Gegen den Trend: Wuppertaler Kita an der Linde schließt

Erziehung : Gegen den Trend: Kita Linde schließt

Der Bedarf an Plätzen in Ronsdorf ist aktuell hoch. Trotzdem öffnet die Einrichtung am 31. Juli zum letzten Mal.

Die Evangelische Kindertagesstätte Linde schließt zum 31. Juli ihre Türen für immer. Das bestätigte Leiterin Sabine Hoch der WZ. Die 20 Kinder, die derzeit noch die eingruppige Kita besuchen, sollen auf andere Einrichtungen des Trägers, der evangelischen Kirchengemeinde Lüttringhausen, verteilt werden. Zu den Gründen hatte sich die Gemeinde bereits öffentlich geäußert: Eine Kita mit nur einer Gruppe sei finanziell und personell schwer zu betreiben. Auf Anfrage der WZ wollte Rebecca Stobbe vom Gemeindeamt das so nicht mehr wiederholen. Zu den Gründen wollte man sich jetzt nicht mehr äußern. Fakt ist: Am Ende eines langwierigen Entscheidungsprozesses hat sich der Träger gegen den Weiterbetrieb der Kita entschieden.

Sozialdezernent Kühn zeigt sich
von der Entscheidung „irritiert“

Aus Sicht der Stadt, die dem steigenden Bedarf bei den Kindertagesstätten stetig hinterherläuft, ist die Entscheidung schwer nachvollziehbar. Sozialdezernent Stefan Kühn sagt: „Das hat uns auch sehr irritiert.“ Definitiv gebe es in Ronsdorf weiterhin einen hohen Bedarf an Kita-Plätzen. Der Dezernent sieht das Aus der Einrichtung in ihrer Struktur begründet: „Eingruppige Kitas sind extrem schlecht wirtschaftlich zu führen.“ Zudem vermutet Kühn, dass sich die Kirchengemeinde Lüttringhausen, die noch drei weitere Kitas in Remscheid führt, schlicht aus Wuppertal zurückziehen wollte.

Für Ronsdorf verschärft das die ohnehin angespannte Situation in der Kita-Landschaft noch ein Stück weiter. Stadtbetriebsleiter Michael Neumann sagt: „Es gibt Stadtteile, in denen ist der Bedarf größer als im städtischen Durchschnitt. Ronsdorf gehört dazu.“ Zum Stichtag 1. August 2019 standen in Ronsdorf 1209 Kita-Plätze zur Verfügung - nicht genug. Bei den Kinder über drei Jahren erreicht Ronsdorf eine Versorgungsquote von 84 Prozent, wobei das angestrebte Ziel eigentlich bei 99 Prozent liegt. 89 Plätze fehlen. Im U3-Bereich verfehlt die Stadt die Wunsch-Quote von 50 Prozent ebenso deutlich. Nur 35 Prozent werden derzeit erreicht.

Für den Stadtteil bedeutet das: Der Ausbau geht weiter.  Auf dem Gelände der früheren Dialyseklinik an der Staubenthaler Straße wurde bereits im vergangenen Jahr eine neue Kita eröffnet, in der derzeit drei Gruppen betreut werden. Für zwei weitere Einrichtungen im Rehsiepen und an der Schenkstraße gibt es bereits den politischen Grundsatzbeschluss, so dass derzeit an entsprechenden Bebauungsplänen gearbeitet wird. Bei diesen neuen Kitas will die Stadt laut Dezernent Stefan Kühn lieber mit freien Trägern zusammenarbeiten, als weitere Kitas in städtischer Hand zu gründen. Bleibt nur zu hoffen, dass diese dann einen längeren Atem haben als aktuell an der Linde.