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Für Wuppertaler Busunternehmen ist die Corona-Krise ein schmerzlicher Halt

Corona-Pandemie : Corona-Krise: Ein schmerzlicher Halt für Busunternehmen

Die Corona-Krise hat die Busbranche extrem hart getroffen. Die Wuppertaler Firma Rheingold kann auf weitere Standbeine setzen. Trotzdem ist die finanzielle Belastung groß.

Die Corona-Pandemie hat Folgen, die häufig nicht auf den ersten Blick zu erkennen sind. Die Busbranche ist zum Beispiel mehrfach von den bisherigen strengen Regelungen betroffen. „Wir wissen, dass Betriebe, die nur in der Reisebranche tätig sind, alle in Kurzarbeit sind“, sagt Peter Büddecker, Landesfachbereichsleiter Verkehr bei der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi. Die Unternehmen, die auch Linienverkehr anbieten, stünden etwas besser da. Für die Mitarbeiter gilt das häufig nicht. Sie müssen mit dem Kurzarbeitergeld von 60 Prozent auskommen. Die Gewerkschaft hatte es nicht geschafft, mit dem Verband des nordrhein-westfälischen Omnibusunternehmen (NWO) auszuhandeln, dass das Kurzarbeitergeld tariflich aufgestockt wird.

Rheingold Reisen aus Wuppertal stockt nach Verhandlungen mit dem Betriebsrat das Kurzarbeitergeld um 18 Prozent auf. Das Unternehmen kann sich auf mehrere Geschäftsfelder stützen. Für die WSW bietet das Busunternehmen mehrere Linienfahrten an, in mehreren Städten übernimmt Rheingold Reisen den Schülertransport, dazu kommen Busreisen oder Transfers bei Messen. „Touristische Verkehre finden nicht statt“, sagt Axel Blankennagel, Geschäftsführender Gesellschafter von Rheingold Reisen. Auch der Transport von Schülern ist von einem auf den anderen Tag eingestellt worden. Das Busunternehmen beschäftigt 160 Mitarbeiter, die nach seinen Angaben derzeit komplett in Kurzarbeit sind, „um Arbeitsplätze zu erhalten“.

„Vom 16. März bis zum 4. Mai war wenig zu tun“, sagt Blankennagel. Seit Anfang Mai fahren wieder 97 Prozent der Linien, die Rheingold Reisen für die WSW abdeckt. Alle anderen Fahrten fallen weg, davon ein großer Teil an Schülertransporten, die Rheingold Reisen in Wuppertal, Dortmund und Düsseldorf anbietet. „Turn- und Schwimmfahrten an Schulen fallen aus und Schulausflüge sind bis Ende des Jahres vom Land gestrichen“, sagt Blankennagel. Er rechnet bis Ende des Jahres mit einem Umsatzverlust in Höhe von 1,4 Millionen Euro.

Im Bergischen geht es um 700 bis 800 Arbeitsplätze

„Die Lage ist ausgesprochen ernst“, sagt Blankennagel, der befürchtet, dass mehrere Kollegen durch Insolvenzen wegbrechen. „Im kommenden Herbst oder im nächsten Frühjahr werden ja immer noch Busse gebraucht“, sagt er. Allein in Düsseldorf gebe es 80 000 Schüler, die Schulausflüge machen oder zum Schwimmunterricht gebracht werden sollen. Staatliche Hilfe kann der Unternehmer nicht in Anspruch nehmen, ein Darlehen will er nicht aufnehmen. Sinnvoller sei es für viele Unternehmen, wenn sie Gewinne aus der Vergangenheit mit den Verlusten aus diesem Jahr verrechnen könnten, um weniger Steuern zu zahlen. „Das erhöht die Überlebensfähigkeit“, sagt Blankennagel, der ehrenamtlich als Vizepräsident der IHK Wuppertal-Solingen-Remscheid tätig ist. Im Bergischen gehe es in der privaten Busbranche um 700 bis 800 Arbeitsplätze.

Blankennagel hofft nun auf weitere Lockerungen. „Aus gut unterrichteten Kreisen“ wisse er, dass die Reisebusbranche ab dem 31. Mai wieder starten dürfe. Allerdings heiße das nicht, dass sofort wieder der Umsatz steige. „Ich hoffe, dass sich der Reisebusbereich bis Ende 2020 wieder erholt“, sagt Blankennagel mit Blick auf die Weihnachtsmärkte. Die Angst bleibe bei vielen aber erst einmal drin. Als Unternehmer hat er sich aber bereits Gedanken gemacht, wie Reisen in der Post-Coronazeit aussehen könnte: In den Reisebussen bleibt jeder zweite Platz frei und Masken sind Standard.