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Goya und der Weltuntergang - Eckhard Freise hält Weihnachtsvorlesung

Goya und der Weltuntergang - Eckhard Freise hält Weihnachtsvorlesung

Historiker Eckhard Freise fragte humorig nach der Chance, die Moral ohne Medien hätte.

Wuppertal. „Irgendwas mit Medien“ zählt zum beliebteren Teil aktueller Berufswünsche, wobei „irgendwas“ so weit ausholt, dass sogar ein passionierter TV-Glotzer ins Raster passen würde. Im Umkehrschluss hatte Prof. Dr. Eckhard Freise ein weites Feld vor der Brust, als er am Donnerstag in der Bergischen Universität seine Weihnachtsvorlesung „Moral ohne Medien?“ hielt.

Freise, emeritierter Historiker und dienstältester Millionär unter Günther Jauchs Neureichen, nennt sich selbst einen „Fan angewandten Trivialwissens“ und besitzt damit das perfekte Rüstzeug für irgendwas mit Medien. Dass Alt-Rektor Volker Ronge ihm mit dem seitenverkehrten „Medien ohne Moral?“ die Steilvorlage geliefert hatte, brachte Freise nicht dazu, seiner Kernfrage stringent auf den Zahn zu fühlen.

So wurde die — laut Untertitel — „vergnügliche Sittengeschichte journalistischer Narren und anderer Naseweise“ ein sehr bunter Bilderbogen entlang mehrerer Jahrtausende der Moral und Unmoral. Den Studierenden, die vorzeitig den Saal verließen, rief Freise nach, dass sie doch lieber bleiben sollten, denn: „Am Ende der Vorlesung verrate ich das Passwort für die Klausuren im Februar.“

Als waschechter 68er hatte der Historiker seine Sittengeschichte kiloschwer mit Loriot, Popkultur und anderen Schaustücken einer schon angestaubten Ära bepackt. So fügten sich Herr Müller-Lüdenscheidt und seine Gummiente nahtlos zu Leda mit dem Schwan.

Die sei „Porno à la Renaissance“, vermerkte Freise, der gleichwohl den unbekleideten Schönheiten nachhing und statt Goyas bekleideter Maya doch lieber die Version der nackten Maya zeigte. Apropos Maya. Auch der Weltuntergang kriegte sein Fett weg. Sollte die vorliegende Zeitung heute erscheinen, so wäre nach bester Medienmoral belegt, dass die mittelamerikanischen Unkenrufer samt ihren Jüngern einem Irrtum aufgesessen sind.

Dass ein Historiker solche Schwarzmalerei nur müde belächeln kann, liegt auf der Hand. Dennoch lud er zum Katastrophenfest, allerdings nicht gleich nach Mexiko, wo heute so richtig die Post abgeht.

Als aufrichtiger Wissenschaftler löste Freise am Ende der Vorlesung sein Versprechen ein und verriet das besagte Passwort: „RINTINTIN, groß und zusammen.“ Auch da musste die Jugend schon mitschreiben, denn wer weiß heute noch, dass Rin Tin Tin vor vielen Jahren der herzallerliebste Serienköter in einer TV-Reihe war?

Womit offenkundig wird, dass die Moral allemal den Bach runtergeht, ob mit oder ohne Medien, weil sie schlichtweg den Weg alles Irdischen geht.