Gas-Vergiftung: "Fünf Minuten später, und die Familie wäre gestorben"

Gas-Vergiftung: "Fünf Minuten später, und die Familie wäre gestorben"

Die Ursachen für das Unglück am Sonntag sind wohl Schutt im Kamin und eine defekte Gas-Therme. Die Kripo prüft jetzt, ob jemand für das Gas-Unfall strafrechtlich zur Verantwortung gezogen werden muss.

Oberbarmen. Es ist nicht gerade alltäglich, dass die Kripo mit einer Drehleiter der Feuerwehr im Einsatz ist. Am Dienstag war es an der Schwarzbach soweit. Der Grund: Am Sonntag war in einem Mehrfamilienhaus eine fünfköpfige Familie (25, 24, 7, 3 und 2 Jahre) mit knapper Not dem Tod entgangen. Seit die Kripo auf dem Dach des Hauses war und insbesondere den Kamin inspizierte, gibt es eine mögliche Erklärung für den lebensgefährlichen Austritt des tödlichen Gases Kohlenmonoxid (CO).

Die Kripo geht davon aus, dass der Grund für das Unglück eine Kombination aus Wartungsmängeln an der Gas-Heiztherme in der Wohnung der Familie bei gleichzeitigem Verschluss des Schornsteins war. Die Wartungsmängel an der Therme hätten vermutlich zum Versagen der Warnsensoren an dem Gerät geführt. Im Schornstein wurden zudem Steine und Bauschutt gefunden. Die Kripo vermutet, dass der gemeinschaftlich mit einem Nachbarhaus betriebene Kamin bei der Sanierung des Nebenhauses als stillgelegt angesehen worden ist und deswegen zweckentfremdet wurde.

Unklar sei unter anderem, wie Teile des porösen oberen Kaminkranzes in den Kaminschacht kamen. Fakt ist: Der Kamin war offenbar so gut wie dicht, die Abgase konnten nicht wie vorgesehen abziehen. Eine funktionierende Gas-Therme hätte aus Sicht der Kripo zur automatischen Abschaltung des Gerätes geführt. Doch der entsprechende Warnsensor sei so verschmutzt gewesen, dass er nicht reagierte. So gelangte das tödliche Gas in die Wohnung, während die Therme weiterlief. Um ähnliche Unglücksfälle wie am Sonntag zu verhindern, sperrten die Stadtwerke gestern die Gasversorgung der beiden am Kamin hängenden Wohnungen.

Völlig unklar ist, ob und wer für die defekte Therme und den Kamin-Verschluss strafrechtlich unter anderem wegen Unterlassens zur Rechenschaft gezogen werden könnte. "Es gibt keinen Beschuldigten", hieß es gestern seitens der Kripo. Wie berichtet, war im September dieses Jahres der vorgeschriebene Schornsteinfeger-Termin im Haus geplant. Nach WZ-Informationen soll der Termin kurzfristig abgesagt worden sein, weil zum besagten Zeitpunkt das Haus von der Gas- und Stromversorgung abgeklemmt war. Ob es einen neuen Termin gab, ist noch unklar. Die Ermittlungen dauern an.