Gualtieri boxt auf Rockis Spuren

Sportler des Monats : Gualtieri boxt auf Rockis Spuren

Der Wuppertaler Vincenzo Gualtieri hofft, seinem Ex-Trainer sportlich nacheifern zu können. Bei seinem Boxstall in Berlin fühlt er sich sehr, Er kommt aber auch gern nach Hause nach Wuppertal und freut sich auf seinen ersten Kampf in seiner Heimatstadt.

Obwohl Vincenzo Gualtieri schon seit seinem 13. Lebensjahr boxt und als Jungprofi in seinen bisher 14 Kämpfen noch ungeschlagen ist, wird der Wuppertaler meist zuerst auf Graciano Rocchigiani angesprochen, der von 2015 bis 2017 sein Trainer war. „Nein, das nervt nicht, er war ein großer Boxer, und ich werde ja meist mit den positiven Dingen in Gracianos Leben verbunden“, versichert der 26-Jährige.

Dennoch sei es natürlich das Ziel, dass sein Name irgendwann zuerst mit dem sportlichen Erfolg verbunden wird, den er durchaus bereits vorzuweisen hat. Deutscher Jugendmeister, Deutscher U 21-Meister, EM-Vierter, Deutscher Mannschaftsmeister mit Velbert 2012. Doch weil er als Amateur nicht so recht weiterkam, hatte er 2015 die Profikarriere eingeschlagen. Mit Hilfe von „Rocki“, der ihn damals mit Bruder Ralf in seinen neu gegründeten Berliner Boxstall aufnahm und bis zu dessen Insolvenz 2017 trainierte.

Bein Agon Sports fühlt sich der Boxer sehr gut aufgehoben

Seit 2018 hat Gualtieri mit Agon Sports aus Berlin einen neuen Boxstall gefunden. „Das motiviert mich ungemein, noch mehr Gas zu geben“, sagt der Wuppertaler. Mit Jack Culcay, Tyron Zeuge und Björn Schicke hat er dort Kollegen, die bereits Titel auf nationaler und internationaler Ebene gewonnen haben, und ist im Mittelgewicht derjenige neben Schicke, auf den Agon setzt.

Gerade hat Gualtieri in der Berliner Arena Treptow seinen 14. Profikampf gewonnen. Eigentlich sollte es sein erster Titelkampf um die Deutsche Meisterschaft sein, doch der Gegner hatte kurzfristig abgesagt, so dass es mit Ersatzgegner „nur“ ein normaler Kampf wurde. Wenn es einen positiven Nebenaspekt hat, dann den, dass sein erster Titelkampf nun wohl in Wuppertal stattfinden wird. Im März in der Uni-Halle, so ist es avisiert. „Es wäre natürlich ein Traum, wenn die mit 3000 Zuschauern dann gefüllt wäre“, sagt Gualtieri, der das Boxen beim ASV Wuppertal gelernt und neben der Familie immer noch viele Freunde in Wuppertal hat.

Freundschaft, das ist sowieso etwas, was ihm sehr wichtig ist. So entstand damals auch die Zusammenarbeit mit Rocchigianni aus einer freundschaftlichen Verbindung. 2006 hatte Gualtieri noch als 13-Jähriger ein Probetraining im damaligen Gym von Rocchigianni in Duisburg gemacht. „Wir waren uns gleich sympathisch, weil wir auch aus Italien kommen. Und mit meinem Vater war er seitdem gut befreundet. Rocki war oft bei uns.“ So entstand das Versprechen, an Vincenzo zu denken, wenn Rocki mal einen Profiboxstall aufmacht. Und dazu kam es dann 2015.

„Er war ein Herzensmensch, auch wenn er nichts hatte, hat er Menschen, die er mochte, gern gegeben“, erzählt Vincenzo Gualtieri, der 2018 natürlich auch auf Rocchigiannis Beerdigung in Berlin gewesen war, mit seinem Papa direkt hinter dem Sarg herlief.

Nach Rocchigiani hatte Gualtieri mit den Brüdern May - Thorsten war Olympiasieger - noch ein prominentes Trainerpaar, doch einen Vertrag konnten die beiden ihm nicht anbieten, und so war er glücklich, als Agon-Sports ihn engagierte.

Vincenzo wird für seinen guten Stil gelobt

In Berlin, so findet er, hat er optimale Trainingsbedingungen. Der Normalausleger, der vor allem für seinen technisch sauberen Stil gelobt wird, wirkt völlig austrainiert und hatte vor seinem letzten Kampf keinerlei Probleme, auf das Kampfgewicht von 72,5 Kilo abzukochen.

Und wie ist es mit dem Verdienst als noch nicht so bekannter Profiboxer? „Ich komme gut klar“, versichert Gualtieri, der natürlich meilenweit von Klitschko’schen Dimensionen entfernt ist. Er erhält von Agon ein Grundgehalt, dazu Geld pro Kampf und bemüht sich mit Hilfe des Vereins Sportstadt Wuppertal um weitere Kleinsponsoren. „Mein Kühlschrank ist immer voll, und ich kann mir auch Klamotten leisten“, sagt VW-Fahrer Gualtieri, der seit drei Monaten auch Papa einer kleinen Tochter ist. Demnächst will er mit seiner Freundin aus der Box-WG aus - in eine eigene Wohnung in Berlin einziehen. Sportlich hofft er auf den nächsten Schritt. Und wenn er Deutscher Meister werden sollte, wird sicher auch der Name „Rocki“ fallen, der mal ähnlich angefangen hat.

(gh)