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Große Freude auf 350 Spielplätzen in Wuppertal über die Öffnung

Lockerungen der Coronamaßnahmen : Große Freude auf 350 Spielplätzen in Wuppertal

Dankbar nahmen Familien aus Wuppertal die Wiedereröffnung der Spielplätze am Donnerstag an. Einen größeren Ansturm gab es dabei noch nicht.

Endlich wieder Hangeln. Vom Klettergerüst auf dem Spielplatz Gutenbergplatz war Julian am Donnerstagvormittag kaum runterzubekommen. „Wir haben die Öffnung sehnlichst erhofft“, erklärte Rudolf Heitgreß, der Vater des Fünfjährigen. Auch Justus, der dreijährige zweite Sproß des Wuppertalers, hatte seinen Spaß im Sand. Auf rund 350 Spielplätzen lief am Donnerstag der Betrieb wieder an. Doch richtig überlaufen waren viele Anlagen noch nicht. Viele Eltern zögerten offenbar noch angesichts der Corona-Auflagen, die eingehalten werden müssen.

Am Gutenbergplatz am Arrenberg war das kein Problem – so wenig war am Vormittag los. „Ich hätte gedacht, dass es voller wird“, sagte Heitgreß. Auch Sandra Scheidt, die mit ihrer Mutter Regina Wenzel und Sohn Benjamin gekommen war, zeigte sich überrascht über den eher geringen Andrang. „Wir sind aber froh, dass die Spielplätze wieder auf haben. Die Kinder haben doch einen Bewegungsdrang.“ Es sei zudem wichtig, dass sie auch wieder mit anderen Kindern spielen können. Und da der Platz sehr weitläufig sei, sehe sie auch keine Probleme, den Abstand zu halten. „Das wird eher auf kleinen Spielplätzen schwer.“

Verbotene Nutzung anderer machte die Abstinenz schwerer

Während viele Eltern und Kinder das erste Mal wieder einen Spielplatz betraten, gab es auch während der Sperrung verbotenerweise Betrieb. „Meine Tochter konnte das aus dem Dachfenster sehen“, sagte ein Anwohner. „Das war schon irgendwie ungerecht.“

Das konnte auch Anna (4), die Tochter von Daniel Bäldle, am Schusterplatz auf dem Ölberg beobachten. Und das sei schon „blöd“ gewesen, sagte Bäldle. Dementsprechend groß war aber die Freude am Donnerstag, als Bäldle ihr sagte, sie könnten auf den Spielplatz gehen und spielen. Anna rannte von hier nach da, wollte alles wieder ausprobieren. Bäldle und auch Fabian Kischkewitz mit Inga (2) und Theo (4) sprechen von „Erleichterung“ angesichts der Öffnung der Plätze. „Viel mehr als der Spielplatz fehlen aber die Freunde“, sagte Bäldle, die Lockerung der Kontaktbeschränkungen sei daher fast wichtiger.

Für Kischkewitz und seine Familie war die Sperrung besonders einschneidend. Sie sind erst im Oktober aus Mainz hergezogen und wurden so auch daran gehindert, sich zu vernetzen und andere Eltern und Kinder im Viertel kennenzulernen. Das wird jetzt wieder besser gehen, hofft er. Spielplätze sind eben auch Kommunikationsräume.

Der betreute Spielplatz Sternpunkt an der Roßkamper Straße in Vohwinkel war schon früh gut besucht. Rund 30 Kinder und Eltern kamen auf das Areal. „Das ist die maximale Personenzahl, die wir hier zulassen“, erklärte Udo Schemann, Vorsitzender des Trägervereins Kinder-Tisch Vohwinkel. „Wir freuen uns riesig darüber, dass wir wieder hier sein dürfen“, sagte Mutter Katrin Otterbach. Ihre beiden Töchter hatten auf der Rutsche und im Niedrigseilgarten riesigen Spaß. Die großen und kleinen Gäste müssen natürlich die Abstands- und Hygieneregeln einhalten. „Das klappt sehr gut“, berichtete Udo Schemann.

Im Nordpark ist spürbar, was sieben Wochen der Spielplatzschließung zur Folge haben: Kinder und ihre Eltern nutzen hier in großer Zahl das blendende Mai-Wetter. Dass dabei Distanz-Empfehlungen nicht eingehalten werden können, fällt schnell auf – und verwundert: „Wüsste man es nicht, dann sähe es so aus, als gäbe es Corona nicht“, meinte Heike Jansen. Sie geht als Beschäftigte im Pflegekinderdienst auf dem Spielplatz ihrem Job nach und ist „hin- und hergerissen“ zwischen Befürwortung und Ablehnung der Spielplatz-Öffnung. „Nicht alle wohnen privilegiert, Familien mit Mietwohnungen sind auf die Plätze angewiesen“, stellte sie einerseits klar. Andererseits sei nun die Frage, „wie es sich im Laufe der nächsten Wochen auswirkt“.

Für andere Nordpark-Gäste sind die Fragen der Stunde leichter zu beantworten. „Wir müssen langsam wieder anfangen“, ist die Ansicht von Nastassia Esposito. Ihr Sohn Giorgio stellte nach den Wochen ohne die Geräte zum Austoben fest: „Es ist nicht so gut, immer zu Hause zu bleiben“. Trotzdem achtet die Familie auf dem Spielplatz auf die Vorsichtsmaßnahmen: „Ich lasse mein Kind nicht dahin, wo es zu voll ist“, sagte Esposito.

Am Loh wurden die grundlegenden Richtlinien beachtet, Eltern saßen mit Abstand nebeneinander. Das ist auf dem weiträumigen Platz an der Wupper besser möglich als im Nordpark. „Ich bin froh, dass es hier nicht so voll ist“, sagte Jana Königshoff. Vor der Schließung habe sie stets einen Platz suchen müssen, nun, nach der Wiederöffnung, bleiben viele fern. Daher plagen diejenigen, die kommen, keine Gewissensbisse. „Wir machen uns wenig Sorgen um Infektionen“, bestätigte Tina Bohlert. Sie ist froh um die Aufhebung der Restriktion. „Mit aktiven Kindern ist ein Spielplatz unabdingbar“, fand die Mutter, die die Schließung dennoch nachvollziehen kann.

Sozialdezernent Stefan Kühn (SPD) sprach den Eltern am Nachmittag ein Kompliment aus: Fast alle hätten sich an die Regeln gehalten. Überall hätten die Mitarbeiter des Jugendamts gute Stimmung wahrgenommen – auch bei den wenigen Fällen, bei denen Ansprachen und Hinweise nötig gewesen seien.