Finale auf der Nordbahntrasse

Finale auf der Nordbahntrasse

260 Wanderer erkundeten mit der Wuppertalbewegung und der WZ am Mittwoch die letzte Etappe bis nach Vohwinkel.

Wuppertal. Regen? Von wegen: Auch bei der abschließenden Wanderung auf der Nordbahntrasse - sie führte am Mittwoch vom Bahnhof Varresbeck aus bis nach Vohwinkel - grüßt die Sommersonne nach Kräften. Gut 260 Damen und Herren jeden Alters grüßen artig zurück, um sich dann über Schotter und Schienen auf den Weg zu machen - tief in den Wuppertaler Westen.

Wobei "tief" zumindest in der Lüntenbeck eher das Gegenteil meint: Der Abstecher auf den Berg der ehemaligen Deponie hat eher etwas von einer Alpentour - und belohnt die Hartgesottenen mit einem imposanten Ausblick: Auf der einen Seite das Sonnborner Kreuz als Tor ins Wuppertal. Auf der anderen Seite der Kugelgasbehälter in der Möbeck, der den Eindruck macht, als habe ein Riese beim Spielen einst eine Murmel vergessen. 144 Tonnen Stahl versammelt die Gaskugel.

Weitaus leichter ist da der Lüntenbecker Bürgertreff am ehemaligen Trassen-Haltepunkt. Dort stellt sich den Wanderern die "Grüne Meile" vor - eines jener Bürgerprojekte, die auf die Nähe zum künftigen Rad- und Wanderweg setzen. Und auch die Lüntenbecker wollen den Trassen-Touristen am Bürgertreff eines Tages gute Gastgeber sein. Denn das wird bei allen fünf Sommerwanderungen deutlich: Entlang der Trasse stehen Initiativen und Gastronomen längst in den Startlöchern. Gebäude an der Wegstrecke gibt es genug.

Und noch ein Abstecher: Diesmal führt er durch eine verwunschene Schlucht, die von Bruchsteinmauern und umgestürzten Bäumen gesäumt wird. War hier etwa jener Riese am Werk, der nach der vergessenen Möbeck-Murmel gesucht hat? Mitnichten. Der Weg führt vielmehr zum Tescher Tunnel - mit 575 Metern Länge der zweitgrößte auf der Trasse: Schon am Portal wird es mit einem Mal seltsam kühl.

Nach einem Blick in den Tunnel geht es zurück aufs ehemalige Gleisbett Richtung Vohwinkel: Hinter dem Tescher Tunnel sind Bäume und Sträucher noch nicht zurückgeschnitten. Die Strecke würde jenseits dessen bis zu den Kalksteinbrüchen zwischen Dornap und Schöller führen.

So geht es an Wiesen und Feldern vorbei in den Stadtteil tief im Westen. Unterwegs drehen sich Gespräche um die militärische Bedeutung, die der Rheinischen Strecke in Zeiten des Nato-Doppelbeschlusses zukam: Um im Ernstfall Atomraketen in vermeintlich sichere Tunnel-Anlagen transportieren zu können, wurden in den 80er Jahren Brücken- und Tunnelanlagen auf Vordermann gebracht - zumeist bei Nacht- und Nebelaktionen. So liegt es auch am Kalten Krieg, dass weite Teile der Infrastruktur immer noch in Schuss sind.

Durchweg friedlich fällt dann das Finale des Trassen-Sommers aus: Über die Eisenbahnbrücke am Homanndamm und an der Herderstraße geht es auf den Park&Ride-Platz am Bahnhof Vohwinkel. Dort warten am Stand der Wuppertalbewegung kalte Getränke und an der Drehorgel Helmut Kraus. Der Schirm dient nur als Schattenspender - und nicht zur Abwehr bergischer Regentropfen. Denn schließlich ist ja Sommer. Gerade auch auf der Nordbahntrasse.