Goldene Schwebebahn für Ulrike Schraders Versöhnungsarbeit

Goldene Schwebebahn für Ulrike Schraders Versöhnungsarbeit

Die Leiterin der Begegnungsstätte erhält die Goldene Schwebebebahn des Stadtverbandes der Bürger- und Bezirksvereine.

Wuppertal. Nein, eigentlich ist es weder gefällig noch angenehm, was Ulrike Schrader seit 17 Jahren tut. Sie hält alte Wunden offen. Verhindert Schlussstriche. Erinnert Täter, ihre Angehörigen und ihre Nachfahren an ihre Schuld. Es ist „die Barbarei des millionenfachen Massenmords an unseren Mitbürgern“, die Ulrike Schrader als Leiterin der Begegnungsstätte Alte Synagoge mit den Worten Wolfgang Baumanns, des Vorsitzenden des Stadtverbandes der Bürger- und Bezirksvereine Wuppertal, in den Köpfen aller Wuppertaler gegenwärtig hält. Für diese Arbeit verlieh der Stadtverband Ulrike Schrader am Sonntag sein Ehrenzeichen, die Goldene Schwebebahn.

„Ulrike Schraders Person tritt hinter ihr Werk zurück“, würdigte Wolfgang Baumann die Geehrte, die seit 1994 die Begegnungsstätte mit einem winzigen Etat und fast ohne Mitarbeiter leite. Dennoch sei es ihr gelungen, mit akribischer Arbeit einen Ort des Lernens, der Begegnung und der Versöhnung zu schaffen, der allen Generationen von Besuchern nicht nur einen Eindruck vom Jahrhundert-Verbrechen des Holocaust vermittle. Besonders mit der im Frühjahr eröffneten Dauerausstellung „Tora und Textilien“ zeige die Begegnungsstätte zugleich die Vielfalt und Liebenswürdigkeit jüdischen Lebens in Wuppertal von der Vergangenheit bis in die Gegenwart.

Diese Aufklärungsarbeit, die die Begegnungsstätte leiste, sei nach wie vor unverzichtbar, so Baumann weiter: „Jeder von uns kann zumindest passiv zum Mittäter werden, wenn die Aufklärung über historisch-politische Zusammenhänge fehlt“, sagte der Laudator — mit Blick darauf, dass Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit auch heute leider noch in Wuppertal aktiv seien.

Ulrike Schrader äußerte sich „über die Maßen“ erfreut und dankbar für die Goldene Schwebebahn. Sie sehe die Auszeichnung des Stadtverbandes als Zeichen, dass die Wuppertaler Bürger in ihrer Gesamtheit hinter der Begegnungsstätte stünden. Das stärke die Arbeit der Begegnungsstätte „in großartiger Weise“ — zumal über der Einrichtung das Damoklesschwert der Zuschuss-Kürzung stünde. „Ich hoffe, dass dieses Zeichen des bürgerlichen Konsenses auch bei allen Verantwortlichen für die öffentliche Sparpolitik ankommt.“ Von Bürgermeister Peter Jung, der am Sonntag unter den Ehrengästen saß, kam kein Zeichen des Widerspruchs.

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