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Gedenken an Pogromnacht: Goldberg mahnt zur Wachsamkeit

Gedenken an Pogromnacht: Goldberg mahnt zur Wachsamkeit

Die jüdische Kultusgemeinde erinnerte an die Pogromnacht vor 74 Jahren. Kritik an Polizei und Justiz.

Wuppertal. Am 9. November wird der Opfer der Nationalsozialisten in der Reichspogromnacht vom 9. zum 10. November 1938 gedacht, als im Bergischen Land die Synagogen brannten und jüdische Mitbürger deportiert und ermordet wurden. Auch in diesem Jahr fand eine Gedenkveranstaltung auf dem jüdischen Friedhof am Weinberg statt. Doch neben der Erinnerung an die Greueltaten der Nazizeit standen aktuelle Sorgen und Ängste der jüdischen Gemeinde im Mittelpunkt.

In seiner Ansprache berichtete Leonid Goldberg, Vorsitzender der jüdischen Kultusgemeinde, von einem Jahr, das schlimme Spuren hinterlassen habe. Er mahnte die Besucher der Gedenkstunde, dass es nicht reiche, sich einmal im Jahr am 9. November zu treffen. Goldbergs Appell klang eindringlicher als jemals zuvor, denn seine Sorge vor Rassismus und Gewalt in Wuppertal, Deutschland und anderen europäischen Ländern wächst, während sein Vertrauen in die Polizei und Justiz schwindet.

So erinnerte er an die Demonstration gegen Rechts in Vohwinkel am 9. November 2011, als Neonazis friedliche Demonstranten mit Nazi-Paraolen belästigten, ohne dass die Polizei eingeschritten sei. Bis heute warte er auf Urteile gegen die Täter, auch im Zusammenhang mit den Vorfällen am Cinemaxx, als Rechtsradikale Jugendliche angriffen. „Für mich sieht es so aus, als ob die Staatsanwaltschaft nicht gegen die rechte Szene ermitteln will.“

Geschockt zeigte er sich von dem Verlauf der Ermittlungen gegen die Terrorbande Nationalsozialistischer Untergrund. „Das sind keine Ermittlungspannen, das sieht nach Mittäterschaft aus“, erklärte Goldberg. Das Urteil Kölner Juristen und die folgende Diskussion über die Beschneidung, die Gedichte von Günter Grass — diese und viele andere Ereignisse und Entwicklungen sowie die wachsende rassistisch motivierte Gewalt seien Gründe „gemeinsam auf der Hut zu bleiben.“

Solingens Oberbürgermeister Norbert Feith versicherte im Namen seiner Amtskollegen aus Wuppertal und Remscheid gegenüber der jüdischen Gemeinde, dass niemals ein Schlussstrich unter die Vergangenheit gezogen werde. Auch als Reaktion auf die Worte Goldbergs fügte er hinzu: „Ich bin überzeugt davon, dass wir unserer Verantwortung gerecht werden. Wir überlassen nicht die Straße und die Köpfe der Jugendlichen den Rassisten.“