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Gesichter erzählen vom Leben

Gesichter erzählen vom Leben

Bei „Jung malt alt“ portraitieren zehn Studentinnen die Bewohner eines Seniorenzentrums.

Wuppertal. Hochkonzentriert beugen sie sich über ihre Zeichenblöcke. Aus wenigen Strichen entsteht bald ein erkennbares Gesicht. Gegenüber sitzen Senioren in der Sonne, lesen Zeitschriften, genießen das schöne Wetter und stellen ihr Gesicht zur Verfügung. Es sind gerade die Gesichter älterer Menschen, die vom Leben erzählen. Von Freud und von Leid.

Oft in Vergessenheit geraten und aus dem Fokus der Öffentlichkeit getreten, werden diese Gesichter kaum portraitiert. Genau das hat sich der Illustrator und Dozent Christian Barthold von der Medienakademie Dortmund (WAM) nun zum Thema gemacht. „Ältere Menschen wieder in die Gesellschaft zurückzuholen und sie zu zeigen“, ist sein Motto.

Davon handelt seine Kunstportrait-Aktion „Jung malt alt“ im Agaplesion Bethesda Seniorenzentrum. Zusammen mit zehn Studentinnen der WAM zeichnete Barthold die Bewohner des Stiftes und hielt ihre Gesichter auf Papier fest. „Ich habe seine Bilder in der Zeitschrift ,Pro Alter’ gesehen und war begeistert“, sagt Elisabeth Rudkin vom sozialdiakonischen Dienst, die das Projekt mit angeschoben hat. Sie habe eine Ausstellung dieser Bilder im Seniorenzentrum arrangieren wollen. Daraus ist zusammen mit dem Künstler dann die Idee zu „Jung malt alt“ entstanden.

Ilse Busch (92) und Irmgard Hahn (82) haben sich von den Studentinnen zeichnen lassen. Sie hätten sofort zugesagt, sagen sie, denn „die jungen Leute müssen ja auch lernen“, erklärt Busch. Man könne ihre Gesichter gut erkennen und Spaß gemacht habe es auch. „Zumal wir uns sogar bewegen durften“, sagt sie. Auch Irmgard Hahn ist begeistert: „Wir können so von einander etwas lernen. Auf diese Weise bleibt man jung und bekommt noch etwas mit von den modernen Dingen in der Welt.“

Für die Künstlerinnen im zweiten Semester an der WAM ist die Portraitzeichnung älterer Menschen eine Herausforderung. „Wir können ihnen nicht wie jungen Models sagen, dass sie still sitzen sollen. Ich verdreh’ dann lieber meinen Kopf, um den gleichen Winkel zu bekommen“, sagt Studentin Kay Zywietz (21). Auch das Zeichnen selber hat seine Besonderheiten, denn Falten und Schattierungen in den Gesichtern wollen detailgetreu wiedergegeben werden. Die Begeisterung aller Beteiligten und die Bilder sind die Mühen wert — die besten Bilder werden in der Zeitschrift „Pro Alter“ abgedruckt.