Feiern und dabei zwitschern: Eine Party nur für Twitterer

Feiern und dabei zwitschern: Eine Party nur für Twitterer

Immer mehr Wuppertaler nutzen den Online-Dienst mit den Kurznachrichten. Jetzt trafen sie sich zur Party im echten Leben und sprachen über das Lebensgefühl Twitter.

Wuppertal. "Heute: Twitterparty" - das verkündet ein Schild an der Eingangstür zum Kulturverein Rakete. Da schaut so mancher Passant neugierig durch die Fensterscheiben. Eine Tupperparty ist ja bekannt, aber was soll eine Twitterparty sein? Die Erklärung: Hier treffen sich Nutzer des Microblogging-Dienstes Twitter. Die Party bietet den Wuppertalern, die sich virtuell über diese Kommunikationsplattform kennen, die Gelegenheit zu einer Begegnung im echten Leben.

Nahezu täglich sind sie alle auf der Webseite www.twitter.com unterwegs. Sie berichten aus ihrem Alltag, was in ihrer Stadt geschieht, verfassen ironische Sinnsprüche oder kommentieren, was in der Welt los ist. Der Name dieser Plattform leitet sich von englisch "to twitter", also "zwitschern", ab. Denn bei Twitter pfeifen die Spatzen von den Dächern, es wird gequasselt, geklatscht und informiert. Wenn jemand im Internet ein öffentliches Tagebuch schreibt, dann nennt sich das bloggen. Bei Twitter heißt es Microblogging, weil dort jede Mitteilung (Tweet) nur 140 Zeichen umfasst - in der Kürze liegt die Würze. Und die Geschwindigkeit macht den Reiz aus, denn die Nutzer senden und lesen die Tweets nahezu in Echtzeit. Blitzschnell kann sich so eine Neuigkeit verbreiten.

Längst sind weit mehr als 100 Wuppertaler bei Twitter aktiv und lesen sich gegenseitig. Dazu tragen sie sich jeweils bei den anderen als "Follower" (Verfolger) ein. So kann jeder entscheiden, welche Nachrichten er auf seiner Seite angezeigt bekommt. Jeder Nutzer stellt seine eigene "Timeline" zusammen, in der mitunter sekündlich neue Tweets eingehen. Diese können von Privatpersonen, auch von Promis verfasst sein, oder von Zeitungen, Magazinen und Unternehmen.

"Ich nutze Twitter vor allem, um mich schnell zu informieren", sagt Stefanie Niesemann. "Dafür habe ich mir extra einen kleinen Laptop gekauft und kann so jederzeit unterwegs aktuelle Nachrichten lesen. Und so weiß ich auch immer, was in meinem Netzwerk gerade los ist", sagt die Aktivistin der Piratenpartei, die bei Twitter unter dem Kürzel @SteffiNenz firmiert. Die meisten Nutzer verwenden einen sogenannten Nickname. Beispielsweise auch @cronhill. Den bürgerlichen Namen des Designers Thomas Schürmann bringen die Partygäste schnell in Erfahrung, nennen ihn aber trotzdem weiterhin unter seinem Twitter-Namen.

Die Stimmung ist entspannt und herzlich. Bei Wurstbrötchen, Bionade und Bier ergeben sich leicht Gespräche über das, was man voneinander gelesen hat. Cronhill spricht den Philosophie-Studenten Arne Kamola auf die Streiks an der Universität an. Denn unter @aberaberarne berichtet dieser regelmäßig aus den besetzten Hörsälen. Mit Christine Kerkmann ist auch eine, die noch nicht twittert, zur Party gekommen. Sie lässt sich von dem Künstler Olaf Engel (@engola) sogleich einen neuen Twitter-Account unter @frittenfee einrichten. "Ich möchte neue Leute kennen lernen", beschreibt sie ihren Antrieb zu dem Neueinstieg.

Zu der von Karin Konzelmann (@DieRoteEllen) gemeinsam mit dem Raketen-Team organisierten Party gehört auch eine Verlosung, die einer Behindertenwerkstatt in Rumänien zugute kommt. Der Hauptgewinn: vier von der Werkstatt gefertigte Adventskerzen. So erhielt die Veranstaltung den Namen "Twadventsfete" - denn Twitterer lieben die Anfangsbuchstaben ihres Portals und mogeln sie gerne überall hinzu. Natürlich wird an Laptops und Handys über jede Etappe der Verlosung getwittert. 82 Euro kommen schließlich als Spende zusammen. Konzelmann ist zufrieden: "Auch ein kleiner Beitrag kann helfen. Und wir haben großen Spaß gehabt."

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