Fuhlrott-Museum: Es geht auch ohne städtisches Geld

Fuhlrott-Museum: Es geht auch ohne städtisches Geld

Will Baltzer vom Förderverein glaubt an eine Rettung des Museums — doch die Zeit wird knapp.

Herr Baltzer, die einstigen Museumsräume an der Auer Schulstraße sind inzwischen Quartier der Volkshochschule, das Depot am Katernberger Schulweg ist geschlossen. Ist das ein Schlussstrich unter das Fuhlrott-Museum in Wuppertal?

Will Baltzer: Ich bin fest überzeugt, dass das kein Schlussstrich sein kann. Das Fuhlrott-Museum hatte mit seiner international bedeutenden Sammlung immer noch einen guten Ruf. Es ist benannt nach dem Entdecker des Neanderthalers, Carl Fuhlrott, der in Wuppertal 47 Jahre gewirkt hat. Der Name Fuhlrott ist dadurch mit Wuppertal verbunden — und die Stadt sollte sich zu seinem Vermächtnis bekennen.

Die Sammlung ist im Moment über ganz Deutschland verstreut. Könnten alle Stücke nach Wuppertal zurückgeholt werden?

Baltzer: Es gibt einen Leihvertrag mit den Leihnehmern. Der besagt: Wenn die Stadt Wuppertal die Leihgaben bis Ende 2014 nicht zurückgefordert hat, gelten sie als den leihenden Museen geschenkt. Und wir reden hier immerhin von einer Sammlung, die einen Versicherungswert von 2,7 Millionen Euro hat.

Das heißt also, wenn die Stadt diese Frist verstreichen lässt. . .

Baltzer: . . .sind diese Werte für alle Zeit für Wuppertal verloren.

Ihr Verein hat immer gesagt, die Zoo-Säle seien ein Wunsch-Standort für das Fuhlrott-Museum. Hat der Verein eine Idee, wie das zu finanzieren sein könnte.

Baltzer: Man muss ja sehen: Die Sanierung der Zoo-Säle im kommenden Jahr ist eine beschlossene Sache. Nach unserem Wissen steht beim Gebäudemanagement das Geld für diese Sanierung bereit. Was aber fehlt, ist ein Konzept für die Zoo-Säle. Und da wäre das Fuhlrott-Museum eine ideale Lösung.

Warum?

Baltzer: Nun, im Zoo wäre die lebendige Tierwelt zu betrachten, und als Ergänzung könnten sich die Besucher im Museum über die Naturgeschichte informieren. Das Museum wäre auch hervorragend mit Vortragsräumen für Veranstaltungen im Zoo und mit der Zooschule zu verbinden. Wenn man dann zum Beispiel kombinierte Eintritte für Zoo und Museum konzipiert, könnte das Museum angesichts von 200 000 Zoo-Besuchern im Jahr einen großen Teil seiner Kosten selbst tragen.

Gibt es denn Schätzungen, was der Betrieb des Fuhlrott-Museums im Jahr kosten würde?

Baltzer: Wir gehen von Unterhaltskosten von 200 000 Euro im Jahr aus. Das kann die Stadt natürlich nicht als Betreiber leisten — das heißt, eine andere Lösung müsste gefunden werden.

Und die könnte sein?

Baltzer: Wir haben als Verein überlegt, eine Stiftung ins Leben zu rufen, und dazu in ganz Deutschland Firmen als mögliche Geldgeber angeschrieben. Die Antwort war fast immer: Grundsätzliche Bereitschaft ist da — aber zuerst müssen wir wissen, ob die Stadt das Museum überhaupt will. Genauso war die Resonanz aus der Wuppertaler Wirtschaft. Das heißt: Die Stadt soll keine finanziellen Verpflichtungen eingehen, aber sie muss sich für das Museum aussprechen.

Ich verstehe Sie richtig: Sie sind überzeugt, dass Sie genug Geldgeber für einen privat finanzierten Museumsbetrieb in den Zoo-Sälen auftreiben könnten, sobald es einen politischen Beschluss zum Erhalt des Museums gibt?

Baltzer: Richtig!

Wenn Sie auf andere Einrichtungen schauen wie das Von der Heydt-Museum mit seiner neuen Unterstützungsgesellschaft oder auch die Junior-Uni, die sehr aktiv sind im Einwerben von Spendengeldern — kann so etwas auch dem Fuhlrott-Museum gelingen?

Baltzer: Davon sind wir überzeugt. Diese Beispiele zeigen uns ja, dass im Bereich Bildung und Kultur auch Projekte möglich sind ohne die Finanzkraft der Stadt Wuppertal — zumal das Fuhlrott-Museum ja ursprünglich auch so etwas wie eine Junior-Universität war, wo jährlich 300 Schulklassen naturwissenschaftliche Bildung vermittelt bekommen haben. Das Angebot von Museum und Junior-Uni könnte sich perfekt ergänzen.

Für das alte Fuhlrott-Museum gab es aber bei vielen Wuppertalern auch Kritik: Viele Vitrinen, viel Staub, aber wenig Möglichkeiten zum interaktiven Lernen. Es würde also vermutlich nicht reichen, in renovierte Zoo-Säle einfach die Exponate hineinzustellen. . .

Baltzer: Sicherlich nicht. Das Konzept des Museums müsste sicherlich ein modernes, vielfältiges werden, mit Möglichkeiten für Experimente und praktisches Lernen.

Womit die Frage bleibt: Welche Beträge sind dafür nötig und wer sollte das finanzieren?

Baltzer: Unter einer Million Euro wäre das bestimmt nicht zu haben. Doch die Fördertöpfe sind da, zum Beispiel beim Landschaftsverband Rheinland — aber es gibt bei der Stadt niemanden mehr, der sich darum kümmert, seit das Museum keinen hauptamtlichen Direktor mehr hat. Vielleicht könnte das in Zukunft Dr. Eberhard Illner (der Leiter des Historischen Zentrums; Anm. d. Red.) sein oder der künftige Zoodirektor — über die konkrete Aufgabenteilung müsste man reden. Wenn die Stadt aber das Museum langsam untergehen lässt wie bisher, verspielt sie ganz konkrete Chancen.

Zum Beispiel?

Baltzer: Es gab ein Angebot der Bethe-Stiftung, sich mit einem Betrag von einer Million Euro für das Museum zu engagieren. Das hat die Stadt abgelehnt! Hinzu kommt: Die Zeit wird langsam knapp. 2012 beginnt die Sanierung der Zoo-Säle, 2014 ist die Sammlung verloren. Ich sage voraus: Wenn der Rat nicht in diesem Jahr noch eine Entscheidung für das Museum fällt, ist alles zu spät.

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