„Friede“ und „Freude“ werden in Hottenstein 70 Jahre alt

Barmen. : „Friede“ und „Freude“ werden in Hottenstein 70 Jahre alt

Die beiden Kirchenglocken der evangelische Gemeinde wurden am 18. September 1949 eingeweiht.

Die Kirchenglocken der Hottensteiner Kirche sind weit übers Land zu hören. Da die kleine Kirche auf einer Anhöhe steht, gibt es rundum kein höheres Gebäude, das den Schall abschirmt. Die Kirchenglocken feiern diese Woche ihr 70-jähriges Jubiläum. Die ersten Hottensteiner Glocken wurden sogar schon vor 140 Jahren gegossen.

Zur Erinnerung an die Goldene Hochzeit des Kaiserpaares goss 1879 der Dortmunder Glockengießer Rinker die beiden Ursprungsglocken der Hottensteiner Kirche. Viele Jahre teilten sie für die Anwohner den Tag ein. Bis heute läutet die größere der beiden um 7, 12 und 19 Uhr den Beginn des Tages, die Mittagszeit und das Ende des Arbeitstages ein. Die kleinere sagt Samstag um 19 Uhr den kommenden Sonntag an und erklingt zu allen Gottesdiensten.

Allerdings haben die beiden Ursprungsexemplare die Kriege nicht überlebt: Die kleinere Bronzeglocke wurde 1917, die größere 1942 zugunsten der Kriegshandlungen eingeschmolzen. „Nach der Beschränkung des Läutens im Krieg durfte erst wieder 1949 geläutet werden. Die 1924 aufgehängte neue Glocke aus Bronze (Ersatz für die durch den Ersten Weltkrieg verlorene Glocke) wurde 1949 an den Pfarrbezirk Schellenbeck abgegeben“, erklärt Inge Kuhlmann, die die Geschichte der Kirche Hottenstein ausführlich recherchiert und dokumentiert hat.

Doch den Hottensteiner Gläubigen war es wichtig, wieder eigene Kirchenglocken zu bekommen. 1949 ließen sie beim Bochumer Verein AG zwei neue Glocken aus Gussstahl herstellen. Sie waren 105 und 146 Kilo schwer und auf die Töne d`` und f`` gestimmt. „Die Glocken wurden am 18. September 1949 geweiht und auf die Namen ,Friede` und ,Freude` getauft“, erzählt Inge Kuhlmann. Diese Namen stehen bis heute in den Glocken. Zum Einweihungsgottesdienst mit Superintendent Stöver kamen so viele Besucher, dass der Platz in der kleinen Kirche nicht ausreichte. Chöre aus der Gemeinde Homberg-Hochheide und der MGV Bracken verschönerten die Feier.

Zur Einweihung dichteten die Gemeindemitglieder einen Spruch

Dafür hatten Gemeindeglieder den Weihespruch gedichtet: „Über den Dächern in Dorf und Stadt/läuten die Glocken früh und spät/hier mit dröhnendem dumpfen Schwingen/dort mit hellem jubelndem Klingen[…] Läutet uns heute und alle Zeit/ Friede und Freude der Ewigkeit!“ Damit das in alle Ewigkeit funktioniert, überprüft regelmäßig ein professioneller Glockenwart alle Funktionen und repariert bei Bedarf Kleinigkeiten.

Anders als in den meisten Kirchen kann die kleine „Freude“ auch manuell angeschlagen werden: Im Flur ragt ein Seil aus dem Kirchendach. Wird daran gezogen, läutet die Freude hell. „Das machen wir immer beim Vater unser“, erklärt Pfarrer Dirk Bangert. An der Wand hängt das ausgedruckte Gebet, in dem die Worte unterstrichen sind, zu denen die Glocke erklingen soll. Für den direkt nebenan wohnenden Pfarrer ersetzt das Morgenläuten den Wecker. So erfüllen die Glocken auch heute noch wichtige Funktionen für die Gläubigen.

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