FOC in Wuppertal vor dem Aus? – Stadtwerke soll in die Bahndirektion

Wende im FOC-Streit : FOC vor dem Aus? – Stadtwerke sollen in die Bahndirektion ziehen

Nach Informationen der WZ befinden sich Stadtspitze und WSW in intensiven Gesprächen mit Uwe Clees, dem Eigentümer des Direktionsgebäudes.

In das Thema Döppersberg kommt aller Voraussicht nach noch einmal Bewegung. Nach Informationen der Westdeutschen Zeitung sind Pläne weit fortgeschritten, nach denen die Wuppertaler Stadtwerke (WSW) ihre Hauptverwaltung in das seit Jahren leerstehende Gebäude der Bundesbahndirektion verlegen. Das denkmalgeschützte Bauwerk gehört seit etwa zehn Jahren dem Wülfrather Investor Uwe Clees. Er ist demnach bereit, seine Pläne für ein Factory-Outlet-Center (FOC) in der Bahndirektion zugunsten der Stadtwerke aufzugeben. Die Arbeiten am FOC hatten bisher keine rechte Fahrt aufgenommen. Offenbar ist es schwierig, für diesen Standort Mieter zu finden, trotz seiner sehr zentralen Lage. Als problematisch sollen sich die Treppe zum Eingang und die Lage abseits des natürlichen Kundenflusses zwischen Bahnhof und Innenstadt erwiesen haben. Obendrein steht der Einzelhandel angesichts der digitalen Konkurrenz allgemein unter Druck.

Diese Entwicklung könnte den WSW nun zupass kommen. Deren Suche nach einem Bauunternehmer für eine neue Zentrale am Standort Schützenstraße scheint sich schwierig zu gestalten. Stadt und Stadtwerke sollen zu der Erkenntnis gelangt sein, dass die bisherigen Angebote sehr weit von den 38 Millionen Euro entfernt sind, welche die WSW für ihre neue Konzernzentrale vorsehen. Dadurch könnte sich die Miete der Bahndirektion als wesentlich wirtschaftlicher erweisen.

An der sich nun anbahnenden Lösung arbeiten Oberbürgermeister Andreas Mucke (SPD) und Stadtkämmerer Johannes Slawig (CDU) seit einigen Wochen intensiv. Auch der Präsident der Bergischen Industrie- und Handelskammer (IHK), Thomas Meyer, soll sich in die Verhandlungen eingeschaltet haben. Dabei hätten sie in Investor und Gebäude-Eigentümer Uwe Clees einen überaus konstruktiven Gesprächspartner gefunden.

Die Verhandlungen sind
noch nicht abgeschlossen

Abgeschlossen sind die Verhandlungen unterdessen noch nicht. Ein offener Punkt sind nach WZ-Informationen die Mietkonditionen. Außerdem ist nicht endgültig geklärt, ob nur die Stadtwerke in die Bahndirektion ziehen oder auch Mitarbeiter der Stadtverwaltung. So soll es Überlegungen geben, eine stattliche Zahl von IT-Mitarbeitern am Döppersberg unterzubringen. Deren aktuelles Gebäude am Heubruch nahe dem Barmer Rathaus soll seit geraumer Zeit abgerissen werden und einem Neubau weichen. Angesichts stetig steigender Kosten und aktuell schlechter Erfahrungen mit Hochbaumaßnahmen beispielsweise am Engelszentrum ist der Auftrag aber noch nicht ausgeschrieben, geschweige denn erteilt worden.

Offiziell will sich gegenüber der WZ bisher niemand zur überraschenden Wende für die Bundesbahndirektion, für Stadt und Stadtwerke äußern. WSW-Geschäftsführer Uli Jaeger bestätigte zuletzt zwar den Eingang von Angeboten für den eigentlich geplanten Neubau an der Schützenstraße, machte wegen des laufenden Verfahrens aber keinerlei Angaben zu Inhalt oder Kosten. „Dazu darf ich schon aus rechtlichen Gründen nichts sagen.“

Auch Mucke und Slawig äußern sich nicht. Dem Vernehmen nach soll es in der kommenden Woche Informationen für die Öffentlichkeit geben. „Kein Kommentar“, hieß es aus deren Büros deshalb unisono.

Dabei hätte die nun mögliche neue Zukunft der Bahndirektion auch Auswirkungen auf Remscheid. Wuppertal klagt immer noch gegen die Nachbarstadt wegen ihrer Pläne für ein Outlet-Center im Stadtteil Lennep. Umgekehrt hat Remscheid auch Wuppertal vor den Kadi gezogen – wegen der FOC-Pläne am Döppersberg. Da sich diese nun erledigt haben könnten, mehren sich im Wuppertaler Rathaus Stimmen, die Klage zurückzuziehen und dem Nachbarn den Weg zu seinem Einkaufsparadies freizumachen. Dieses Vorhaben wird auch vom Elberfelder Einzelhandel unterstützt. Er hatte sich wie der Einzelhandelsverband insgesamt vehement gegen das FOC am Döppersberg ausgesprochen und fürchtete verheerende Auswirkungen auf die bestehenden Geschäfte.

Für die neueste Entwicklung spricht auch die Tatsache, dass die Stadt Remscheid vor etwa zwei Wochen einen Gerichtstermin abgesagt hat, in dem es um ihre Klage gegen die Stadt Wuppertal gehen sollte. »S. 16

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