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Fantomas im Waschsalon — und was der Berg sonst noch liest

Fantomas im Waschsalon — und was der Berg sonst noch liest

Bei der Aktion „Der Berg liest“ ging es von Lesung zu Lesung.

Nordstadt. Marienstraße 41. Ein alter Waschsalon mit großer Fensterfront am Ölberg. Etwa 20 Sitzplätze — alle besetzt. Dazu immer mehr kommende und gehende Zuhörer. Überhaupt ist am Sonntag rund um die Marienstraße noch viel mehr los als an anderen Sonntagen. Der ganze Ölberg scheint auf dem Weg zu den verschiedenen Schauplätzen von „Der Berg liest“ zu sein.

Die kleinen Zuhörergrüppchen stehen manchmal einfach an der Straßenecke oder drängen sich mit vielen anderen Zuhörern in einen Hausflur. Viele von ihnen warten schon eine halbe Stunde vor der Lesung vor der jeweiligen Location, hoffen auf einen guten Platz.

Nathalie Grömer lässt sich ein wenig Zeit mit der Auswahl, schaut noch einmal mit ihrer Tochter nach, welche Lesung sie zuerst hören wollen: „Es ist Einiges spannende dabei, auch von Bekannten und Freunden, da muss man doch hin!“, sagt die Mutter überzeugt.

In einem kleinen Programmheft können sich die Ölberger informieren, was in welchen Hauseingängen, Hinterhöfen, Wohnungen, Geschäften und eben auch im alten Waschsalon gelesen wird. Im letztgenannten stehen, mit dem Rücken zum Fenster, Olaf Reitz, Wuppertaler Synchronsprecher und Schauspieler sowie Ute Völker, studierte Akkordeonistin.

Zusammen hauchen sie den Figuren aus dem Werk „Fantomas gegen die multinationalen Vampire“ von Julio Cortázar Leben und Gefühle ein. Mit verschiedenen Akzenten und Höhen und Tiefen in der Stimme schafft es Reitz schnell, das Publikum in die Welt eines Bahnreisenden auf dem Weg nach Paris zu entführen. Die musikalische Untermalung durch Ute Völker sorgt für Dramatik, Romantik und ein gutes Gefühl bei den Zuhörern. Einige schließen die Augen, sind ganz in der Geschichte versunken, so wie Monika Luther. Sie hat sich seit Wochen auf die Veranstaltungen an diesem Tag gefreut: „Ich bin begeisterte Leserin und es ist noch schöner, wenn man sich ganz in die Geschichte einfühlen kann.“ Für diesen Tag hat sich die junge Frau noch einige Termine am Ölberg vorgemerkt: „Wenn wir so eine tolle Veranstaltung hier haben, dann muss man das auch nutzen,“ sagt sie und macht sich mit einer Tasse heißen Kaffee auf den Weg zur nächsten Lesung.