Gildenstraße: Schandfleck steht vor dem Abriss

Gildenstraße: Schandfleck steht vor dem Abriss

Noch in diesem Jahr soll die Ruine verschwinden und Platz für eine Wohnbebauung schaffen.

Oberbarmen. Eine der markantesten Schrottimmobilien der Stadt könnte schon bald Geschichte sein. Noch in diesem Jahr soll die Immobilie an der Gildenstraße 9, von der eigentlich nur noch die hässliche Fassade steht, abgerissen werden, wie der Eigentümer gegenüber der WZ bestätigt. Auf der jüngsten Investorentour der Wirtschaftsförderung wurde das gut 2500 Quadratmeter große Areal als Standort für mögliche Wohnbebauung beworben.

Eigentümer will keine Billiglösung

Dem Eigentümer gehört auch die Autowaschanlage in der Nachbarschaft. Die Ruine gegenüber hatte er 2011 aus einer Zwangsversteigerung erworben. Damals stand das Gebäude schon lange leer. Zuletzt war dort die Brasilia Bar beheimatet. Eine Lokalität mit eher zweifelhaftem Ruf, wie es heute im Viertel heißt. Dazu passt auch das Ende: Vor Jahren brannte sie ab, der noch heute existierende Gebäudetorso ist das Überbleibsel.

Dabei, erinnert sich der aktuelle Eigentümer, habe es auch schon mal höherwertige Nutzer gegeben. Unter anderem habe die Schützengilde einst dort ihre Heimat gehabt. „Damals gab es dort auch ein Restaurant.“

Um den Schandfleck hatte es in den vergangenen Jahren immer wieder Diskussionen gegeben. Initiativen und Vereine hatten den Abriss gefordert. Doch Eigentümer und Stadt lagen im Clinch. Dabei ging es unter anderem um die Kosten des Abrisses. Der Eigentümer wollte sich nicht quer stellen, hatte aber schon 2015 gegenüber der WZ erklärt. „Ich möchte wenn eine große Lösung.“ Denn vor dem Gebäude befindet sich eine Fußgängerrampe, die vor Jahrzehnten angelegt worden war, als die B 7 tiefer gelegt wurde. Die Rampe sollte den Bewohnern ermöglichen, trotz des Höhenunterschieds noch ihre Häuser zu erreichen. Für deren Beseitigung sei die Stadt zuständig, hatte der Eigentümer argumentiert. Die sah das anders. Der Besitzer stehe in der Pflicht, die Ruine abzureißen, so Baudezernent Frank Meyer damals zur WZ. Das Thema Rampe sei davon losgelöst.

„Es hat lange gedauert“, räumt der Eigentümer jetzt ein. Aber nun habe es eine Einigung gegeben. Er übernehme den Abriss der Ruine und der Rampe, die Stadt kümmert sich dafür um das Absperren und die Wiederinbetriebnahme der Leitungen, die in diesem Bereich verlaufen, und die Wiederherstellung des Fußweges.

Erfreut über die Einigung ist Alexander Buckardt von der Wirtschaftsförderung. „Das ist eine spannende Fläche“, sagt er. Zumal sich auch im Umfeld möglicherweise etwas tun könnte. Weitere — allerdings mit Altlasten kontaminierte — Flurstücke auf der Gildenstraße stehen ebenfalls für eine neue Nutzung zur Verfügung. Und auch für eine dritte, momentan bebaute Fläche dort gebe es Perspektiven, so Buckardt. „Insgesamt reden wir dann von 7000 Quadratmetern.“ Es gebe einen Bebauungsplan für ein Mischgebiet. „Reine Wohnbebauung ist dann nicht komplett möglich.“

Der Rückbau der Schrottimmobilie soll auf jeden Fall erfolgen, betont der Eigentümer, auch wenn bis dahin noch kein Käufer für das Grundstück gefunden sein sollte. Und für die zukünftige Nutzung hat er klare Vorgaben: „Ich verkaufe nur unter der Prämisse, dass dort etwas Repräsentatives hinkommt. Das ist das Eingangstor nach Oberbarmen.“ Und nicht nur das: Die Gildenstraße liegt in der Nähe der Schwarzbachtrasse, die gerade zum Radweg umgebaut wird.

Positiv hat das Bürgerforum die Nachricht aufgenommen, dass ein Ende des Schandflecks naht. „Wir sind alle froh, wenn die Ruine wegkommt“, erklärt Bernd Schäckermann. Und Wohnungen würden in Oberbarmen gebraucht.

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