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Flugzeugfabrik in Wuppertal-Langerfeld soll Wohnquartier werden

Bauprojekt : Flugzeugfabrik soll Wohnquartier werden

Die Abrissarbeiten sollen im Herbst starten. Eigentümer muss Pläne aber noch abstimmen.

Im kommenden Herbst sollen die Abrissarbeiten auf dem Gelände des künftigen Quartiers Espenlaub starten. „Wir werden zunächst im östlichen Bereich des Areals beginnen“, sagt die Prokuristin der Vero Invest II GmbH, Anna Wereschaev. Die Arbeiten sollen bis etwa Ende Februar dauern. Vero Invest hatte das Karree zwischen Spitzenstraße und Langerfelder Straße, auf dem sich die ehemalige Fabrik für Flug- und Fahrzeuge von Gottlob Espenlaub befindet, im Jahr 2015 gekauft. Seit etwa zwei Jahren plant der Eigentümer die Revitalisierung der ehemaligen Produktionsstätten und den Bau von etwa 55 Reihenhäusern, Doppelhaushälften und Mehrfamilienhäuser auf der anschließenden Fläche. Noch steht der Aufstellungsbeschluss des Bebauungsplanes aus, läuft die Abstimmung mit dem städtischen Bauamt.

Rund 3,5 Hektar – das sind etwa fünf Fußballfelder – soll das Quartier Espenlaub umfassen, gleich neben dem Langerfelder Markt soll es zu einem attraktiven Wohnumfeld ausgebaut werden. Dabei soll auch die nach Nordosten abfallende Topografie genutzt werden. In Richtung der Spitzenstraße sollen drei- bis viergeschossige Mehrfamilienhäuser mit einem Staffelgeschoss entstehen. Derzeit gehen die Planungen von einer Bruttogeschossfläche von rund 14 000 Quadratmetern aus – das entspricht etwa 150 Wohnungen.

Loftwohnungen in denkmalgeschützten Gebäuden

Den Bau der Mehrfamilienhäuser wolle man möglichst an andere Investoren vergeben, bei der Errichtung der kleinteiligeren Wohnhäuser im westlichen Bereich des Areals wolle man dagegen auch selbst aktiv werden, erzählt Wereschaev bei einem Besuch auf dem Gelände in Langerfeld.

Die alten, teilweise denkmalgeschützten sieben Backsteingebäude, die sich im Bereich an der Langerfelder Straße befinden, sollen erhalten und saniert werden. Hier plant der Eigentümer den Bau von 35 Loftwohnungen in den Gebäuden 1, 3 und 5 – in den gegenüberliegenden historischen Gebäuden könnten dagegen Gewerbe, Arztpraxen, Dienstleister oder auch Gastronomie einziehen.

Man wolle mit dem Ausbau des Areals einen „Mehrwert für die Anwohner“ bieten und zugleich der wachsenden Nachfrage nach Wohnimmobilien in Wuppertal gerecht werden, erzählt Thomas Arnold vom Architektenbüro Pesch und Partner aus Dortmund, das mit den Planungen betraut ist.

Es sei eine „spannende Fläche“, die einiges an Potenzial habe, betont Arnold. Das Quartier könne sowohl für Familien mit und ohne Kindern, aber auch Singles, Gewerbetreibende und Künstler interessant sein - zumal durch die Nähe zur Schwarzbachtrasse auch eine touristische Anbindung möglich wird.

Auf dem Gelände sollen sechs Straßen entstehen – fünf davon als verkehrsberuhigte Zonen. Erschlossen werden soll das Wohnquartier über eine zentrale Zufahrt an der Spitzenstraße, die Passage durch die Einfahrt von der Langerfelder Straße wäre für den regulären Verkehr dagegen zu eng.

Bei der jüngsten Investorentour der städtischen Wirtschaftsförderung stieß das Projekt nach Angaben von Wereschaev „auf große Resonanz“, allerdings muss man angesichts der Größe des Vorhabens in längeren Zeitläufen denken. Denn nach dem Abriss muss das gesamte Gelände zunächst mit Versorgungsleitungen für Strom, Gas und Wasser/Abwasser erschlossen werden. Und erst wenn diese Leitungen liegen, kann mit dem Hochbau begonnen werden.

Zudem hängen die derzeitigen Pläne für die Gestaltung des Quartiers Espenlaub noch davon ab, dass sich Vero Invest mit zwei auf dem Gelände ansässigen Unternehmen einigt, die dort ihren Sitz haben und selbst noch Eigentümer sind.

Sie müssen einem Umzug zustimmen, um die Pläne zum Ausbau des Quartiers wie vorgesehen umzusetzen. Man befinde sich in Gesprächen mit den Unternehmen und suche „einen Konsens“, betont Prokuristin Wereschaev.

Auch die städtische Wirtschaftsförderung ist in den Prozess involviert. Man habe einem der Unternehmen – der Bobotex GmbH & Co. KG - bereits andere Flächen als Alternativstandort angeboten, bislang sei man aber noch zu keiner Einigung gekommen, sagt Alexander Buckardt von der Wirtschaftsförderung.

Gleichwohl stehen die Zeichen für eine Einigung mit Bobotex nicht schlecht: Die beiden Geschäftsführer Oliver Jung und Michael Ech zeigen sich auf WZ-Anfrage „sicher“, dass die Verhandlungen über den Verkauf ihrer Immobilie „zeitnah erfolgreich abgeschlossen werden können“. Erklärtes Ziel sei es, „mit unserem Unternehmen in der näheren Umgebung des derzeitigen Standortes zu bleiben“.

Auf eine baldige Lösung in Sachen Bebauung hofft auch Bezirksbürgermeister Eberhard Hasenclever. „Wir sind seit Jahren immer wieder dabei und fragen, was dort passiert“, gibt er die Stimmungslage in der Bezirksvertretung wieder. Die Revitalisierung der Brachfläche sei für den Stadtteil wichtig, gleichwohl müsse man auch die Interessen der dort ansässigen Betriebe berücksichtigen.