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Filmstadt Wuppertal: Weit entfernt vom großen Wurf

Filmstadt Wuppertal: Weit entfernt vom großen Wurf

Regisseure lieben Wuppertal. Trotzdem hat es die Stadt nicht geschafft, sich als Filmstadt ein Profil zugeben.

Wuppertal. 1999 war Wuppertal für einen Abend Hollywood. Da passte alles: Roter Teppich, lächelnde Stars in festlicher Garderobe, Blitzlichtgewitter und ein Film, in dem Franka Potente unter der Schwebebahn steht. Tom Tykwer ("Das Parfum") hatte zur Premierenfeier von "Der Krieger und die Kaiserin" geladen.

Damals hätte niemand daran gezweifelt, dass der Industriestadt eine große Karriere als Filmstadt bevorsteht. Die Voraussetzungen waren und sind vorhanden, vor allem wegen vieler unverbrauchter Schau- und Drehplätze - von der Stadthalle bis zur Industrieruine. Produzenten haben dieses Potenzial durchaus erkannt.

Allein 2007 wurde fast ein Dutzend Filme komplett oder zum Teil in Wuppertal gedreht - auch wenn das meist im End-Produkt nicht sichtbar wird, wie in der TV-Serie "Alarm für Cobra 11".

Trotz namhafter Produktionen ist es der Stadt nicht gelungen, sich als Filmstadt einem breiten Publikum bekannt zu machen. Dabei waren die Ansätze durchaus vorhanden. Die Filminitiative "35W" gründete sich vor Jahren mit dem Ziel, Filmproduktionen zu einem Wirtschaftszweig zu machen.

Das weckte das Interesse von Wuppertal Marketing und Wirtschaftsförderung. Letztere lud Produzenten und Regisseure zu einer Location-Tour nach Wuppertal ein. Ein Workshop sollte die Beteiligten zu Profis im Filmgeschäft machen, Filmforen und der "Wuppertal Film-Guide" die Macher in die Stadt holen.

Die Geschäftsidee hatte ein realistisches Fundament. Regisseure, die einmal in Wuppertal gedreht haben, sind begeistert. Bessere Filmkulissen muss man lange suchen. Dazu gibt es weniger Stress mit Straßensperrungen, Mieten und Genehmigungen als in "abgedrehten" Städten wie Köln.

"In Wuppertal freuen sich die Menschen noch, wenn sie Zaungäste eines Filmdrehs sein können. Die Kölner sind oft nur noch genervt", hat die Wuppertaler Schauspielerin Ann-Kathrin Kramer beobachtet

Viele kreative Ansätze aus Wuppertal sind jedoch im Ansatz stecken geblieben. "35 W" dümpelt vor sich hin, versucht sich gerade neu aufzustellen. Wuppertal Marketing ist mit dem NRW-Tag ausgelastet und die Wirtschaftsförderung erledigt die Filmteambetreuung eher nebenbei. "Unprofessionelles Marketing", nennt das ein Insider der Branche.

Man glaube, etwas aufbauen zu können - ohne Geld und Profi-Hilfe von außen. Stelle sich der wirtschaftliche Erfolg nicht unmittelbar ein, entwickele sich nicht sofort die erhoffte Eigendynamik, begrabe man das Projekt. "Da wird zu kurz gedacht", sagt ein Produzent.

Tatsächlich hat es eine Neuauflage der Location-Tour nicht gegeben. Zu teuer, wie Lutz Ahr von der Wirtschaftsförderung zugibt. Der Filmbrief, herausgegeben von Rosemarie Steyer von Wuppertal Marketing, ist auf jährliches Erscheinen eingedampft worden. Ein Drehbuchwettbewerb scheiterte am Geld.

Kenner der Branche schütteln nur mutlos den Kopf. Wuppertal sei nicht vernetzt. Die Akquise von Produktionen erfolge durch Mundpropaganda. "Die Produktionen kommen nicht aufgrund sondern trotz Wuppertal Marketing", ätzt ein Filmmanager.

Kritik, die Rosemarie Steyer so nicht stehen lassen will. Vernetzt sei man sehr wohl, zum Beispiel über die Filmstiftung NRW, die Wuppertal als Filmstadt führe. Ausreichend Anfragen gebe es außerdem. Lutz Ahr ist ebenfalls zufrieden, die nächste Großproduktion rolle bereits an.

Für den großen Durchbruch braucht es mehr: ein festes Format, das in Wuppertal gedreht wird. So wie es Münster mit dem Tatort geschafft hat. Doch die Chance sehen Branchenkenner vertan. Vor Jahren setzten Fernsehsender auf Regionalisierung. Inzwischen haben Düsseldorf, Essen, Münster und Köln eigene Krimiformate. Wuppertal ist leer ausgegangen, obwohl es laut Drehbuchautor Dirk-Michael Häger "keine bessere Krimi-Stadt" gibt.