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Frauen sind in Wuppertal seltener Topverdiener

Statistik : Frauen sind seltener Topverdiener

Bei der Stadt und der Universität sitzen noch die Männer mehrheitlich in den Chefsesseln.

Drei Frauen besetzen aktuell die Schlüsselpositionen in der deutschen Politik. Doch allein von Angela Merkel, Ursula von der Leyen oder Annegret Kramp-Karrenbauer auf den Stand der Gleichberechtigung von Mann und Frau zu schließen, täuscht über die wahren Machtverhältnisse hinweg. Laut einer Analyse der Jobsuchmaschine Adzuna klafft die Schere zwischen dem Jahreseinkommen von Topverdienern in allen Großstädten nach Geschlechtern – man spricht vom Gender Pay Gap – weit auseinander. Besonders deutlich soll die Diskrepanz laut Adzuna in Wuppertal sein. Die WZ hat nachgefragt.

Adzuna hat nach eigenen Angaben bundesweit 10 200 Lebensläufe von sogenannten Top-Verdienern ausgewertet und daraufhin die Gehaltsverteilung nach Geschlechtern für einzelne Städte berechnet. Während die bestbezahlten Männer demnach in Wuppertal im Schnitt auf ein Jahreseinkommen von rund 82 400 Euro kommen, liegt der Durchschnittswert bei den bestbezahlten Frauen bei 58 400 Euro. Adzuna weist Wuppertal als die Großstadt mit dem größten „Gender Pay Gap“ aller 25 aufgeführten Städte aus.

Auch wenn die Methode zur Ermittlung der Vergleichswerte nicht wissenschaftlichen Standards entsprechen dürfte, gibt die Analyse einen Hinweis darauf, wie ungleich die Rollen verteilt sind. In der Regel sind es Männer, die im Chefsessel sitzen und Spitzengehälter kassieren. Für Frauen – und das nicht nur in Wuppertal – ist es immer noch schwerer, in höhere Positionen und Gehaltsstufen zu kommen.

Die Stadt Wuppertal erfüllt
die Vorbildfunktion noch nicht

Vorbild für Gleichberechtigung am Arbeitsplatz möchte die Stadt Wuppertal sein, doch noch erfüllen die Stadtverwaltung und die städtischen Töchter die eigenen Ansprüche nicht. „Wir haben einen erheblichen Nachholbedarf, was die Führungspositionen in den städtischen Unternehmen wie WSW, Stadtsparkasse, AWG/ESW oder GWG angeht“, sagt Stadtdirektor Johannes Slawig. Eine reine Männerriege bildet aktuell auch der Verwaltungsvorstand. Das soll sich mit der Besetzung des fünften Dezernats ändern, das die Aufgabenbereiche Wirtschaft und Arbeit, Stadtentwicklung und Städtebau, Bauen und Wohnen sowie Klimaschutz umfasst. „Ein externer Berater soll einer Findungskommission Vorschläge unterbreiten. Bei gleicher Qualifikation wird eine Frau den Vorzug erhalten“, so Johannes Slawig, der davon ausgeht, dass bis Ende des Jahres diese Stelle besetzt sein wird.

Auf der Ebene der Amtsleiter ist das Ungleichgewicht mit einem Anteil von einem Drittel Frauen zu zwei Drittel Männern unübersehbar. Zielsetzung ist ein Verhältnis von 50:50. „Das können wir nur erreichen, wenn wir weiter die Vereinbarkeit von Arbeit und Beruf durch flexible Arbeitszeitangebote und Qualifizierungsmaßnahmen verbessern. Wir müssen außerdem Frauen ermutigen, sich intern für leitende Positionen zu bewerben“, so der für die Personalplanung zuständige Stadtdirektor.

An der Bergischen Universität sind 334 Professoren und 90 Professorinnen beschäftigt. Das ergibt einen Frauenanteil von 27 Prozent (Ende 2018). „Die Bergische Universität hat 2014 damit begonnen, einen möglichen Gender Pay Gap bei der Vergabe von Leistungsbezügen anhand ausgewählter Indikatoren zu ermitteln. Die bisher vorliegenden Ergebnisse weisen keine systematischen Verzerrungen mit Blick auf das Geschlecht aus. Das Monitoring wird jährlich fortgeführt“, sagt Christel Hornstein, Gleichstellungsbeauftragte der Bergischen Universität.