Explosion in Wuppertal: Fast alle Bewohner haben eine neue Wohnung

Explosion in Wuppertal: Fast alle Bewohner haben eine neue Wohnung

Die Bewohner des explodierten Hauses an der Lenneper Straße müssen Umzüge organisieren.

Heckinghausen, bald vier Wochen nach der Explosion. An der Lenneper Straße liegt eine grüne Plane auf dem, was von dem Haus mit der Nummer 5 übrig ist. Sie ist beschwert mit Rohrstücken und Gehwegplatten. Fabian Heinrichs, der mit Freundin und deren Mutter im Erdgeschoss gewohnt hat, sagt, das habe der Vermieter gemacht, um Wasserschäden zu vermeiden. Wasserschäden an dem, was unter Umständen noch zu retten ist.

Heinrichs und seine Freundin sind sich sicher, noch irgendwas rausholen zu können. Haben sie auch schon. Eine Ecke des Schlafzimmers steht ja noch. Er erzählt, sie hätten sich Greifzangen geholt und seien damit an den Schrank, haben Kleidung herausgezogen. „Einmal gewaschen, wie neu“, sagt er.

Die Bewohner des Hauses, das einer der Mieter mutmaßlich durch Manipulation der Gasanlage gesprengt hat, sind mittlerweile fast alle in neue Wohnungen vermittelt. Sie wohnten zwar noch nicht alle in den neuen Wohnungen, aber hätten alle eine sicher. So sagt es Martina Eckermann, Sprecherin der Stadt. Sie freut sich, dass auch eine Familie mit mehreren Kindern mittlerweile eine Zusage habe.

Auch Fabian Heinrichs hat eine Wohnung gefunden — nah bei den Eltern, den Freunden, und der Hund darf mit. Das war ihm wichtig. Das war vielfach nicht gewünscht. Vieles ist erstmal gut. Jetzt steht er aber vor dem Problem der Kautions-Finanzierung. Er habe zwar einen neuen Job und hat auf seiner Facebook-Seite selbst um Spenden gebeten, aber genug für die Kaution habe er nicht. Und die braucht er, um in die Wohnung zu kommen, um renovieren zu können, bevor er mit der Familie einzieht.

Auch in der Facebook-Gruppe der Helfer ist man gerade mit der Organisation befasst, es müssten Wohnungen renoviert werden, Spendengelder abgerufen werden - auch wenn das mit Bürokratie verbunden sei.

Martina Eckermann erklärt, dass die betroffenen Menschen Hilfen von den Ämtern bekommen. Wer Geld vom Jobcenter oder Sozialamt erhält, kann sich von dort Pauschalen für eine Renovierung und Erstausstattung auszahlen lassen. Wer nicht genug verdient, um sich wieder auszustatten, aber ohne Hilfe vom Amt lebt, kann beim Bezirkssozialdienst die gleichen Mittel beantragen. Bei den Kautionen hilft die Stadt nach einer Erklärung, dass das Geld fehlt. Die Betroffenen seien über die Ansprechpartner und die Hilfeleistungen informiert worden.

Wenn noch spezifische Dinge fehlen, springt der Verein Wuppertaler in Not (WiN) ein. Eckermann erklärt, dass sich die Betroffenen über die Homepage an den Verein wenden können. Dort können sie ein konkretes Anliegen schildern, wofür sie dann das Geld bekommen. Die Spenden gehen also nicht als Barzahlungen an die betroffenen Menschen, das ist bei WiN so üblich. „So kann aber aufgefangen werden, was durch die staatlichen oder städtischen Mittel nicht bezahlt werden kann“, sagt Eckermann. Das passiere tausendfach im Jahr.

Gerade hat der Verein die Kosten für Speditionen zugesagt, damit die Menschen auf einen Schlag in die neuen Wohnungen können — inklusive der gespendeten Möbel.

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