Gruppenausstellung "Chronicles" in der Galerie Droste zeigt internationale Künstler.

Ausstellung : „Chronicles“ des täglichen Seins

Gruppenausstellung in der Galerie Droste zeigt internationale Künstler und Geschichtenerzähler.

„Chronicles“ lautet der Titel der Gruppenausstellung, die Chronik des Alltags sein will. „Wir haben viele figurative Künstler, die Alltagsgeschichten erzählen, über ihr eigenes oder das Dasein anderer Menschen. Wir wollen ihre Wege des Storytellings zusammenbringen“, erklärt Katharina Galladé von der Galerie Droste und lässt Berthold Brecht sprechen: „Das Schicksal des Menschen ist der Mensch“. Sieben Künstler aus vier Ländern zeigen ab dem heutigen Samstag an der Katernberger Straße ihre Arbeiten und Positionen zu Einsamkeit, Träumen, Banalitäten und Schicksalen der Menschen.

Er spürt fanatische Menschen auf. Henrik Beikirch erschafft riesige schwarz-weiße Porträts, die auf der Basis von Fotografien mit Acryl, Lack und Tusche auf Leinwand entstehen. Das zerfurchte Gesicht eines skeptisch zur Seite blickenden Soldaten in der Ostukraine steht im Zentrum eines aus fünf, verschieden gelagerten Tafeln bestehenden Bildes, auf denen auch seine Waffe und das Land, um das er kämpft, zu sehen sind. Ein alter Hooliganin Unterhose wird kurz vor einer Schlägerei gemalt - die Landschaft seiner Haut verschwimmt in der Nähe zu abstrakten Mustern. „Beikirch ist Porträtmaler. Er zeigt gerne ältere, nicht perfekte Menschen, konfrontiert mit ihrer Geschichte“, erzählt Galladé. Seine Motive finde er auf Reisen, die nicht selten Expeditionen ähneln.

Das Porträt ist auch Thema von Amir H. Fallah. In seiner Kunst treffen zwei Welten, zwei Kulturen aufeinander: Der US-Amerikaner flüchtete als Kind aus dem Iran. Seine sitzende Frau besteht vor allem aus einem Kopftuch, ist bewusst nicht zu erkennen, im Arm hält sie ein kunstvoll gewundenes Tuch, eine Lichterkette - und „ihr Kind“ Mickey Mouse. Das runde, bunte, an Pop Art und Werbung erinnernde Bild rahmen orientalische Blumenbordüren ein. Galladé: „Fallah greift bewusst den aktuellen Diskurs um die Porträtmalerei auf.“ Seit der Erfindung der Fotografie sucht das Genre nach neuen Ausdrucksformen.

Seinen eigenen Weg zum Porträt geht Brian Robertson, dessen Herkunft aus der Wüste Nevadas sich in seinen schwarz-weißen Selbstporträts spiegelt. Mit Acrylfarbe auf Holz malt er zarte wie spannende Bilder, bei den Kakteen als Kopf aus einem Hemd wachsen. Der Künstler lebt zwar in Los Angeles betont aber seine Verwurzelung in seinen fotografischen, total selbstreferenziellen Bildern.

Trend zum humorvollen Storytelling

Der Däne Husk Mit Navn lässt sich durch die bunte Welt des Comic und des Graffiti inspirieren. Zur Malerei kam er über Illustrationen, seine „Snapshots des alltäglichen Lebens“ zeigen zwei Reisende in dem Moment, in dem ihre Züge aneinander vorbeifahren oder einen Eisverkäufer, der selbst sein bester Kunde ist. Skurrile, mal eher zynische, mal eher humorvolle Betrachtungen.

Super Future Kid wuchs in Ostdeutschland auf. Die einzige Frau der Ausstelung thematisiert die Popkultur, Neon- und Technoindustrie der 1980er und 90er Jahre. „Ihr Name passt dazu, er steht für Kind, Zukunft und Helden“, sagt Galladé. Ihr mit Acrylfarben und Spritzpistole bewusst flach und fast kindlich gemalter Held übergibt in cooler Pose einen Blumenstrauß. An den Seiten des Bildes sind kleine Windowcolourblumen angebracht. Sie liegt damit im „Trend des humorvollen Storytellings, der der ernsten Welt entgegengesetzt wird“.

Der in Amsterdam lebende Willehad Eilers schließlich zeigt seine Playboy Bunny Serie, reiht acht einzelne monochrome Bilder aneinander. Thema ist die abgründige Welt der Nacht, die exzessiven Partys der 20 Jahre. Er malt mit Ölkreide rauhe Linien, die so brutal sind, wie das, was er darstellt.

Mehr von Westdeutsche Zeitung