Gedenken: Gedenken an einen Helden mit Makeln

Gedenken: Gedenken an einen Helden mit Makeln

75 Jahre nach seinem Tod wurde ein Park nach Helmut Hesse benannt, der im KZ Dachau starb.

„Als Christen können wir es nicht mehr länger ertragen, dass die Kirche zu den Judenverfolgungen schweigt. Die Kirche hat dem Antisemitismus zu widerstehen.“ Worte, die der Wuppertaler Theologe Helmut Hesse als einziger unter mehr als 18 000 deutschen Pfarrern so klar formulierte. Worte, die auch sein Schicksal besiegelten, denn der erst 27 Jahre alte, stark angeschlagene Hesse wurde von der Gestapo verhaftet. Am 13. November 1943 wurden er und sein Vater Hermann Albert Hesse ins Konzentrationslager Dachau eingeliefert, wo Helmut Hesse am 24. November an einer Sepsis starb. Am Samstag, 75 Jahre später, hatte der Verein zur Erforschung der sozialen Bewegungen im Wuppertal zusammen mit der Evangelischen Kirchengemeinde Elberfeld-Nord an die Brunnenstraße eingeladen, wo die kleine Schneise zwischen den Häuserschluchten in „Helmut-Hesse-Park“ umbenannt werden soll.

Die Stadt präferiert
einen anderen Ort

Rund 50 Zuschauer, unter ihnen auch Superintendentin Ilka Federschmidt, hatten sich eingefunden und wurden von Dieter Nelles, dem Vereinsvorsitzenden, begrüßt. Nelles wies darauf hin, dass Helmut Hesse für seinen Mut gedankt werden sollte, wobei er anmerkte, dass die Stadt Wuppertal den angedachten Ort angesichts der Verdienste Helmut Hesses als nicht geeignet ansehe. Vielmehr soll die nahe gelegene Alemannenstraße auf Wunsch der Evangelischen Kirchengemeinde Wuppertal-Nord in Helmut-Hesse-Straße umbenannt werden. Ein Vorschlag, den auch Oberbürgermeister Andreas Mucke befürworte. Dennoch fand die kleine Feier in der Brunnenstraße statt, bereichert durch das Duo Los Saltimonkis, und es wurde, später auch in der Alemannenstraße, eine provisorische Gedenktafel enthüllt.

Der Berliner Historiker Professor Manfred Gailus stellte im Gemeindesaal eine Broschüre über Helmut Hesse vor. Einen jungen Menschen, der in einem sehr frommen Haushalt zusammen mit vier Geschwistern aufwuchs. Calvinistische „Kirchenzucht“, kein Theater, kein Kino, kein Wirtshausbesuch, Vorbehalte gegen die Dichter Goethe und Schiller beherrschten den Alltag. Gedacht wurde monarchisch, später deutsch-national, gemäß dem Römerbrief „Jedermann sei untertan der Obrigkeit, die Gewalt über ihn hat“.

Helmut trat der SA bei, leistete Arbeitsdienst, trat aber wegen der Verpflichtungen, die sein Theologie-Studium mit sich brachte, ein Jahr später wieder aus. Im Laufe seines Studiums, unter anderem an der Universität Basel bei dem „deutschfeindlichen“ (so die Gestapo) Professor Barth, engagierte er sich für jüdische Mitbürger. Von ihm wird erzählt, dass er den verheerenden Angriff auf Barmen als „Gottesgericht“ und Reaktion auf die Judenverfolgung geschildert habe.

Da die Bekennende Kirche es vermied, die Judenverfolgung anzuprangern, kam es seitens Vater Hermann Alberts und Sohn Helmut auch da zu Konflikten.

Und dann kam da noch die von der Gestapo aufgedeckte „Sache mit Helmut“, die der Historiker Gailus nicht verschweigt. Helmut Hesse hatte ein intimes Verhältnis mit einer verheirateten Frau, was für die menschlichen Verfehlungen gegenüber intolerante reformierte Gemeinde ein Schlag ins Gesicht war. Dementsprechend setzte man sich auch nur zurückhaltend für die Entlassung der Hesses aus dem KZ ein.

Vater Hermann Albert wurde im April 1944 entlassen, Helmut starb dort.

„Ungeachtet des „Sündenfalls“ von Helmut Hesse, war Gailus im Gemeindezentrum an der Alemannenstraße vor seinen Zuhörern, zu denen auch Präses Manfred Rekowski zählte, sicher: „Helmut Hesse ist ein Pfund, mit dem Wuppertal wuchern kann. Kein strahlender Held, aber ein Märtyrer, der bis zum Äußersten ging, und oft noch ein paar Schritte darüber hinaus.“

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