Freie Kultur Wuppertal: Kunst und Kultur  als Grundnahrungsmittel

Freie Kultur Wuppertal : Kunst und Kultur als Grundnahrungsmittel

Freies Netzwerk Kultur lud zum Jour fixe mit Vertretern aus der Wuppertaler Politik.

Demokratie ist keine Zuschauerveranstaltung – das wurde in einem rund zweistündigen Dialog im Rahmen des Jour fixe „Kunst trifft Politik“ zwischen Kunstvertretern des Freien Netzwerks Kultur und Vertretern der Politik im Barmer Rathaus deutlich. Im interaktiven Teil wurde in Gesprächsgruppen zum vom Freies Netzwerk Kultur vorgelegten Fragenkatalog diskutiert, während die Gastgeber-Inputs von Oberbürgermeister Andreas Mucke, dem Kulturausschuss-Vorsitzenden Rolf Köster und dem Kulturdezernenten Matthias Nocke kamen. Weitere Vertreter der Politik und Verwaltung waren Bettina Paust, Leiterin des Kulturbüros, sowie die Kulturauschussmitglieder (FDP), Bernhard Sander (Die Linke), Ursula Schulz (SPD)  und Peter Vorsteher (Bündnis 90/Die Grünen). Dazu kamen der Bundestagsabgeordnete Helge Lindh und der Landtagsabgeordnete Andreas Bialas (beide SPD). Für die freie Kulturszene sprachen Uta Atzpodien, Lars Emrich und Zara Gayk. Die fachkundige und launige Moderation übernahm der renommierte kulturpolitische Reporter Peter Grabowski.

Kunst und Kultur als Spiegel
der Vielfältigkeit

Im Rahmen der Vorstellung der Gruppenergebnisse wurde deutlich, dass das Freie Netzwerk Kultur nicht von der Politik bedient werden will, sondern eigenständig entscheiden möchte, welche Ziele in den Fokus gerückt werden sollen. Dabei nimmt die Entwicklung der städtischen Kunst und Kultur eine übergeordnete Rolle ein. Das Alleinstellungsmerkmal einer Stadt steht und fällt mit der Bedeutung ihrer Kultur und der Repräsentation ihrer Kulturschaffenden. Angesichts des nächsten Doppelhaushaltes 2020/21 sollten „Kunst“ und „Politik“ Fragen zur Finanzierung möglichst zeitnah klären und die Agenda für die kommenden fünf Jahre gemeinsam aufstellen. Mucke und Köster bezeichneten Kunst und Kultur als „Grundnahrungsmittel“ und als „Spiegel der Vielfältigkeit und Eigenart einer Stadt“. Beste Voraussetzungen, Kunst und Kultur als Querschnittsthema in der Stadtentwicklung zu etablieren und die Unterstützung, auch finanzielle, aller Fraktionen einzufordern. Nockes Vision, das Pina Bausch-Zentrum zu einem Ort etablierter und freier Kultur zu machen, verlange einen interdisziplinären Dialog.

In sechs „gemischten“ Gesprächsgruppen wurden erste Weichen zum besseren Verständnis füreinander diskutiert und deren Ergebnisse im Plenum vorgestellt. Drängende Fragen betrafen die Beteiligung der freien Kulturszene, Transparenz der Prozesse und Projekte und die Besetzung des Kulturausschusses durch zwei Vertreter des Freien Netzwerks Kultur. Das Thema Nutzung leerstehender Immobilien in Verbindung mit multifunktionalen Räumen durch Künstler scheitere häufig an rechtlichen Auflagen und unflexiblen Eigentümern. Hier sei der Baudezernent Ansprechpartner.

Mit der vierten Säule im Pina Bausch-Zentrum „Bürgerbeteiligung – Forum Wupperbogen“ hat sich die freie Szene stark solidarisiert, vermisst aber den Dialog der etablierten Institutionen. Ein runder Tisch aller vier „Säulen“ könnte ein Lösungsansatz sein. Dass darüber hinaus eine drastische Erhöhung des Etat des Kulturbüros für Kunst- und Kulturförderung mehr als überfällig ist, wäre ein richtungweisender Fingerzeig – trotz Haushaltssicherung. Die Grünen hatten übrigens schon 2016 einen Antrag für einen Kulturentwicklungsplan Wuppertal 2025 eingereicht. Der jedoch seit nunmehr zwei Jahren stagniert – ein gemeinsamer Vorschlag der Fraktionen wurde vom Kulturdezernenten in Aussicht gestellt. Beim nächsten Jour fixe am 2. Juli beim Unternehmen Knipex in Cronenberg geht es um das Thema „Kunst trifft Wirtschaft“, das als Reihe fortgesetzt wird. Der Jour fixe richtet sich an Unternehmer und Künstler.

Für das dritte Quartal hat der Oberbürgermeister die freie Szene eingeladen, die zeitnah die inhaltlichen Gespräche mit den kulturpolitischen Vertretern der Fraktionen fortsetzen möchte und sich vom Ausbau künftiger Dialoge mit der Politik eine Weiterentwicklung der städtischen Kultur verspricht. Am 24. Juni hat der OB die Freie Szene Kunst und Kultur zum Jahrestreffen in die Stadtsparkasse eingeladen, bei dem es einen Informationsaustausch zu aktuellen wie langfristigen Fragen der kulturellen Entwicklung geben soll. Neben der Förderung im Allgemeinen wird das neue Prozedere für die finanzielle Unterstützung von Künstlern und deren Projekte durch die Stadtsparkasse thematisiert werden. Constanze Klee, Leiterin des Vorstandssekretariats der  Stadtsparkasse, referiert über den „Fond für Kunst und Kultur in Wuppertal“, während die Leiterin des Kulturbüros, Bettina Paust, und Petra Koßmann erstmalig Richtlinien zur Kulturförderung durch die Stadt Wuppertal vorstellen. Gegenseitige Erwartungen an Kulturverwaltung und Freie Szene komplettieren im Rahmen einer Diskussion, etwa mit Kulturdezernent Matthias Nocke und Dr. Bettina Paust den Abend, den Peter Grabowski gewohnt unterhaltsam moderieren wird.

fnwk.de

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