Gathe: Gefährlicher Radweg zur Kita

Fahrradstadt : Gefährlicher Radweg zur Kita

Christian Nölle bringt seinen Sohn Enno mit dem Rad in die Kita. Aber der Weg ist ein Gefahren-Parcours.

Keine zehn Minuten brauchen Christian und Enno Nölle von ihrem Zuhause an der Wiesenstraße bis zur Kita „Wuppergarten“ am Landgericht – mit dem Rad. Ein kurzer Weg, aber der Vater ärgert sich über die schlechten Bedingungen, die er als Radler dabei erlebt. Die WZ hat die beiden begleitet.

Enno (fast 5) sitzt um 8.30 Uhr in seinem Kindersitz auf dem Gepäckträger seines Vaters. Der zieht seinen Helm fest, dann geht es los. Auf der Wiesenstraße abwärts zur Gathe gibt es kein Problem. Und auf der Gathe ist jetzt in den Ferien wenig los. Trotzdem zieht es einen als Radfahrer unweigerlich auf die Busspur. Dann können die Autos ungehindert vorbei und man fühlt sich sicherer. Leider parkt vor einem Supermarkt ein Lieferwagen auf der Busspur. Wegen des vergleichsweise geringen Verkehrs ist ein Umrunden unproblematisch.

Und dann kommt die größte Herausforderung der Tour: Einordnen auf der Linksabbiegespur. Zwei Geradeausspuren müssen wir überwinden, im schnell rollenden Verkehr von hinten ist trotz Ferienzeit keine Lücke. Christian Nölle streckt trotzdem den Arm aus und fährt. Ich folge mit angehaltenem Atem und bin froh, dass meine Regenjacke orange leuchtet. Die Autos bremsen, lassen uns hinüber.

Wagemutiges Manöver
oder umständlicher Umweg

Während wir vor der roten Ampel auf der Linksabbiegerspur stehen, rauscht rechts der Geradeaus-Verkehr bedrohlich schnell vorbei. Christian Nölle erklärt kurz, dass er dieses Manöver auf die Abbiegespur meist vermeidet und lieber einen umständlichen Umweg nimmt: Dann folgt er an der Ampel Höhe Rommelspütt den Fußgängern, quert die Gathe, fährt über Robertstraße und Wilbergstraße zum Hofkamp, wechselt da wieder wie ein Fußgänger an der Ampel die Straßenseite bis zum Radweg Richtung Gericht. Viel Aufwand für wenige Meter.

Den Radweg erreichen wir jetzt von der Kreuzung aus. Endlich sind wir vom Autoverkehr getrennt. „Hier hat man aber die Gefahr, dass man an den Parkhauseinfahrten übersehen wird“, warnt Christian Nölle.

Enno hat keinen Sinn für diese Risiken, er drängelt: „Tempo, Tempo!“ Es geht jetzt auch zügig, aber Christian Nölle warnt vor der nächsten Gefahrenstelle: Am Kreisel Neuenteich treffen sich Radweg und die Straße Kipdorf im spitzen Winkel. Die Autofahrer vom Kipdorf achten auf den Verkehr im Kreisel, weniger auf Radfahrer. Aber der wartende Autofahrer sieht uns. Und der Mann auf der Kehrmaschine, die kurz danach mitten auf dem Radweg steht, auch: Er macht uns Platz.

Christian Nölle weist darauf hin, dass in Gegenrichtung kleine Straßen in den Hofkamp münden, in die Autos einbiegen können – wieder ein Risiko. „Wir sind auf dem Radweg für die Autofahrer ja hinter den parkenden Autos versteckt.“ Und an der Ampel Wupperstraße bestehe die Gefahr, von den Rechtsabbiegern übersehen zu werden. Das letzte Stück bis zur Kita ist dann aber ein Kinderspiel. Kurz danach darf Enno zu seinen Spielkameraden.

Christian Nölle wird weiter zur Uni radeln, wo er im Rechenzentrum arbeitet. Vorher erzählt er, dass er normalerweise gern mit dem Rad fährt: „Ich habe gemerkt, dass ich nach einer Autofahrt gestresst bin. Mit dem Rad bin ich einfach nur erfrischt.“ Ab und zu fährt er aber auch gern Auto. Und bei Regen lasse er das Rad ebenso stehen.

Dass die Fahrt zur Kita vor allem über die Gathe und die Kreuzung so unangenehm ist, „nervt total“, ärgert er sich. Es weiß aber derzeit keinen anderen Weg. Die Neue Friedrichstraße ist noch länger wegen Kanalarbeiten gesperrt. Auf der Nordstraße müsste er zu viel Steigung überwinden. „Eine Patentlösung habe ich auch nicht“, räumt er ein. Aber er hat den Eindruck, die Stadt sitze das Problem einfach aus. Das sei doch gerade im Zug der aktuellen Diskussionen über Klimawandel und Luftbelastung nicht mehr angemessen.

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