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Fotografien in Wuppertaler Fenstern erinnern an Marx und Engels

Ausstellung : Fotografien in Fenstern erinnern an Marx und Engels

Che Seibert stellt seine Eindrücke aus 50 Orten beim Neuen Kunstverein vor.

Marx und Engels auf den Straßen Deutschlands: „Über 50 Stätten habe ich fotografiert“, erzählt der Fotograf Christoph „Che“ Seibert. Für seine Bilderreihe, die in den Schaufenstern des Neuen Kunstvereins Wuppertal zu sehen ist, hat er Ortschaften ausgewählt, die sowohl eine Karl-Marx- als auch Friedrich-Engels-Straße aufweisen. „Wo die Erinnerungskultur so funktioniert, dass beide gewürdigt werden“, sagte er.

„Ich bin froh, dass es noch hängt“, bemerkte Seibert beim Anblick seiner Bilder. Klebeband sorgt dafür, dass die insgesamt 30 Fotografien an Ort und Stelle bleiben – eine provisorische Lösung. Denn geplant war eine Ausstellung in den Räumlichkeiten des Kunstvereins mit größeren Formaten. „Wir haben hin- und herüberlegt, was man machen kann. Da habe ich gesagt, lass uns doch die Fenster vollhängen und das passte ganz gut“, erzählte der studierte Fotograf.

Che Seibert besitzt ein modernes Antiquariat. Tische mit preisreduzierten Büchern stehen in Hotels, Bildungs- oder Krankenhäusern, die er selbst beliefert. Auf seinen Fahrten zu den Einrichtungen sind die Bilder entstanden. Seine Fotografien von Karl-Marx- oder Friedrich-Engels-Straßen aus derselben Ortschaft stehen sich in den länglichen Fenstern teilweise gegenüber. Teilweise sind es Einzelbilder wie beispielsweise vom Marx-Engels-Platz im mecklenburg-vorpommerschen Mestlin. „Geschätzt waren dort ungefähr 250 Häuser, aber auf dem Platz können sich bestimmt mehr als 1000 Menschen versammeln. Daneben steht ein Kulturbau, den ich jetzt nicht abgebildet habe, der aber riesengroß ist, mit Säulen davor. Das war absoluter Wahnsinn“, beschreibt Seibert seine Eindrücke.

Spontane Eindrücke treffen
auf Nachtfotografien

In Neubrandenburg ist er den Friedrich-Engels-Ring, der zwei Kilometer um die Stadt verläuft, des Nachts mit seiner Kamera entlang gelaufen. Er hat bestimmte Siedlungen und teilweise typische Elemente für diese festgehalten, wie ein Brautgeschäft in Duisburg, welches bekannt ist für seine „Hochzeitsmeile“. Auf einem Foto ist das Kultauto aus dem Osten, ein Trabi, zu sehen, daneben ein Bild einer Bierstube. Ganz klein ist „der Aktivist“ auf einem Schild davor zu lesen.

Auch der Geburtsort Friedrich Engels darf in der Sammlung nicht fehlen: „Aus Wuppertal gibt es zwei Bilder“, erzählt Seibert. Laub wurde gerade entfernt, als er vor der Engelsstatue stand. Diesen Moment hielt er fest. Auch die Friedrich-Engels-Allee fotografierte er nachts. „Nachtbilder sind immer schön“, erläutert er. Im Hintergrund ist eine alte Schwebebahnstation zu sehen. „Noch eine von den älteren“, ergänzt Seibert.

Innerhalb von zwei Jahren sind die Bilder zum 200. Engels-Geburtstag entstanden. Zwei Jahre zuvor beschäftigte er sich mit Karl Marx. Die Zeitung „Neues Deutschland“ druckte auch die damals entstandenen Bilder zu dessen 200-Jährigen ab.

„Die Fotografie ist eine Art, die Welt aufzufassen wie auch die Malerei“, legte er nahe. Es sei keine bloße Abbildung der Welt. „Ich habe Optiken von 15 bis 450 Millimeter, welche ich davon nehme, ist Interpretationssache“, veranschaulicht er.