Graffiti-Krippe: Malerei zwischen Spaß und Nachdenklichkeit

Graffiti-Krippe: Malerei zwischen Spaß und Nachdenklichkeit

Martin Heuwold, Dominik Hebestreit und Norman Schlegel gestalten die schon traditionell gewordene Graffiti-Krippe.

Elberfeld. Mit dem Akkuschrauber stehen „Megx“, „Angus“ und „Birne“ auf dem Laurentiusplatz und befestigen Stellwände an Holzlatten. Gemeinsamkeiten mit den Heiligen Drei Königen können schon angesichts der Arbeitskluft weitgehend ausgeschlossen werden. Die Mission der drei Künstler hat dennoch mit dem Jesuskind zu tun, auch wenn das gegenwärtig noch nicht so recht erkennbar ist.

Die bürgerlichen Namen des Trios lauten Martin Heuwold, Dominik Hebestreit und Norman Schlegel. Ihr vorweihnachtliches Treiben ist bereits ein geläufiger Anblick im Viertel. Zunächst war es Heuwold allein, der 2009 eine erste Graffiti-Krippe im Auftrag der Katholischen Citykirche Wuppertal und der IG Friedrich-Ebert-Straße gestaltete. 2012 gesellten sich erstmals die Kollegen Hebestreit und Schlegel hinzu. Ergebnis der Kooperation war damals eine Art Vexierbild mit drei mal drei dreiteiligen Figuren.

Nicht begehbar wie zuvor, sondern bespielbar werde die diesjährige Krippe, sagt Heuwold. Jeder solle sich darin wiederfinden können. Ein Kunstgriff, den man von Jahrmärkten kennt, ermöglicht die Identifikation. Denn außer Maria und dem Jesuskind werden die dargestellten Figuren keine Gesichter erhalten. Vielmehr werden dort Löcher ausgespart, in die jeder Passant seinen Kopf stecken und sich fotografieren lassen kann.

Könnte das die Basis für einen Fotowettbewerb sein? Heuwold denkt nach. „Warum nicht?“ Nachteil sei höchstens, dass man allenfalls die Gesichter bewerten könne, da die Fotowand eine recht starre Vorgabe sei.

Pastoralreferent Werner Kleine sieht in der diesjährigen Krippe einen ernsteren und sehr aktuellen Anlass. Auf die Rückseite der Krippe werde eine Mauer gemalt, die Kleine als Mahnmal versteht. Sie sei Sinnbild für Mauern, die wir gegenüber anderen aufbauen, insbesondere gegenüber den Flüchtlingen, die Hilfe suchen und auf Lampedusa stranden — falls sie nicht vorher ertrinken. Wenn die drei Künstler in den kommenden Wochen die Krippe malen, wird also auch Zeit sein, sich Gedanken zu machen, wie wir Mauern durchbrechen können.

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