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Wuppertaler Sammlerstücke: Für 600 Reklamemarken gab’s ein Luftgewehr

Wuppertaler Sammlerstücke : Für 600 Reklamemarken gab’s ein Luftgewehr

Vor mehr als 100 Jahren lagen die Mini-Bildchen im Trend. Manfred Rauscher besitzt Exemplare mit Wuppertal-Motiven.

Manfred Rauscher breitet Sammelalben mit bunten Marken vor sich aus. Die Motive zeigen etwa die Schwebebahn, die Barmer Ruhmeshalle oder das Opernhaus. „Das war Marketing auf hohem Niveau aus einer Zeit, als man noch gar nicht wusste, was Marketing eigentlich ist“, sagt der Wuppertaler. Reklamemarken heißen die Sammlerobjekte, die schwerpunktmäßig zwischen 1890 und 1914 auf den Markt kamen. Mehr und mehr Firmen hatten erkannt, dass sich die Sammelleidenschaft der Käufer durch die an Briefmarken erinnernden Drucke leicht entfachen lässt und legten diese ihren Produkten bei.

Besonders junge Leute sammelten fleißig die Bildchen, die häufig in Serien erschienen, die es zu komplettieren galt. „So ein Sammelalbum war der Stolz eines jeden Jugendlichen“, weiß Rauscher. „Damit sollte man den jungen Leuten heute mal kommen.“ Auf Schulhöfen und Spielplätzen entstanden regelrechte Tauschbörsen, die von Eltern und Lehrern nicht gern gesehen waren. Als „Epidemie“ wurde der Sammeltrend gesehen, der erst mit dem Beginn des Ersten Weltkriegs ein abruptes  Ende nahm.

Doch die Reklamemarken hatten auch über das Sammeln hinaus ihren Wert. Wie beispielsweise die Schwebebahn-Serie von Erdal-Schuhcreme und Kwak-Bohnerwachs, von der Rauscher einige Marken gesammelt hat. Je nach Größe der Dosen, Gläser oder Tuben gab es ein oder mehrere Bilder mit Einlösungsabschnitt. Auf der Rückseite einer der Schwebebahn-Marken ist zu lesen, gegen was der Sammler seine Abschnitte einlösen könnte. Für 40 Stück gab’s eine Glanz-Wichsbürste, für 100 ein Sammelalbum oder eine Mundharmonika. Wer gar 600 Abschnitte zusammensammelte, durfte sich entweder über einen Fußball oder ein Luftgewehr freuen.

Neben den bunten Bildern gab es bei Erdal auch noch ein paar Sätze zur Schwebebahn auf der Rückseite. Da heißt es unter anderem: „Vohwinkel, Elberfeld und Barmen haben durch die reich angesiedelte Industrie und Bevölkerung auch entsprechende Verkehrsbedürfnisse. Weil Schifffahrt nicht in Frage kam, wurde über dem Fluss eine Schewebebahn errichtet.“

Eine Sammelmarke von Fri-Ho-Die Margarine zeigt den „Treffpunkt der drei Bahnen in Wuppertal“. Darauf ist die Sonnborner Brücke zu sehen, auf der oben die Eisenbahn fährt, auf der Straße am Fluss entlang die elektrische Straßenbahn und über dem Flussbett hängt die - so steht es auf der Rückseite - „eigenartige Schwebebahn“.

Die Fixierung auf die Wuppertaler Schwebebahn ist bei den Herstellern klar zu erkennen: Eine Marke der Barmer Seifenwerke „Luhns“ zeigt etwa eine über der Straßenbahn gleitende Schwebebahn. Gartmann’s Chocolade legte eine Marke bei, die zwei Kaiserwagen bei der Begegnung in einer Kurve zeigt. Die Berliner Morgenpost zelebrierte die Schwebebahn mit einer ganzen Serie von Bahnhof Döppersberg bis Wupper-Viadukt.

„Eigentlich sammele ich ja gar keine Reklamemarken“, sagt Manfred Rauscher. Sein Herz schlage viel mehr für alte Weinkarten, von denen er rund 250 Stück zu Hause hat - die älteste stammt aus dem Jahr 1849. An die Werbe-Beilagen kam er über seinen Bruder, der oft die Antiquariate nach Schätzen durchstöbert.

Seit etwa 15 Jahren kommen jedes Jahr mehrere Post-Sendungen mit Wuppertal-Motiven bei Manfred Rauscher an. Ihn faszinieren vor allem die Bilder: „Für so etwas kann ich mich begeistern.“