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Flüchtlingsunterkunft in Ronsdorf ist eine stille Reserve

Flüchtlingsunterkunft in Ronsdorf ist eine stille Reserve

Zurzeit deutet nichts darauf hin, dass das Land NRW die angemieteten Räume Im Saalscheid 8 in Anspruch nehmen muss.

Wuppertal. Das leerstehende Gebäude Im Saalscheid 8, das von der Bezirksregierung Düsseldorf vorsorglich für die Unterbringung von Flüchtligen angemietet worden ist, steht weiterhin leer. Daran wird sich nach Einschätzung von Sozialdezernent Stefan Kühn so bald nichts ändern. „Nein, es zeichnet sich im Augenblick eine Belegung nicht ab“, sagt Stefan Kühn.

Das habe vielfältige Gründe. Der wichtigste ist, dass die Räumlichkeit in Ronsdorf vom Land NRW als stille Reserve eingeplant sind. Das Land hält Unterkünfte in Reserve vor, die bei Bedarf innerhalb von 24 Stunden belegt werden könnten. Die Einrichtung in Ronsdorf sei dagegen mit einem Vorlauf von etwa einem Monat verfügbar“, so Stefan Kühn. Das sei ein kluges System, mit dem Investitions- und Betriebskosten eingespart würden.

Aufgrund der rückläufigen Flüchtlingszahlen sei ohnehin mit einer Belegung nicht zu rechnen, es sei denn, es würden sich unerwartete politische Entwicklungen in Europa ergeben. Als Landeseinrichtung wird in Wuppertal zurzeit das Art-Hotel in Heckinghausen genutzt. „Das Art-Hotel ist seit Wochen maximal zur Hälfte belegt, wenn man von einer maximalen Belegung von 600 Personen ausgeht. Ursprünglich sollten dort bis zu 800 Personen untergebracht werden, beschreibt Stefan Kühn die aktuelle Lage. Mangelnde Kapazitäten in Heckinghausen, die zu einer Eröffnung der Einrichtung in Ronsdorf führen könnten, seien nicht zu erwarten.

Die Stadt unterhält ebenfalls Gemeinschaftsunterkünfte für Flüchtlinge. Dabei handelt es sich um Menschen, die bereits in Landeseinrichtungen die Registrierung durchlaufen haben. Die rückläufigen Flüchtlingszahlen führte Hans-Jürgen Lemmer, Leiter des Ressorts für Zuwanderung und Integration, im Gespräch mit der WZ zuletzt auch auf die Einführung einer Residenzpflicht im Bundesland der jeweiligen Erstzuweisung und einer Wohnsitzauflage innerhalb Nordrhein-Westfalens zurück. Während Kritiker dieser Auflagen den Verlust der Freizügigkeit für die Flüchtlinge befürchten, begrüßen Städte wie Wuppertal die Residenzpflicht, weil sie so vor einer unkontrollierten Binnenwanderung — vor allem von östlichen in westliche Bundesländer — geschützt sind und so besser planen können.

In Wuppertal sind 95 Prozent der 9000 Flüchtlinge in der Stadt in Wohnungen untergebracht. „Wir haben damit auch finanzpolitisch einen guten Job gemacht“, sagt Stefan Kühn und verweist auf Städte, die weiter mit großem finanziellen Aufwand Gemeinschaftsunterkünfte bauen und unterhalten. Acht Unterkünfte, darunter die kommunale Einrichtung an der Hastener Straße sind in Wuppertal in Betrieb, 400 von 800 Plätzen belegt. Es sei positiv für die Menschen und gut für die Quartiere, dass die Kapazität der Unterkünfte nicht ausgeschöpft werde. Überbelegungen hätten in vielen Städten für Probleme der Bewohner untereinander gesorgt.