Geschenk-Einpacker im Kaufhof Wuppertal - so hart ist der Job

Weihnachtsgeschäft : Geschenk-Einpacker im Kaufhof Wuppertal - so hart ist der Job wirklich

So schwer kann das ja nicht werden... Unser Reporter Daniel Neukirchen versuchte sich in Wuppertal als Einpacker im Weihnachtsgeschäft. Versuchte.

Bei Anja Hirner sieht es ganz einfach aus: Die Expertin reißt hinter der Einpack-Theke in der Galeria Kaufhof passgenau Geschenkpapier ab und verwandelt das Brettspiel, das ihr ein Kunde übergeben hat, innerhalb von wenigen Minuten in ein akurat verpacktes Geschenk. Das Papier ist straff um den Karton gespannt, an den Seiten stehen keine Zipfel ab, die Schleife mit festlichem Pompon ist symmetrisch fixiert. Perfektion wie vom Christkind.

„So, das ist die nächste Kundin“, sagt Hirner und tritt zurück. Nun ist der Anfänger an der Reihe: ich. Ein paar schnelle Tipps hat mir meine Anleiterin mit auf den Weg gegeben, damit mein erster Versuch als professioneller Einpacker einigermaßen gelingt. So soll ich nicht vergessen, den Preis abzureißen und auch darauf achten, die Kunden nach dem Geschenkpapier der Wahl zu fragen, damit ich das Parfüm für die Ehefrau nicht mit dem bunten Bärchen-Papier umwickele.

Eine Frau drückt mir drei kleine rechteckige Päckchen in die Hand. Glück gehabt, das ist ein Anfänger-Format. Anja Hirner hat mir schon berichtet, dass sie bereits ganze Bügelbretter einpacken musste. Und auch Plüschtiere seien immer eine Herausforderung. „Da kann man so schlecht Druck ausüben“, hat sie gesagt.

Also denke ich: Pappkartons - so schwer kann es ja nicht werden. Schließlich habe ich ja schon mal Geschenke eingepackt. „Nicht schön, aber selten“, habe ich schon von den Beschenkten zu hören bekommen. Zu Weihnachten musste ich die misslungensten Versuche dann einfach ein wenig weiter unter die Tanne schieben.

Während das Kerzenlicht so manchem Päckchen schmeichelt, vergibt die Ausleuchtung auf der Kaufhof-Theke nichts. Erschwerend kommt hinzu, dass mir jetzt mehrere Menschen direkt auf die ungeschickten Finger schauen. „Ich bin neu, das kann etwas länger dauern“, warne ich die Kundin. „Kein Problem“, sagt sie und wartet, dass der Zauber beginnt.

Ich ziehe das Papier von einer riesigen Rolle und reiße es zaghaft ab. Und zwar so, dass das Blatt an mehreren Stellen einreißt. Da muss ich wohl mit der Schere nachjustieren. Leider schneide ich zackige Kanten ins Papier. Also noch ein Versuch, der etwas besser gelingt. Voller Elan beginne ich zu falten. Da räuspert sich die Kundin: „Äh, der Preis.“ Ach ja, der Anfängerfehler, den ich nicht machen wollte. Ich entschuldige mich und knibbele das Etikett ab, bevor ich wieder den Falt-Vorgang einleite.

Eigentlich läuft alles gut - nur dass beim letzten Überfalten noch ein kleiner Streifen Karton sichtbar bleibt. Da habe ich wohl zu viel getrimmt. Ein Pärchen vor der Theke grinst mich an, während ich das Papier entsorge und den zweiten Versuch starte. Zum Glück wirkt meine Kundin wie die Geduld in Person und während ich wieder umständlich das Papier von der Rolle reiße, nimmt mir Anja Hirner lieber schon mal die zwei kleineren Präsente ab.

Papier eingerissen - bitte neu starten

Ich falte wieder und halte mich dieses Mal besonders lange an den Ecken auf, die ich nicht richtig ins Dreieck-Format gebändigt bekomme. Ich rüttel und falte und korrigiere und zerre. Zwischendurch schaue ich zu meiner Kundin hoch, die zum Glück viel Zeit hat und milde lächelt. Hinter ihr wird allerdings langsam die Schlange immer länger und ich bin mir nicht sicher, ob alle Kunden noch lächeln. Nach ein paar Minuten sind die Seiten fertig. Skeptisch schaue ich mir das Werk an und frage lieber einmal bei Anja Hirner nach: „Ist das gut so?“ Die Expertin deutet auf eine der Ecken: „Da ist das Papier eingerissen. Das müssen wir nochmal neu machen.“

Langsam beginne ich zu schwitzen und von der gebeugten, angespannten Haltung schmerzt mein Rücken - und das in der kürzesten Einpacker-Schicht der Menschheitsgeschichte. Als ich den dritten Versuch starte, beschleicht mich so ein wenig das Gefühl, dass ich normalerweise bald den Satz hören würde: „Danke, Sie hören von uns.“

Doch ich darf es durchziehen. Die Schleife macht mir noch einmal Schwierigkeiten. Aber irgendwie - mit Hilfe von der Seite - liegt am Ende ein eingepacktes Paket vor mir. Ich frage die Kundin: „Ok, so?“ Ein erlösendes Nicken später geht mein erstes verpacktes Geschenk über die Theke.

Ich bilde mir ein, zu einem fröhlichen Weihnachtsfest beigetragen zu haben. Vielleicht nicht mit einer wunderschönen Verpackung, aber sicher doch mit einer erheiternden Anekdote.

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