Arbeitsmarkt: Fachkräftemangel in Wuppertaler Bädern: Stadt bildet jetzt selbst aus

Arbeitsmarkt : Fachkräftemangel in Wuppertaler Bädern: Stadt bildet jetzt selbst aus

Es gibt bereits zwei Bewerber. Die Finanzierung erfolgt durch das Jobcenter.

Gerade die ehrenamtlichen Betreiber privater Freibäder kennen das Problem: Wenn der Saisonstart näher rückt, wird meist händeringend nach Fachpersonal für die Schwimmaufsicht gesucht. In der Vergangenheit führte das etwa im Freibad Eckbusch fast zu einem verspäteten Saisonbeginn. Erst durch enorme Anstrengungen konnte rechtzeitig ein Schwimmmeister gefunden werden.

Nicht besser sieht es bei den städtischen Bädern aus. Auch hier bleiben gut ausgebildete Fachkräfte für die Beckenaufsicht äußerst gefragt. Ihre Arbeit ist unverzichtbar, schließlich sind sie für die Gewährleistung der Sicherheit verantwortlich und verhüten tragische Unglücksfälle. Um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken, bieten das Sport- und Bäderamt sowie das Wuppertaler Jobcenter in diesem Jahr erstmals eine gemeinsame Ausbildung im Bereich der Bäderbetriebe an. Dabei entstehen zwei zusätzliche Ausbildungsplätze.

Die Finanzierung erfolgt durch das Jobcenter, wo die entsprechenden Stellen auch ausgeschrieben werden. Die praktische Ausbildung findet in den städtischen Bädern statt. Über die erste gemeinsame Initiative dieser Art im Stadtgebiet informierten am Mittwoch Sportdezernent Matthias Nocke und der Vorstandsvorsitzende des Jobcenters, Thomas Lenz.

„Durch die angespannte Situation auf dem Arbeitsmarkt werden wir in wenigen Jahren nur noch diejenigen Stellen bei den Bädern besetzen können, für die wir auch selbst ausgebildet haben“, erläutert Matthias Nocke.

Mit der Kooperation werde die Zahl der Ausbildungsplätze von zwei auf vier pro Jahr verdoppelt. Derzeit seien 37 Fachangestellte für fünf Hallenbäder und ein Freibad verantwortlich. Dazu kommen laut Sport- und Bäderamt 41 weitere Mitarbeiter. Das reiche nicht aus und führe gerade mit Beginn der Freibadsaison zu Engpässen. So ist die Schwimmoper derzeit an den Wochenenden nur bis 15 Uhr statt wie sonst bis um 18 Uhr geöffnet. Die Stadt muss also dringend nachsteuern und hat deshalb das Jobcenter mit ins Boot geholt. Thomas Lenz musste nicht lange überredet werden. „Wir sehen hier eine gute berufliche Perspektive für junge Menschen und haben bereits zwei Bewerber“, berichtet er. In die Ausbildung fließen Bundesmittel. „Kosten für die Stadt Wuppertal entstehen nicht“, betont Matthias Nocke.

Er verweist auf weitere positive Synergieeffekte mit den privaten Freibädern. Hier sei bei der Schwimmmeistersuche besonders das Saisongeschäft ein Problem. „Wir können uns eine Zusammenarbeit vorstellen, bei denen Fachangestellte im Sommer in einem privaten Freibad und den Rest des Jahres in einem städtischen Hallenbad tätig sind“, so Nocke.

Das Sport- und Bäderamt habe darüber hinaus noch ein Konzept zur Förderung der eigenen Fachkräfte entwickelt. Da ein Großteil der derzeit beschäftigten Schwimmmeister in den kommenden zehn Jahren in Rente gehe, werde die Stadt ab 2020 eigenes Fachpersonal bei der Weiterbildung zu Schwimmmeistern gezielt fördern und unterstützen. Für die Kommune bleibt der Betrieb der Bäder aber ein finanzieller Kraftakt. „Dafür sind Zuschüsse in Höhe von elf Millionen Euro notwendig“, sagt Matthias Nocke.

Mehr von Westdeutsche Zeitung