Gedenken an einen Pazifisten

Gedenken an einen Pazifisten

Brückenname am Eiland erinnert an den von Nazis ermordeten Martin Gauger.

Elberfeld. Gestern um 16.45 Uhr enthüllte Bettina Heiland am Schwebebahnhof Landgericht eine Gedenktafel zu Ehren ihres 1941 von den Nazis ermordeten Onkels Martin Gauger (4.8.1905 - 14. 7. 1941), dem damit nach mehr als 76 Jahren Ehre zuteil wurde.

„Viel zu spät“, darin waren sich Bezirksbürgermeister Hans Jürgen Vitenius und Siegfried Mielke, Vizepräsident des Landgerichts, einig, als sie vor großem Publikum einen Mann ehrten, der als einziger Jurist den Treueid auf Adolf Hitler verweigert hatte. Zivilcourage, die ihn seine, von ihm sehr geschätzte Arbeit bei der Staatsanwaltschaft Wuppertal kostete. Später fertigte er seine Dissertation über „Bekenntnis und Kirchenregiment“ an, wurde Doktor der Rechte und setzte sich als leitender Jurist des Sekretariats der Evangelisch-Lutherischen Kirche wirksam für Verfolgte ein.

Der Einberufung, die ihm einen relativ ungefährlichen Dienst fernab der Front beschert hätte, verweigerte Gauger sich ebenfalls, wollte er doch auch ohne Waffengebrauch kein Rädchen in der Kriegsmaschinerie der Nazis sein.

Die Kirche entließ ihn, seine Flucht nach Holland endete mit einer Verwundung, dem Transport ins KZ Buchenwald und im Alter von 35 Jahren schließlich in den Gaskammern von Pirna-Sonnenstein.

Offizielle Todesursache: Herzversagen. „Ich bedaure den plötzlichen Tod Ihres Bruders fern von seinen Angehörigen, umso mehr, da ärztlicherseits alles getan wurde, um seine Gesundheit zu erhalten“, hieß es zynisch im Schreiben des Lagerarztes an Gaugers Bruder Joachim.

Seine Bemühungen um ein Gerichtsverfahren, bei dem die Nazis die Eloquenz des Wuppertaler Juristen fürchteten, scheiterten auch, weil er durch seinen ehemaligen Arbeitgeber, die evangelische Kirche, nicht unterstützt wurde.

„Seine Kirche aber schwieg“, so lautet der Titel eines kleinen Bändchens, das die Nachkommen Gaugers verfassten. Und auch bei gestrigen der Gedenkstunde am Eiland, dessen Brücke am Schwebebahnhof nach Martin Gauger benannt werden sollte, war kein offizieller Vertreter der evangelischen Kirche unter den vielen Anwesenden.

„Martin Gauger kann uns allen als leuchtendes Vorbild dienen“, so Landgerichtsvizepräsident Siegfried Mielke, der zusammen mit vielen Juristen dabei war und zugab, dass sich die Justiz damals und in den schweigsamen Jahren danach nicht mit Ruhm bedeckt habe.

„Verlegenheit und Genugtuung erfüllen uns heute“, so Jürgen Vitenius, „Verlegenheit, weil so lange Zeit vergangen ist, Genugtuung, weil wir doch endlich hier stehen.“

Zum Gedenken an den aufrechten Pazifisten Martin Gauger wird nun nach einem Bürgerantrag des „Vereins zur Erforschung der sozialen Bewegung im Wuppertal“ die Erinnerung an den Kämpfer gegen das Unrecht dauerhaft wach gehalten.