Fahrrad-Börse erfährt viel Zuspruch

Fahrrad-Börse erfährt viel Zuspruch

Die Kombination aus Reparatur und Verkauf kommt bei den Besuchern gut an. Die Organisatoren sehen das Potenzial für eine Wiederholung.

Cronenberg. Frostige minus drei Grad ließen auch die Mechaniker der „Schrauber Crew Cronenberg“ nicht unberührt. So dauerte es am Samstag ein wenig länger, bis alle Kleinteile an den reparaturbedürftigen Fahrrädern wieder zusammengebaut waren. Doch wegen der Kälte und des dezenten Schneefalls wollten die Freiwilligen um Initiator Stephan Schaller die erste Cronenberger Fahrradbörse nicht absagen. Überrascht waren sie von den vielen Kaufinteressenten und Spendern, die das knapp zwanzigköpfige Organisationsteam auf einem Hinterhof-Parkplatz an der Hauptstraße besuchten.

Bereits im vierten Jahr bieten Schaller und einige andere ambitionierte Fahrradfahrer das Reparatur-Café an. Immer ein Wochenende vor Beginn der Schulferien im Frühjahr, Sommer und Herbst reparieren sie vor dem Zentrum Emmaus die Zweiräder der Cronenberger. „Es muss immer nur der Materialpreis bezahlt werden — also etwa der Einkaufspreis für neue Bremszüge oder eine neue Kette“, erklärte Ganzjahres-Fahrradfahrer Schaller. Viele gängige Ersatzteile hätte die „Schrauber Crew“, die übrigens kein Verein ist, dabei. „Bei den neueren Rädern wird das aber zunehmend schwieriger, weil die Teile von Hersteller zu Hersteller immer unterschiedlicher werden“, berichtete er.

Neu war in diesem Jahr die erste Cronenberger Fahrradbörse — der Grundgedanke dahinter ist allerdings schon vier Jahre alt. Damals hätten sie Fahrräder gespendet bekommen, die sie an junge Flüchtlinge — vor allem Schulkinder — verschenkten. Stephan Schaller erinnerte sich: „Das war eine Mörderaktion.“ Seitdem hätte die „Schrauber Crew“ immer wieder kostenlos Fahrräder angeboten bekommen. Da die Mitglieder diese aber nirgends lagern können, sollte das Spenden und Verkaufen am gleichen Tag stattfinden. Zwanzig Stück — überwiegend für Kinder und Damen — fanden so am Samstagmorgen ihren Weg auf den Parkplatz. Teilweise wurden sie gespendet, teils nur weiterverkauft. „Dabei helfen wir, prüfen den Zustand und helfen beim Preis“, erklärte der Initiator. Das Geld, das durch die gespendeten Fahrräder eingenommen wurde, soll unterschiedliche Verwendungszwecken zugeteilt werden. Stephan Schaller hat aber ein Lieblingsprojekt: den Restaurant-Day, der in 2017 das erste Mal auch in Cronenberg stattfand. „So können wir die Flyer für diese Veranstaltung querfinanzieren.“ Sowohl Reparatur-Café, Fahrradbörse als auch der Restaurant-Day basieren auf nachhaltigen Ideen. „Viele Fahrräder sind schon 15 oder bis zu 25 Jahre alt. Doch die Meisten wurden kaum gefahren und würden häufig sogar leichter sein als neuere Modelle“, kennt der Cronenberger die Vorteile von Gebrauchträdern.

Kein Wunder also, dass es ab 13 Uhr immer voller auf dem Parkplatz wurde. Mehr Kaufinteressierte wie Inge Meyer schlenderten durch die Reihen, begutachteten die Fahrräder und machten auch mal eine kurze Probefahrt. „Hier in Wuppertal fahre ich nie Fahrrad, das ist mit zu bergig“, sagte die Rentnerin. Aber im flachen Umland schwinge sie sich manchmal auf den Sattel. Ihr bisheriges Zweirad zeige aber an gleich mehreren Stellen Probleme. „Vielleicht gibt es ja hier einen guten Ersatz.“ Doch nach einer kurzen Runde stellte sie fest: „Das richtige Fahrrad ist für mich leider nicht dabei.“ Sollte es aber noch einmal eine Fahrradbörse auf den Südhöhen geben, komme sie auf jeden Fall wieder.

Insgesamt zwölf Fahrräder verkaufte die „Schrauber Crew Cronenberg“. Nicht ganz die Anzahl, die sich das Organisationsteam erhofft hatte, enttäuscht war es dennoch nicht. „Ich war total überrascht, wie viele Leute heute hierher gekommen sind“, erklärte Schaller und betonte damit das Potenzial der Fahrrad-Börse.

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