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Grün kennt keine Stadtgrenzen

Grün kennt keine Stadtgrenzen

Die bergischen Städte haben einen Masterplan für ein grünes Städtedreieck erstellt. Es gibt viele Ideen — aber noch kein Geld zur Umsetzung.

Einen schöneren Ort für die Präsentation des Masterplans „Grünes Städtedreieck — Region mit Weitsicht“ hätte sich bei strahlendem Sonnenschein kaum finden lassen. Auch wenn Oberbürgermeister Andreas Mucke angesichts der Blütenpracht im Botanischen Garten auf der Hardt mit Heuschnupfen zu kämpfen hatte, nahm er erfreut das Konzept für eine intensivere Zusammenarbeit von Wuppertal, Solingen und Remscheid bei der Entwicklung grüner Potenziale entgegen. Ende des Jahres soll der Masterplan in den Räten der drei bergischen Städte zur Abstimmung stehen.

Grün kennt keine Stadtgrenzen
Foto: Andreas Fischer

Drei Leitideen wurden für den Masterplan innerhalb eines Jahres erarbeitet und jetzt den Projektmitgliedern in der Orangerie vorgestellt. Die Fachressorts der Städte und zahlreiche Initiativen haben daran mitgearbeitet. Die Schlagworte heißen bewegt, vielfältig und vernetzt. Vernetzen wollen die Bergischen zum Beispiel ihre alten Bahn—trassen, die Fahrradwege mit dem Stadtraum besser verknüpfen. Die Wupper soll über die Stadtgrenzen hinaus erlebbarer gemacht werden. Der Elisenturm und der Bismarckturm auf der Hardt sind Beispiele für die Aus- und Weitsichten, die diese und andere Aussichtspunkte im Bergischen bieten. Dieses Alleinstellungsmerkmal soll noch stärker betont werden.

Mit dem sperrigen Arbeitstitel „Regionale Entwicklungsbänder ehemalige Bahntrassen und Grüne Infrastruktur im Bergischen Städtedreieck“ waren Fördermittel für das Projekt 2014 erfolgreich von Bund und Land eingeworben worden. „Der neue Titel ’Grünes Städtedreieck — Region mit Weitsicht’ drückt besser aus, worum es uns geht. Jetzt brauchen wir die finanziellen Mittel vom Land, um die vielen Ideen im Masterplan umzusetzen“, sagte Oberbürgermeister Andreas Mucke.

„Die Bevölkerung definiert sich stark über das Grün“, sagte Remscheids Beigeordneter für Stadtentwicklung, Bauen und Wirtschaftsförderung, Peter Heinze. Landschaftsarchitekt Carlo W. Becker, der das Projekt fachlich begleitete, sprach von „Aufgaben für die nächsten zehn Jahre“, die im Masterplan erarbeitet worden seien. „Es geht vor allem um die Verbesserung der Qualität vorhandener Grünflächen und darum, das Spezifische der bergischen Landschaft zu betonen“, erklärte Becker vom Büro bmgr Landschaftsarchitekten.

Dass die Pläne für eine Bundesgartenschau in Wuppertal und der Masterplan in Konkurrenz um Fördergelder stehen könnten, glaubt Andreas Mucke nicht. „Vielmehr würden sich diese Projekte ergänzen“, so Mucke. Eine Konkurrenz bei dem Werben um Fördermittel gebe es auch für andere Projekte wie die Trassen nicht.

Ein hochaktuelles Thema ist die Wasserwirtschaft im Bergischen Land. Über Jahrzehnte war die darauf angelegt, das Wasser so schnell wie möglich abzuführen. Der Starkregen am 29. Mai hat schmerzlich deutlich gemacht, dass es sinnvoller ist, das Wasser vermehrt auf natürlichem Weg zu speichern, damit es versickern und verdunsten kann. Ein weiterer Schwerpunkt soll die Offenlegung, Renaturierung und Verlangsamung der Fließgeschwindigkeit von verrohrten und betonierten Bächen sein. Die Wupper soll auf einer Länge von 60 Kilometer zum blau- grünen Rückgrat der Region werden. Zwischen Laaken und Beyenburg könne zum Beispiel die kulturindustrielle Bedeutung der Wupper noch stärker vermittelt werden.

Außerdem ist geplant, die bereits bestehenden Parkanlagen über eine Route der Gartenkultur miteinander zu verknüpfen und so aufzuwerten. Grüne Lernorte sollen geschaffen werden. Ein weiteres Schlüsselprojekt ist der Umbau und die Neukonzeption des Außengeländes der Station Natur und Umwelt. Um den Artenreichtum der Region zu stärken, wird den Städten empfohlen, auf Regiosaatgut zu setzen, um so Bienenweiden zu schaffen.