Gründlich daneben

Im Luisenviertel ist es rund um die T-Kreuzung Luisenstraße und Obergrünewalder Straße karger geworden. Alles im Namen der Gehwegbreite. Gerade an dieser Stelle im Luisenviertel wirkt die harte Auslegung der Straßenverkehrsordnung allerdings absurd.

Nicht ein einziger Rollstuhlfahrer hat durch diese Maßnahme jetzt freie Fahrt. Nicht nur, dass Mülltonnen, Stromkästen, Treppenstufen und parkende Autos die Gehwegbreite einengen — der charmante Bürgersteig aus früheren Tagen hält sowieso keine konstante Gehwegbreite durch. Da hilft es nichts, Tische und Bänke weg zu reglementieren. Schließlich geht es hier nicht um eine illegale Außengastronomie, sondern eine ungezwungene Sitzgelegenheit für die Nachbarschaft. Auswärtige fühlen sich manchmal im Luisenviertel an ein kleines Paris erinnert. Mit dem plötzlichen Anflug deutscher Gründlichkeit lässt sich dieses Flair jedoch schnell vertreiben.

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