Härtere Gangart gegen Verschmutzer

Härtere Gangart gegen Verschmutzer

Hundehalter sollen verpflichtend einen Kotbeutel mit sich führen. Ordnungsamt kontrolliert Verbot von Plastik-Besteck.

Hundekot, Plastikmüll, Kaugummis — Stadt und AWG haben sich darauf verständigt, mit gezielten Maßnahmen gegen diese Feinde eines sauberen Stadtbilds vorzugehen. Im gemeinsamen Austausch ist ein Paket von Aktionen entstanden, das Wuppertal zu einer ansehnlicheren Stadt machen sollen. Oberbürgermeister Andreas Mucke weist daraufhin, dass gerade mit der Unterstützung von ehrenamtlichen Helfern — Wupperpaten, Wupper-Ranger, Spielplatzpaten, Hardteinander — schon viel getan werde, aber: „Es ist noch Luft nach oben.“

Ein Ansatz ist der, Müll und Verschmutzung bereits beim Verursacher zu vermeiden. So hat Oberbürgermeister Andreas Mucke etwa angekündigt, eine Tütenpflicht für Hundehalter einführen zu wollen. So soll in der entsprechenden Satzung geregelt werden, dass ein Herrchen beim Gassigehen, immer Kotbeutel dabei haben muss. Davon erhofft sich die Stadt weniger Hundehaufen im Stadtgebiet. Durch eine Tütenpflicht bekäme das Ordnungsamt einen Anpack, gegen Verschmutzer vorzugehen. Bislang müssen die Kontrolleure Tier und Mensch in flagranti erwischen — in der Praxis passiert das so gut wie nie. Nur vier Menschen haben im Jahr 2017 ein Bußgeld bezahlt, weil sie die Hinterlassenschaft ihres Hundes nicht aufgelesen haben. Laut Stadt soll sich der Rat in einer seiner nächsten Sitzungen mit der Satzungsänderung befassen.

Schon seit Jahren in der Abfallwirtschaftssatzung steht folgender Satz: „Bei Veranstaltungen auf öffentlichen Straßen, Wegen und Plätzen dürfen Speisen und Getränke, die zum sofortigen Verzehr an Ort und Stelle bestimmt sind, nur in pfandpflichtigen, wiederverwendbaren oder mitverzehrbaren Verpackungen und Behältnissen (einschließlich Geschirr und Bestecke) ausgegeben werden.“ In der Praxis regiert in vielen Fällen dem ungeachtet Plastik. OB Mucke ärgert sich: „Da gibt es Feste, da quillen die Mülleimer über. Oftmals sind es gerade die Profis, die sich nicht an die Spielregeln halten.“

Doch Stadt und AWG wollen nicht nur mit dem Zeigefinger kommen, sondern auch mit der helfenden Hand. „Wir schaffen ein Spülmobil mit rund 3000 Getränkebechern an, die sich Veranstalter bei uns leihen können“, sagt AWG-Geschäftsführer Martin Bickenbach. Zwei Spülmobile verleiht die Stadttochter bereits — 50 Euro pro Tag —, aber das neue Komplettpaket mit Bechern und passender Spülvorrichtung dürfte gerade für kleinere Vereine verlockend sein, die nicht selber in Pfandbecher investieren wollen.

Auch beim Thema Kaugummi-Verschmutzung tut der Eigenbetrieb Straßenreinigung (ESW) gut, direkt bei den Verursachern anzusetzen — denn den unzähligen Kaugummi-Flecken werden die Kräfte der Stadttochter niemals Herr. „Die Maschine, die großflächig Kaugummi entfernt, gibt es nicht“, weiß Carsten Melech, Leiter der Betriebsaufsicht. Die Flecken müssen Stück für Stück mit einem Hochdruckreiniger entfernt werden. Danach bleibt noch immer ein weißer Fleck. Und so wundert es nicht, dass sich die ersten Kaugummi-Spucker auf dem neuen Pflaster in der Elberfelder City verewigt haben. Auf dem neuen Döppersberg ließ die ESW sogar in den ersten Tagen noch die Kaugummis händisch abkratzen. Der Kampf ist inzwischen verloren.

Martin Bickenbach, der ebenso ESW-Chef ist, sieht als bestes Mittel eine Achtsamkeitskampagne. Dabei will die ESW Jugendliche in der Stadt ansprechen. Kaugummi-Spucker sollen einen neuen Streifen geschenkt bekommen — mit dem Hinweis, dass dieser aber bitte nach dem Kauen im Mülleimer zu landen hat. Bickenbach will in den kommenden Jahren auf ähnliche Art und Weise weitere Schwerpunktthemen setzen und auf andere Problematiken, wie Hundekot oder Coffee-To-Go-Becher aufmerksam machen.

Ausgeweitet wird auch das Wupper-Putz-Team. Die Qualifizierungsmaßnahme von Jobcenter und Stadtreinigung funktioniert so gut, dass nun auch ein zweites Team die Ufer der Wupper von Müll befreien soll. Martin Bickenbach möchte die Aktion gerne noch öffentlichkeitswirksamer umsetzen und denkt über ein Wupper-Putz-Schlauchboot mit Segel nach, dass die Blicke von der Schwebebahn aus auf sich zieht. Und noch eine weitere Qualifizierungsmaßnahme mit dem Jobcenter läuft an: Die ESW möchten endlich ihre erste Frau einstellen. Bislang ist die Stadtreinigung eine reine Männerdomäne. Zwei Frauen sind schon gefunden, die testweise zum Werkzeug greifen. Bickenbach verspricht eine Perspektive: „Wir halten Stellen für diese Frauen frei.“

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