin genommen, sagt er. Mehrfach saß er im Gefängnis. Einmal lebte er danach in einer anderen Stadt anderthalb Jahre ohne Drogen, begann eine Lehre, doch dann besuchte er Freunde in Wuppertal, wurde rückfällig.

Die bisher letzten Haft endete erst im August 2017. „Der Fehler war, dass ich danach nach Wuppertal gekommen bin“, sagt er. Nun wolle er Therapieangebote in der Haft annehmen und nicht mehr nach Wuppertal zurückkehren.

Das Gericht verurteilte ihn wegen einfachen Diebstahls, nicht wie angeklagt wegen räuberischen Diebstahls — weil ihm keine vorsätzliche Gewaltanwendung nachzuweisen war. Bewährung kam wegen der Vorstrafen und der hohen Rückfallgeschwindigkeit nicht in Frage. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.