Wuppertal: Feuerwehr: Jeder fünfte Einsatz in Wuppertal ist ein Fehlalarm — auf Kosten des Steuerzahlers

Wuppertal : Feuerwehr: Jeder fünfte Einsatz in Wuppertal ist ein Fehlalarm — auf Kosten des Steuerzahlers

Im Jahr 2017 rückten Wuppertaler Helfer 844 Mal vergebens aus. Dann bezahlt fast immer die Stadt, auch wenn Bürger fahrlässig handeln.

Wuppertal. Statistisch gesehen brennt es jeden Tag zweimal in Wuppertal. Wobei in den allermeisten Fällen lediglich ein angebranntes Essen auf dem Herd köchelt. Den 643 Brandeinsätzen im Jahr standen im Jahr 2017 allerdings 844 Fehleinsätze gegenüber (Vorjahr: 759). Das sind etwa Fälle, in denen eine Brandmeldeanlage falschen Alarm schlägt oder ein besorgter Bürger den Wasserdampf in der Nachbarsküche mit Rauch verwechselt. Die Kosten trägt fast immer die Stadt, die sich die Feuerwehr jährlich fast 30 Millionen Euro kosten lässt.

„Der Bürger muss nur bei Vorsatz bezahlen“, sagt Feuerwehr-Sprecher Michael Schwarz. Wer fahrlässig handelt, wird nicht unbedingt zur Kasse gebeten. Der klassische Fall: Jemand kocht und vergisst den Topf auf dem Herd, schläft vielleicht sogar ein. Schwarz erklärt: „In so einem Fall bitten wir niemanden zur Kasse. Wenn das so wäre, würde sich hinterher keiner mehr trauen, die Feuerwehr anzurufen.“

In ganz wenigen Einzelfällen — deren Anzahl die Feuerwehr nicht genau beziffern kann — zahlt ein Verursacher den Feuerwehreinsatz. Das kann etwa der Fall sein, wenn eine Person vorsätzlich einen Brand legt oder mit einem Juxanruf die Helfer alarmiert. Dann kann’s teuer werden.

Schon zu einem Kleinbrand, bei dem die Feuerwehr nicht von einer Gefährdung von Personen ausgeht, rücken mindestens zehn Einsatzkräfte mit Löschfahrzeug, Drehleiter und Einsatzleitwagen aus. Die Stadt berechnet in der entsprechenden Gebührensatzung pro Person 43,80 Euro in der Stunde. Hinzu kommen die stündlichen Sätze für Löschfahrzeug (198 Euro), Drehleiter (195 Euro) und Einsatzleitwagen (36 Euro). Kommt noch ein Rettungswagen dazu, wird noch ein Standardsatz von 456,19 Euro berechnet. So summiert sich der Rechnungsbetrag schnell bis in den vierstelligen Bereich. Die realen Mehrkosten für die reine Anfahrt zu einem Einsatz lassen sich schwer beziffern, so Feuerwehr-Teamleiter Roland Volke: „Das hauptamtliche Personal steht ja eh zur Verfügung. Es entstehen also nur Dieselkosten.“

Neben der Zahl der Fehleinsätze sticht auch die Zahl der Kleinbrände hervor. Mehr als die Hälfte der Brandeinsätze im vergangenen Jahr (612) fallen unter diese Kategorie. Die Feuerwehr unterscheidet dabei zwischen der Kategorie A (421) und B (191). „Bei der Kategorie A handelt es sich um Brände, wie etwa das Essen auf dem Herd, die sich auch mit einem kleinen Feuerlöscher löschen ließen“, sagt Volke. Bei einem Brand der Kategorie B seien bereits Teile der Küche betroffen. Zu mittleren Bränden rückte die Feuerwehr im vergangenen Jahr 18 Mal aus. Darunter fallen etwa ein Kellerbrand oder ein brennendes Auto — Flammen, die mit bis zu drei C-Strahlrohren bekämpft werden können. Braucht es mehr Ausrüstung, spricht die Feuerwehr von einem Großbrand, von denen es 2017 in Wuppertal 13 gab.

Obwohl es in den wenigstens Alltagseinsätzen um Leben und Tod geht, sagt Michael Schwarz: „Wir ziehen immer mit der gleichen Energie raus.“ Die Entspannung setze dann erst am Einsatzort ein — falls es dann mal wieder ein Fehlalarm oder ein angebranntes Essen war. Für Unmut sorge das bei den Helfern in der Regel nicht. Schwarz sagt: „Das ärgert uns eigentlich nur dann, wenn eine Brandmelde-Anlage zum dritten Mal in einer Woche aus technischen Gründen auslöst.“ Auch das komme vor.