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Gebäude am Engelsgarten als Referenzobjekt für Denkmalforschung und -schutz

Gebäude am Engelsgarten als Referenzobjekt für Denkmalforschung und -schutz : Historisches Zentrum kann jetzt in das Engels-Haus einziehen

Gebäude am Engelsgarten als Referenzobjekt für Denkmalforschung und -schutz.

Zum runden Geburtstag wird nun doch fast alles gut. Das Engels-Haus, Zuhause der Großeltern des Barmer Revolutionärs, die er oft und gerne besucht haben soll, wurde herausgeputzt. Zu einem großartigen Referenzobjekt für Denkmalschutz und -forschung in Deutschland. Uwe Flunkert, Leiter des Gebäudemanagements, konnte es am Dienstagnachmittag an den künftigen Nutzer, das Historische Zentrum, übergeben.

Dessen sichtbar glücklicher Leiter Lars Bluma sparte nicht mit Lob für pünktliche Fertigstellung und prunkvolles Ergebnis. „Eines der schönsten und ältesten Häuser der Stadt“ wird ab nächster Woche freilich wieder Baustelle. Weil es in elf Räumen auf zwei Etagen eine Ausstellung über den berühmten Barmer Sohn beherbergen soll. Bis zur Feier am 28. November soll sie eingerichtet sein.

Nun kann die Ausstellung
hergerichtet werden

Martin Hebgen ist Architekt, Spezialgebiet Denkmalschutz. Sein ausführliches, zusammen mit Restauratoren erstelltes Gutachten ist Grundlage der Restaurierung des Gebäudes. Das wurde 1775 gebaut, durchlief, bis zu seiner Eintragung in die Denkmalschutzliste 1992, verschiedene tiefgreifende Umbauphasen. Nun wurde es „als typisches Beispiel für ein großbürgerliches Fachwerkwohnhaus des bergischen Spätbarock“ hergestellt – der Zustand, den es um 1800 nach einem ersten großen Umbau hatte. Bewusste Verwendung originaler Baustoffe wie Lehmputz und Kalkfarben und bewusste Verweise auf die wechselhafte Geschichte inklusive.

2017 wurde geforscht, seit 2018 gebaut. Ende 2019 waren Dach und Schieferfassade fertig, begannen die Innenarbeiten, noch im Juni sah alles recht unfertig aus. Doch dann ging ein Ruck durchs Team und alles ganz schnell. „‚Eine Frage der Ehre’ sei es gewesen, rechtzeitig fertig zu werden“, meint Flunkert, der die Sanierungsgeschichte des Hauses wie kaum ein Zweiter kennt: Weil sie ihn erstmals Ende 1998 beschäftigte und das letzte Projekt ist, das er vor seinem Ruhestand zu Ende führt.

Nun ist das Haus mit seinen 789 Quadratmetern bezugsfertig, ein „harmonisches Ganzes, das mehr als eine Sanierung“ sei, freut sich Kulturdezernent Matthias Nocke, während Flunkert betont, dass mit rund 4 Millionen Euro (plus 500 000 Euro für die Bauforschung) sogar die Kosten im Plan geblieben seien.

Die Wände sind meist weiß, die Farbwahl lehnt sich sonst ans Barocke an, ist im steilen, teilweise mit Holzwänden geschlossenen Treppenhaus in verschiedenen Grautönen gehalten. Grau war früher schwer herzustellen, symbolisierte deshalb Reichtum, erklärt der Architekt. Das erste Obergeschoss des dreigeschossigen Baus – zweites und drittes Obergeschoss sollen als Büroräume des Historischen Zentrums und damit nicht öffentlich genutzt werden – war früher olivgrün, das Erdgeschoss mal rot (Musikzimmer), mal grau-blau (Kaminzimmer). Freigelegte Quadrate an den Wänden belegen dies. Das Tapetenzimmer im ersten Obergeschoss wiederum heißt so, weil dort gut erhaltene Landschaftsmalereien auf geschöpftem Papier an den Wänden durch Reinigung und Ausbesserungsarbeiten zu neuem Glanz geführt wurden. Im künftigen Informationsraum im Erdgeschoss beließ man die Wände unverputzt, um so Baugeschichte zu zeigen: Das Holz-Fachwerk ist mal mit Lehm und Stroh, mal mit Ziegeln und schließlich mit Bimsstein gefüllt. Außerdem sind an einer Stelle im Musikzimmer vier verschiedene Wandbeschichtungen erkennbar: eine rosafarbene, eine graue, eine florale und eine rote.

Tafelparkett aus Eiche und Nussbaum und Marmorfliesen

Die Böden sind ein eigenes Thema. Eigentlich, so Hebgen, wollte man die Eichendielen freilegen. Nun ist Parkettboden drüber, weil sie einfach zu uneben sind. Meist gehen die Besucher über Parkettboden, mal im 60er Jahre Look, mal historischer. Im Musikzimmer liegt der älteste Parkettboden, 1855 verlegt: Tafelparkett aus Eiche und Nussbaum, seine über 1700 Teile wurden komplett aufgenommen, kartiert und aufgearbeitet. Original sind auch die schachbrettartigen Marmorfließen im Eingangs- und ehemaligen Küchenbereich, sie stammen dennoch aus verschiedenen Umbauphasen. Bevor der letzte Umbau 2018 begann, wurden Fotos gemacht. Nun soll ein Film die Räume dokumentieren, bevor sie durch die Ausstellung einer weiteren Änderung unterzogen werden.