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Großmarkt in Wuppertal: Der Fischgeruch ist schon lange verflogen

Varresbeck : Großmarkt: Der Fischgeruch ist schon lange verflogen

Nur eine handvoll Händler hat sich an der Varresbeck gehalten. Jetzt bedroht die Corona-Krise das Geschäft.

Die ersten Lichtstrahlen des Tages erhellen den Varresbecker Großmarkt. Viele Rollläden sind nach unten gezogen, einzelne Gebäude sehen aus, als hätten sie schon bessere Zeiten gesehen. Nur in ein paar Ecken des Großmarktes herrscht noch geschäftiges Treiben. Dort werden flink Paletten mit Ananas, Papaya und Blaubeeren verladen.

Ilhan Akday schaut sich mit einem Kaffee-Becher in der Hand an, was die Arbeiter tun. Er kennt den Großmarkt seit 35 Jahren. „In den 90er Jahren war es hier so voll, da hat man manchmal keinen Parkplatz bekommen“, sagt er. Die Zeiten sind vorbei. Zur Blütezeit des Marktes waren an der Benrather Straße bis zu 30 Unternehmer tätig. Dicht an dicht priesen Landwirte und Händler ihre Waren an. Wo heute das Angebot bei Obst, Gemüse und Blumen endet, waberte früher der Geruch von Fisch und Fleisch durch die Markthalle. „Es sind noch drei Obst- und Gemüsehändler übrig geblieben. Und Blumen gibt es noch“, sagt Akday. Er arbeitet inzwischen im Großhandel „Fresh & Cash“ von Ayber Cebba. 1995 kam er erstmal als Einzelhändler an die Varresbeck, 2000 wechselte er auf die andere Seite.

80 Prozent der Ware muss
durch die Niederlande - ein Risiko

Seit zehn Jahren sei die Kundenfrequenz rapide eingebrochen, sagt der 57-Jährige. Er sagt: „Das hängt mit den Supermärkten und Discountern zusammen. Früher hatten die nur wenig Obst und Gemüse. Das hat sich dann immer weiter ausgebaut.“ In der Folge mussten viele kleine Händler aufgeben, worauf auch in der Varresbeck weniger gekauft wurde.

Wie kann sich denn „Fresh & Cash“ überhaupt noch behaupten? Akday sagt: „Über den Preis. Wir kaufen zum Beispiel Restposten und machen dann gute Angebote mit guter Qualität.“ Die Stammkunden finden ihren Weg von Düsseldorf, Köln oder Neuss nach Wuppertal. „Hier kommen jeden Tag zehn Tonnen Obst und Gemüse an“, sagt Akday, der eigentlich Programmierer ist.

Täglich zehn Tonnen an Waren - so wäre es, wenn nicht in diesen Tagen alles anders wäre. In Zeiten der Corona-Krise kann das Geschäft täglich kippen. Geschäftsführer Ayber Cebba sagt: „Belgien hat schon dicht gemacht. Und die Fahrer aus Italien kommen nur noch mit Ausnahmegenehmigung.“ Sie dürften ihre Fahrerkabine nicht verlassen, müssten sogar im Lastwagen zur Toilette gehen. Cebba sagt: „Die Fahrer kommen hier sehr gestresst an.“ In Österreich würde bei den Lastern der Tank gecheckt. Wenn der voll ist, dürften sie keinen Stopp mehr machen, bis sie das Land verlassen haben. 80 Prozent von Cebbas Waren müssen durch die Niederlande, weil sie aus aller Welt nach Rotterdam mit dem Schiff ankommen. Cebba macht sich daher Sorgen: „Wenn Holland auch noch dicht gemacht wird, dann Halleluja.“

Mittlerweile ist es fast 9 Uhr, die letzten Paletten sind verladen. Die Arbeiter bei Fresh & Cash sitzen bei einem Frühstück zusammen: Oliven und Peperoni stehen auf dem Tisch. Für die Menschen auf dem Wochenmarkt ist es eigentlich eine Art Mittagessen. Um 1 Uhr in der Nacht hat für viele der Arbeitstag begonnen, dann kommen die ersten Lieferwagen an. Ilhan Akday sagt: „Normalerweise haben wir keine Zeit für ein gemeinsames Frühstück. Aber heute ist es ruhiger.“ Cebba sagt: „Klar, die Kunden haben auch Schiss. Die kaufen jetzt hauptsächlich haltbare Waren.“

Die letzten Laster verlassen das Gelände. Früher traf man nach dem Feiern auf dem Großmarkt und frühstückte gemeinsam. Jetzt fährt das Essen in andere Städte.