Gymnasium Johannes Rau: „Wohin können wir ausweichen?“

Wuppertal : Gymnasium sucht Ausweichquartier

Landesjustizschule auf der Hardt steht nicht mehr zur Verfügung. Stadt sieht derzeit keine Alternative.

. Die ehemalige Landesjustizschule auf der Hardt steht nicht mehr als Ausweichquartier für Wuppertaler Schulen zur Verfügung – fällt damit auch für das Ganztagsgymnasium Johannes Rau (GGJR) aus. Der Mietvertrag mit dem Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW werde definitiv nicht verlängert, bestätigt das Städtische Gebäudemanagement (GMW) auf WZ-Anfrage. Die Sanierungskosten seien zu hoch, auch das Land wolle nicht investieren. Aktuell ist auf der Hardt noch das Wilhelm-Dörpfeld-Gymnasium untergebracht. In Kürze werden die Schüler in ihre frisch sanierte Schule auf dem Johannisberg zurückkehren.

Eltern fühlen sich
nur „vertröstet“

Wohin das GGJR ausweichen soll, wenn an der Siegesstraße die dringend benötigte Komplettsanierung ansteht, ist völlig offen - zum Leidwesen auch der Eltern, wie Schulpflegschaftsvorsitzender Rüdiger Bein gegenüber der WZ erklärt. „Wir werden vertröstet.“ Von Seiten der Stadt höre man immer nur, „dass es nichts Neues gibt“. Dabei ist die Phase „0“, also die Vorplanung der Sanierung gerade frisch abgeschlossen. „Und gut geworden“, betont Bein, der als einer von zwei Vertretern der Schulpflegschaft involviert war. Doch auf die dringendste Frage, wohin die rund 800 Schüler während des Umbaus ziehen sollen, gibt es keine Antwort. Von einem „Containerdorf“ als Alternative war mal die Rede, doch auch dafür wird eine große Fläche benötigt. Bein bringt als Ausweichquartier die Gebäude der Bereitsschaftspolizei auf Lichtscheid ins Spiel. Die Stadt hält sich auf WZ-Anfrage bedeckt, was mögliche Flächen oder Gebäude angeht.

Bein, der als Stadtschulpflegschaftsvorsitzender auch Mitglied im Schulausschuss ist, hofft, dass es bis zur Sitzung im Februar vielleicht etwas Neues gibt. Die Zeit dränge aus seiner Sicht etwas, denn die Sanierung sei absolut notwendig. „Wir als Eltern bekommen ja den schlechten Zustand des Gebäudes mit. Zum Beispiel, wenn die Kinder zu Hause erzählen, dass sie in der Schule nicht auf Toilette gehen wollen.“

Schon die „Phase 0“ habe sich verzögert, sollte eigentlich im Dezember 2017 abgeschlossen werden. Und bevor die Arbeiten an der Siegesstraße starten können, müssen die Schüler woanders untergebracht werden. „Eine Sanierung während des Unterrichts ist unmöglich“, hatten alle Beteiligten bereits in der Vergangenheit betont. Das GMW hatte zuletzt noch Ende 2019/Anfang 2020 als Startzeitraum für den Umbau genannt. Bein ist da noch skeptisch.

Beim Tag der Offenen Tür habe es Nachfragen von Eltern gegeben. Die Hängepartie um das Ausweichquartier mache das Werben um neue Schüler nicht einfacher. Man wolle schon wissen, wie wird zum Beispiel die Busanbindung sein, sagt Bein. „Wir sind gespannt auf die Anmeldezahlen im Februar.“

Dabei, betont er noch einmal, sei das, was Lehrer, Eltern und das GMW mit Unterstützung der Experten in der Phase „0“ erarbeitet hätten, „absolut gelungen“. Dazu gehören zum Beispiel Gemeinschaftsflächen, neue Sichtachsen und Raumnutzungen und Konzepte für die Aula. „Wir hatten viele Ideen“, erinnert sich Bein. Auch der Lenkungskreis um Schulleiterin Christiane Genschel hatte sich bei der Vorstellung des Konzeptses vor einigen Wochen gegenüber der WZ sehr zufrieden gezeigt. Gespannt sei man darauf, wie die Ergebnisse jetzt räumlich umgesetzt werden. Wie es zum Beispiel gelingt, die Leitlinien „Ganztagsschule“, „Schule individuellen Lernens“ sowie „Kulturschule/Unesco-Schule“ in der architektonischen Gestaltung des Schulgebäudes und –geländes sichtbar zu machen.

Natürlich müsse man realistisch bleiben, räumt Bein ein. „Wir können nicht mehr Platz schaffen, als das Gebäude hergibt.“ Aber auch dazu habe man sich Gedanken gemacht, Der Schulpflegschaftsvorsitzende hat allerdings wenig Hoffnung, dass sein Sohn, der derzeit die achte Klasse besucht, das Gymnasium an der Siegesstraße nach dem Umbau noch als Schüler erleben wird.

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