G8 und Wehrpflicht-Aus: Uni rüstet sich für Ansturm

G8 und Wehrpflicht-Aus: Uni rüstet sich für Ansturm

In zwei Jahren erwartet die Uni 20 bis 30 Prozent mehr Studienanfänger. Der Grund sind auch doppelte Abi-Jahrgänge.

Wuppertal. Seit Donnerstag ist es offiziell: die Aussetzung der Wehrpflicht wurde von der Bundesregierung beschlossen. Ab Juli des kommenden Jahres sollen junge Männer vorerst keinen Wehr- oder Zivildienst mehr ableisten müssen. Für Abiturienten bedeutet dies etwa, dass sie sofort nach der Schule auf die Uni wechseln können.

Was theoretisch problemlos klingt, könnte in der Praxis in einem erbitterten Kampf um knappe Studienplätze in Wuppertal enden. Denn neben den nicht mehr wehrpflichtigen Männern erwarten Hochschulen, durch das "Turbo-Abi" bedingte, doppelte Abiturjahrgänge.

2011 machen beispielsweise im Nachbarbundesland Niedersachsen die ersten Gymnasiasten nach nur acht Jahren ihr Abitur (G8). Gleichzeitig verlassen die letzten G9-Jahrgänge die Schulen. In NRW wird es diese Konstellation zwei Jahre später, also 2013, geben. Nach Angaben von Experten muss die Bergische Universität in Wuppertal dann mit rund 20 bis 30 Prozent mehr Studienanfängern zum Wintersemester 2013/2014 rechnen. Auch im darauffolgenden Wintersemester erwartet die Uni einen ähnlich großen Ansturm.

Die Vorbereitungen dazu laufen bereits. Im Kern sollen laut Uni-Rektor Lambert T. Koch mehr Studienplätze bereitgestellt sowie mehr Personal eingestellt werden. Genaue Zahlen gibt es dazu bisher noch nicht.

Viele Eltern befürchten, dass der Numerus Clausus (NC) ansteigt und ihre Kinder dadurch keinen Studienplatz bekommen. "Das kann wirklich ein großes Problem werden", sagt Karl W. Schröder, Leiter des Carl-Fuhlrott-Gymnasiums und Sprecher der Wuppertaler Gymnasien. Schon jetzt sei der Zugang zu vielen interessanten Studiengängen - auch jenseits von Medizin - nur durch einen sehr guten Notendurchschnitt oder lange Wartezeiten möglich.

Mit der Umstellung auf das "Turbo-Abi" haben sich die Wuppertaler Schulen indes arrangiert. Sie entschieden sich einheitlich gegen die Rückkehr zu G9, "denn das wäre nicht einfach die Rückkehr zum alten Abitur nach 13 Schuljahren, sondern wieder ein Schulversuch", sagt Schröder. Eltern und Lehrer haben genug von Bildungexperimenten. "Das wichtigste ist, wieder Verlässlichkeit und klare Linien herzustellen." Die größte Kritik an G8 war das Tempo der Einführung gewesen. Vieles war unausgereift. "Nachbesserungen wurden versprochen und unsere Aufgabe ist es jetzt, damit umzugehen", sagt Schröder.

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