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Familienbetrieb in Wuppertal: Ohne Donner gibt es keine Karnevalsorden

Karneval : Ohne Donner gibt es keine Karnevalsorden

Seit 116 Jahren werden in Elberfeld die Auszeichnungen für den Karneval hergestellt.

Wenn für die Jecken in Wuppertal am Donnerstag die Hochsaison des Karnevals beginnt, die Rathäuser gestürmt werden und die Prinzenpaare so richtig ins Schwitzen kommen, ist es ruhig bei Michael Donner und seinem Team in der Kunstprägeanstalt. Die Adam Donner Prägemanufaktur in Elberfeld hat ihre Karnevalshochzeit schon hinter sich, die meisten Orden sind fertig, nur die kurzfristigen Bestellungen werden aktuell noch produziert. So zum Beispiel die Orden für das Helios Krankenhaus in Barmen, deren Schablonen gerade den Weg vom Design bis hin zum fertigen Produkt durchlaufen: Gestalten, Gravieren, Härten, Fertigen der Stempel, Prägen, Ausschneiden, Färben und Bemalen. Ein Prozess, in den ungefähr zehn bis 15 Mitarbeiter involviert sind.

Eine davon ist Kerstin Gromotka; an ihrem Schreibtisch wird die Idee des Kunden zu glitzerndem Leben erweckt. Sie arbeitet seit 1990 als Grafikerin bei Donner und hat eigentlich Maschinenbauzeichnerin gelernt, das war ihr dann allerdings schnell zu eintönig. Alles, was sie heute kann, hat sie sich bei der täglichen Arbeit selbst beigebracht, erzählt sie und fügt hinzu: „Viele der Kunden sind schon jahrelang dabei, da weiß ich inzwischen, was sie wollen.“ Trotzdem gebe es auch mal ganz ausgefallene Wünsche, bei denen sich die Macher selbst fragen, was dahintersteckt, gibt Michael Donner zu. Ein gutes Beispiel dafür sei der Orden der Prinzengarde Blau-Weiß Düsseldorf. Der Sessionsorden in Diamantenform ist in drei Teile aufgeteilt und zeigt im mittleren Teil jedes Jahr Designs verschiedener Künstler. Für 2020 haben sich Rita McBride und Volker Hermes den Sänger von Pink Floyd Roger Waters als Vorbild genommen und zeigen das dunkelblau-weiß-gestreifte Muster eines Hemdes, welches er bei einem Konzert getragen hat, sowie einen gold schimmernden Kreis, angelehnt an eine Bühnenillustration. Für das 20-jährige Bestehen wurde der Orden dieses Jahr Gold anstatt Silber eingefärbt.

Familienunternehmen in vierter Generation

Seit 1904 wird am Standort an der Wolkenburg gestanzt, geprägt und gemalt. Mit seinem Sohn Dominic (26) führt Michael Donner die Fabrik jetzt schon in vierter Generation. „Allerdings sind wir die einzige Firma, die übrig geblieben ist, hier an diesem Standort.“ Doch nicht nur an dem Standort, sondern auch in ganz Wuppertal und Umgebung gibt es keine vergleichbare Prägeanstalt mehr. Daher liefert Donner bundesweit und sogar international, zum Beispiel in die Benelux-Länder, nach Spanien oder Teneriffa. Der deutsche Karneval und seine feierwütigen Anhänger sind auch dort so beliebt, dass die Prinzenpaare meist eine Woche später da ihre Runden drehen, erzählt er – natürlich mit den Donner-Orden.

Bei der Frage nach Lieblingen, will sich Michael Donner nicht festlegen. Der Orden des Prinzenpaares Düsseldorf ist aber weit vorne mit dabei. Nicht zuletzt, weil es jedes Jahr ein Kampf sei, die Produktion übernehmen zu dürfen. Viermal in den vergangenen fünf Jahren ging der Auftrag an die Donners. „Da bin ich schon sehr stolz drauf“, gibt der 60-Jährige zu.

Doch obwohl die Produktion der Orden fast vorbei ist, fängt der Stress für ihn jetzt erst so richtig an: Von Düsseldorf über Wuppertal bis hin nach Mönchengladbach: „Jeden Tag ist eine Veranstaltung, auf der ich mich sehen lassen muss.“ Denn gerade in der heutigen Zeit, in der man mit günstigen Agenturen konkurriert, sei Networking sehr wichtig geworden. „Nur in Spanien bin ich noch nicht gewesen“, sagt er. Dahin haben es bisher nur seine Orden geschafft.