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GEZ-Ärger bei Unternehmern: „Das ist doch Wegelagerei“

GEZ-Ärger bei Unternehmern: „Das ist doch Wegelagerei“

Neuregelung der GEZ-Gebühren belastet bergische Firmen.

Wuppertal. Christian Busch ist sauer. „Da gibt es Mitarbeiter, die den ganzen Tag auf der Ladefläche stehen und überhaupt keinen öffentlich-rechtlichen Rundfunk nutzen. Trotzdem müssen wir tief in die Tasche greifen“, schimpft der Geschäftsführer des Textilunternehmens Walbusch in Solingen. Die Neuregelung der Rundfunkgebühren, die ab 1. Januar in Kraft treten soll, wird in vielen Fällen für Mehrkosten sorgen, da sind sich Unternehmer aus der Region sicher. 30 von ihnen machten am Donnerstag ihrem Ärger bei einer medienpolitischen Veranstaltung der bergischen Industrie und Handelskammer (IHK) Luft. Über 90 Prozent der Gebühren kommen von Privathaushalten, der Rest von Unternehmen.

„Mich haben Unternehmer angerufen, die hier in der Region 20 Filialen unterhalten und künftig den 20-fachen Rundfunkbeitrag entrichten müssen“, berichtet Michael Wenge, Hauptgeschäftsführer der IHK Wuppertal-Solingen-Remscheid. Die meisten der anwesenden Unternehmer erklärten, durch die Neuregelung würde sich ihr Beitrag verdreifachen bis verfünffachen.

Marc Jan Eumann, Staatssekretär im NRW-Ministerium für Bundesangelegenheiten, Europa und Medien, sprach in seinem Impulsreferat hingegen von Erleichterungen, die durch die Neuregelung entstünden: „Die preisliche Belastung soll im Vergleich zum jetzigen System sinken.“ Zugleich warb Eumann für den Wert des hiesigen Rundfunks: „Wir haben das beste öffentlich-rechtliche und kommerzielle Fernsehen der Welt.“ „Aber auch das Teuerste“, entgegnete ein Unternehmer trocken.

Auch Eva-Maria Michel verteidigt die Neuregelung der Rundfunkgebühren, die künftig geräteunabhängig eingezogen werden: „Alles, was hinter der Haustür stattfindet, geht uns nichts mehr an“, sagt die stellvertretende Intendantin des Westdeutschen Rundfunks (WDR). Und weist darauf hin, so den ein oder anderen Schwarzseher zu ermitteln, ohne das Kontrolleure eingesetzt werden müssen. Dadurch, dass der Beitrag künftig pro Raumeinheit fällig werde, profitierten besonders Freiberufler, die ihr Büro in ihrer Wohnung eingerichtet hätten. Sie müssten jetzt nicht mehr doppelt zahlen, sagte Michel.

Verlierer seien hingegen Nutzer, die kein Fernsehen besäßen und bisher nur die Radio-Grundgebühr von 5,76 Euro bezahlen müssten, ergänzte Eumann. Für sie fällt nach der neuen Regelung der volle Beitrag an. „Das ist doch Wegelagerei: Man bezahlt für Leistungen, die man überhaupt nicht bezahlt hat“, schimpft ein Unternehmer aus Remscheid.

Zum Abschluss kündigte Marc Jan Eumann an, dass er mit Eva Marie Michel persönlich in die Unternehmen gehen werde, um zu berechnen, ob die Beträge wirklich so hoch sind.