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Freimaurerei wird 300 Jahre alt

Freimaurerei wird 300 Jahre alt

Die geistig-ethische Bewegung hat das Ziel der persönlichen Vervollkommnung ihrer Mitglieder. In Wuppertal gibt es vier Logen.

Wuppertal. Dass die Reformation in diesem Jahr ihren 500. Geburtstag feiert, ist dank zahlreicher Veranstaltungen mittlerweile vielen bewusst. Das Jubiläum einer anderen weltweiten Bewegung ist dagegen weniger bekannt: Die Freimaurerei hat im Juni ihre Gründung vor 300 Jahren begangen. Wobei das Datum eigentlich nur für die offizielle Gründung gilt. „Im Grunde kann die Freimaurerei noch einige Jahrhunderte älter sein“, schätzt Ronald Fehrmann. Er ist Logenmeister der Freimaurerloge „Zur Bruderkette in Wuppertal“, die sich seit 1915 im Logenhaus an der Friedrich-Engels-Allee 165 trifft und derzeit 34 Mitglieder hat. Außer seiner Loge hat in dem Gebäude auch noch eine zweite Freimaurerloge mit dem Namen „Friede und Fortschritt Wuppertal“ ihren Sitz.

Die Freimaurerei umweht auch im Zeitalter der fortwährenden Selbstentblößung im Internet ein Hauch von Obskurantismus, Geheimbündelei und Esoterik. Und bei einem Besuch im Logenhaus sparen Fehrmann und Philip Militz, gebürtiger Wuppertaler und Mitglied einer Bruderloge aus Schwelm, auch nicht mit Symbolen, die Freimaurer nutzen, um sich und ihre Bewegung darzustellen. Zuallererst fällt die Kombination aus Zirkel und Winkelmaß auf, die vor Fehrmann auf dem Tisch liegt und das weltweit genutzte Erkennungszeichen für Freimaurer ist. „Der Zirkel steht für die Verbindung zu den anderen Logenbrüdern, der rechte Winkel symbolisiert Aufrichtigkeit“, erzählt Militz, der gelernter Journalist ist und bereits zwei Bücher über Freimaurerei geschrieben hat.

Außerdem liegen vor den beiden noch ein rauer Stein (als Symbol für „die eigene Unvollkommenheit“ — Militz) und eine Bibel. Denn auch wenn die Freimaurerei „definitiv keine Religion“ sei, erklärt Fehrmann, nutze sie doch viele Ideen und Motive aus der Bibel. Zu guter Letzt steht vor den beiden Freimaurern auch noch eine brennende Kerze - Symbol für Licht und Erkenntnis.

Die moderne Freimaurerei entstand im Zeitalter der Aufklärung. Als Gründungsdatum gilt der 24. Juni 1717, als sich in London und Westminster vier alte Werkmaurerlogen zur ersten Großloge von England zusammenschlossen. Viele prominente Künstler waren Freimaurer: Mozart, Goethe, Lessing zählten dazu — auch Politiker wie Washington oder Churchill gehörten einer Loge an.

Mittlerweile sind Freimaurerlogen auf der ganzen Welt vertreten — wobei ein Schwerpunkt in Europa und den USA liegt. Mehrere Millionen Logenbrüder gibt es, sie verstehen sich als Gemeinschaft brüderlich verbundener gleichgesinnter Männer. Inzwischen haben sich auch schon einige Logen von und für Frauen gegründet. „In totalitären Ländern findet man dagegen kaum Freimaurer“, erklärt Fehrmann. In Deutschland gibt es derzeit rund 400 Logen mit etwa 15 000 Brüdern. In Wuppertal existieren drei reguläre Logen sowie die Traditionsloge „Lessing“, die sich einmal im Jahr trifft.

Die Freimaurerei versteht sich als ein Bund freier Menschen mit der Überzeugung, dass die ständige Arbeit an sich selbst zu einem menschlicheren Verhalten führt. „Die Freimaurerei ist für mich so etwas wie ein Feinkostladen der Philosophie und Religionen“, betont Militz. Sie dient der persönlichen Vervollkommnung und sei kein Spielplatz für Eitelkeit. Die fünf Grundideale der Freimaurerei sind Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, Toleranz und Humanität. Sie sollen durch die praktische Einübung im Alltag gelebt werden.

In der Praxis sieht das so aus, dass sich die Mitglieder der Johannisloge „Zur Bruderkette“ einmal im Monat — in der Regel an einem Mittwoch — zur sogenannten Tempelarbeit treffen. Der sogenannte Tempel liegt im ersten Obergeschoss des Gebäudes an der Engels-Allee und ist für die Öffentlichkeit nicht zugänglich. „Im Grunde ist so ein Abend eine Mischung aus ritueller Gesprächsführung, Meditation und Vortrag“, sagt Fehrmann. Die „Moderation“ übernehmen der Logenmeister und der 1. und 2. Aufseher, die übrigen Logenbrüder lassen das Geäußerte auf sich wirken. Nach etwa einer Stunde ist das Treffen beendet.

Hört sich alles nicht besonders spektakulär an, ist für Fehrmann und Militz aber ein wichtiges Ventil zur Entschleunigung. „Das ist für mich ein Ruhepol im beruflichen Leben“, sagt Fehrmann, der als selbstständiger Architekt arbeitet und regelmäßig viel unterwegs ist. Und Militz ist immer wieder erfreut über die vielen unterschiedlichen Logenbrüder aus ganz verschiedenen Schichten, denen er bei den Treffen begegnet. „Hier trifft man Menschen, die sich ansonsten ewig fremd geblieben wären.“