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Projekt: Grundschüler lernen den „Bohrer-Blick“

Projekt : Grundschüler lernen den „Bohrer-Blick“

Hermann-Herberts-Schule nimmt am Projekt „Gewaltfrei Lernen“ teil. Dabei üben Schüler, wie sie Konflikte selbst lösen können.

. Mit festem Blick schauen etwa 20 Erstklässler einer nach dem anderen Theaterpädagogin Regine Schröder an. „Ihr müsst selbstbewusst stehen und mich mit starkem, ernstem Blick anschauen. Ich nenne das den Bohrer-Blick“, sagt Schröder. Den meisten gelingt das auf Anhieb gut, andere müssen erstmal kichern. „Ohne Lachen, sonst nimmt euch der andere nicht ernst“, sagt Schröder. „Gewaltfrei Lernen“ heißt das Anti-Konflikt-Training, an dem die Hermann-Herberts-Grundschule an der Cronenfelder Straße nun schon zum vierten Mal teilnimmt. Drei Doppelstunden lang nehmen die Erstklässler jedes Jahr am Projekt teil und auch die Zweit- bis Viertklässler erhalten eine Auffrischung.

„Uns geht es darum, dass die Kinder von sich aus Handlungsmöglichkeiten kennen lernen, um alltägliche kleine Konflikte selbst zu klären“, sagt die stellvertretende Schulleiterin Katrin Krüger. Deshalb habe sich die Schule vor mehr als drei Jahren auf die Suche nach einem Projektpartner gemacht und habe sich dann für den Verein Gewaltfrei Lernen aus Pulheim entschieden. Deren von Sonderpädagogen und Sportwissenschaftlern entwickeltes Training, das unter anderem von Theaterpädagogen durchgeführt wird, helfe nicht nur bei der Konfliktlösung, sondern stärke auch das Selbstbewusstsein der Kinder. Nach einer Lehrerfortbildung und einer Elterninformationsveranstaltung inklusive Rollenspiel wurde das Projekt 2016 eingeführt und hat sich nun an der Schule etabliert. „Gewaltfrei Lernen“ sei mittlerweile auch Teil des Schulprogramms, sagt Katrin Krüger.

Mit Hilfe von Drache „Draco“ lernen die Kinder, „Stopp“ sagen

Aus ihrer Sicht sind gerade das frühe Anti-Konflikt-Training sowie die Stärkung des Selbstbewusstseins wichtig für die Kinder. „Die Basis wird in der Grundschule gelegt“, erklärt Krüger. Und die Bereitschaft der Kinder sei grundsätzlich da: „Die Kinder wollen sich an Regeln halten, schaffen es nur noch nicht immer“, sagt sie.

Trainerin Regine Schröder ist von dem Programm absolut überzeugt. „Das ist super, das kann jedes Kind brauchen“, sagt die Theaterpädagogin und Mutter, die das Training kennengelernt hat, weil ihr Sohn in seiner Schule daran teilgenommen habe. Die Fortschritte der Kinder seien zwar unterschiedlich groß, doch die Kinder könnten sich noch an vieles erinnern, wenn sie nach einem Jahr an die Schule zurückkomme. „Das Training der Handlungsfähigkeit führt dazu, dass sich die Kinder nicht ausgeliefert fühlen, es gibt ihnen Sicherheit“, ist ihre Erfahrung. Zudem stärke das gemeinsame Training den Teamgeist.

Dann geht es wieder an die Arbeit. Mit Drache „Draco“ wird geübt, „Stopp“ zu sagen und sich notfalls Hilfe von Lehrkräften zu holen. Denn bei aller Selbstständigkeit sei es für die Kinder auch wichtig zu wissen: „Hilfe holen ist nichts Schlechtes.“