Experten sprechen im WZ-Forum über Förderung von Langzeitarbeitslosen

WZ Forum : Kampagne des Jobcenters löst Aufbruchstimmung aus

Im WZ-Forum diskutierten Experten über Förderung von Langzeitarbeitslosen.

Von den rund 361 000 Wuppertalern sind etwa 50 000 Personen und darunter 15 000 Kinder auf öffentliche Hilfe angewiesen. Dass trotz der großen Probleme in der Stadt beim Thema Langzeitarbeitslose im WZ-Forum an der Ohligsmühle Aufbruchstimmung zu verspüren war, ist der Initiative „fair eingestellt“ des Jobcenters und einer Imagekampagne zu verdanken. Ziel ist es, Vorurteile abzubauen und das Interesse bei den Arbeitgebern für die Einstellung von Langzeitarbeitslosen zu wecken.

Lothar Leuschen, WZ-Chefredaktion, begrüßte auf dem Podium Experten, die sich in der Theorie und Praxis mit der Problematik beschäftigen: Katrin Becker, Center-Managerin der City Arkaden, Thomas Lenz, Vorstandsvorsitzender des Jobcenters, Prof. Michael Fallgatter von der Bergischen Universität und Prof. Uwe Schneidewind, Präsident des Wuppertal Instituts.

Uwe Schneidewind lobte den Mut des Jobcenters, in eine solche Kommunikationsmaßnahme so viel Geld zu investieren und den Arbeitsbegriff wieder in den Mittelpunkt der Debatte zu rücken. „Die Gesellschaft definiert sich zunehmend über Konsummöglichkeiten. Wir wissen, was es mit Menschen macht, die gar keine Arbeit mehr haben“, sagte Schneidewind und äußerte die Hoffnung, dass Wuppertal mit diesem mutigen Ansatz Signale sende. Marion Roemer von der Agentur „roemer und höhmann“ berichtete im Anschluss an die Diskussionsrunde von ausschließlich positiven Reaktionen auf die Plakate der Imagekampagne, die an vielen Stellen in der Stadt zu sehen sind. Langzeitarbeitslose schaffen Probleme, heißt es dort zum Beispiel. Allerdings mit dem positiven Zusatz versehen: Aus der Welt. „Man spricht und diskutiert darüber“, sagt Marion Roemer.

7000 Arbeitslose pro Jahr finden einen neuen Arbeitsplatz

Dass Langzeitarbeitslose Probleme aus der Welt schaffen können, habe sich bei zahlreichen Projekten erwiesen, sagte Thomas Lenz und verwies auf den Anteil des zweiten Arbeitsmarktes beim Bau der Nordbahntrasse. Das Jobcenter stehe in der Pflicht, rund 7000 Arbeitslose pro Jahr zurück in den ersten Arbeitsmarkt zu führen. Mehr als 100 Projekte würden in diesem Zusammenhang angeboten. Bei einem Jahresetat des Jobcenters von 400 Millionen Euro dürfe sich die Stadt nicht mit der Rolle des Unterstützers zufrieden geben.

Prof. Michael Fallgatter wies auf die ungewisse Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt hin. Die Digitalisierung werde auch neue Jobs mit sich bringen. Man wisse nur nicht wo. Langzeitarbeitslose einzustellen, sei eine gesellschaftliche Verantwortung. Das könne sich zwar nicht jeder kleine Einzelhandel leisten, aber wie er die Bergische Unternehmerschaft einschätze, gebe es die Bereitschaft dazu.

Zumal der Bund mit dem Teilhabechancengesetz seit diesem Jahr finanzielle Anreize für die Arbeitgeber geschaffen hat. Bis zu fünf Jahre übernimmt das Jobcenter die Lohnkosten und stellt zudem Betreuer ab. Über die Initiative „fair einstellen“ hat die vierfache Mutter Katja Kampmann den Weg zur Konzept Bildung und Services GmbH gefunden, nachdem sie die Rückkehr in den Beruf nach unzähligen erfolglosen Bewerbungen schon fast aufgegeben hatte. „Niemand wollte eine Mutter mit vier Kindern einstellen“, sagt sie. Frank Dieckmann, Geschäftsführer ihres neuen Arbeitgebers, ist hochzufrieden mit seiner neuen Arbeitskraft: „Frau Kampmann ist bei uns auf Anhieb toll eingeschlagen.“

Bis zu 300 Arbeitslose will das Jobcenter über diesen Weg bis zum Jahresende in unbefristete Arbeitsverhältnisse vermitteln. Bei bisher 275 Vertragsabschlüssen liegt die Abbrecherquote bei neun Prozent. Das ist angesichts der Vorurteile gegenüber Langzeitsarbeitslosen ein extrem niedriger Wert.