Ex-Poco-Areal in Wuppertal: Millionen für ein neues Gründerzentrum

Stadtentwicklung : Ex-Poco-Areal: Millionen für einen neuen Gründer-Campus

Headquarters investiert an der Uellendahler Straße — und lobt den Standort Wuppertal. 2020 soll die erste Ausbaustufe beginnen.

Gut zwei Jahre ist es her, als der Poco-Markt an der Uellendahler Straße seine Pforten schloss. Doch seitdem laufen bereits im Hintergrund die Planungen für eine neue Nutzung des Areals: Das Unternehmen Headquarters aus Köln will dazu mehrere Millionen Euro investieren und in einer ersten Stufe ab 2020 auf 2500 Quadratmetern einen Campus für Gründer und Freiberufler, sowie Firmen digitaler und kreativer Natur schaffen. Letztere sollen als Inkubatoren und Berater kooperieren, etwa für Start-ups. Bis 2022 sollen 210 Arbeitsplätze geschaffen werden. Langfristig wäre sogar eine Erweiterung der Fläche auf 20 000 Quadratmeter möglich.

Bei der Stadt kommen die Pläne grundsätzlich positiv an. „Es ist schön, dass dort wieder Leben einkehrt. Da steckt eine Dynamik dahinter“, hofft Marc Walter, Abteilungsleiter im Ressort Bauen und Wohnen. Er freut sich insbesondere darüber, dass in die Neuplanung auch der Gebäuderiegel direkt an der Uellendahler Straße, in dem unter anderem das Jobcenter mit einer Dependance vertreten ist, einbezogen wird. „Das ist ein beeindruckendes Denkmal“, sagt Walter über den ehemaligen Seidenweberbau.

Alter Verbindungsweg zur
Trasse soll reaktiviert werden

Möglichkeiten biete auch die Nähe zur Nordbahntrasse. Einen alten Verbindungsweg direkt auf das Gelände will der neue Eigentümer reaktivieren. „Das würden wir begrüßen“, sagt Walter. Die Stadt unterstütze das Gesamtvorhaben, wo es planungsrechtlich möglich sei. Noch seien aber viele Details zu klären. Im Gestaltungsbeirat, wo die Kölner den Campus in dieser Woche erstmals präsentiert hatten, sei der Tenor aber ebenfalls positiv gewesen.

Bezirksbürgermeisterin Gabriela Ebert (SPD)  blickt hoffnungsvoll auf die Planungen. Dass sich auf dem riesigen Gelände etwas tue, „ist wichtig“. Ein Punkt, auf den sie Wert legt: eine Sanierung nach Denkmalschutzmaßstäben. Einer der früheren Eigentümer habe zum Beispiel die historischen Fenster ausgetauscht. Vielleicht könne der neue Besitzer das rückgängig machen.

Hinter Headquarters stehen, so Projektmanager Alexander Müller, unter anderem Investoren, die sich bereits beim 2014 eröffneten Bürocampus Factory Berlin  engagiert haben. Auf dem ehemaligen Brauerei-Gelände in der Hauptstadt haben mittlerweile Firmen wie Google eine Heimat gefunden. Headquarters hat bereits zwei Standorte in Köln mit mehr als 3000 Quadratmetern. Das Konzept sei so erfolgreich, dass man eine weitere Dependance eröffnen wollte, so Müller, der gemeinsam mit Frederik Menge das Projekt betreut. In Köln fehlte aber eine passende Fläche, zudem vermisste er die Unterstützung der Stadt. „In Wuppertal war das anders“, lobt der 34-Jährige die Zusammenarbeit mit der Verwaltung und der Wirtschaftsförderung.

Für Wuppertal spreche die optimale Verkehrsanbindung etwa durch die Nähe zum Flughafen Düsseldorf, auch die gute Uni sei ein Pluspunkt. Zudem verfüge die Stadt über ein „kreatives Umfeld“, sagt Müller mit Blick etwa auf die Utopiastadt und den bald stattfindenden „Solar Decathlon“. „Wuppertal hat ,hidden Champions’“. Und anders als etwa in Düsseldorf gebe es noch keinen Mitbewerber. Zwar biete Codeks am Arrenberg auf den ersten Blick ein ähnliches Angebot. Müller sieht Headquarters aber nicht einfach nur als größeren Co-Workingspace. Man habe nicht nur Start-ups im Blick, sondern Firmen und Macher, „die bereits einen Schritt weiter sind“, so Müller. „Und dafür brauchen wir große Flächen.“

Von „Mietern“ will er nicht sprechen, sondern von „Members“, Mitgliedern, die Teil des Konzept werden. „Wir wollen alle Charaktere zusammenbringen, so dass Synergien entstehen und jede Partei von den Eigenschaften der anderen profitieren und lernen kann“, beschreibt Müller. Durch unterschiedliche Veranstaltungskonzepte werde der Raum der Öffentlichkeit zugänglich gemacht, „damit die Community und das Netzwerk wachsen kann“. Ziel von Headquarters sei es, ein Ökosystem zu schaffen in NRW für digitale Unternehmen. „Daher wird unser Konzept gezielt größere Firmen, sogenannte Corporates ansprechen, die beispielsweise eine Abteilung oder auch eine Ausgründung im Heaquarters integrieren können.“ Darüber hinaus entstehen vielfältige Formen der Zusammenarbeit mit anderen Start-ups in der Region.

2022 soll die zweite
Ausbaustufe folgen

Bereits 2017 hatte das Unternehmen das Areal an der A 46 erworben und auch schon mit den ersten Sanierungsarbeiten im ehemaligen Frowein-Gebäude angefangen. Nach der ersten Ausbaustufe im kommenden Jahr soll 2022 die zweite mit 1700 Quadratmetern folgen. Angedacht ist, dass später auch die Möbelmarkt-Hallen um- bzw. ausgebaut werden. Auch das sei im Gestaltungsbeirat auf Wohlwollen gestoßen. Anregungen habe es in dem Gremium gegeben, unter anderem wünschen sich die Mitglieder mehr Begrünung. Müller verspricht: „Das werden wir aufnehmen.“ Auch ein „Outdoor Gym“ sei geplant.

Ein Thema sei der Hochwasserschutz. Die damals nicht mehr in Nutzung befindlichen Hallen des Möbelmarktes waren beim Unwetter im Mai 2018 unterspült worden und teilweise eingestürzt. „Auch die Fundamente waren betroffen.“ Der Neubau soll möglicherweise auf Stelzen stehen. Unter dem eigentlichen Gebäude sollen Parkplätze untergebracht werden.

Die Realisierung des „privatwirtschaftlich betriebenen Gründerzentrums stellt eine hervorragende Ergänzung der Angebote des Technologiezentrums dar“, heißt es in einer Stellungnahme der Wirtschaftsförderung. Das Projekt sei eine Bestätigung für die Strahlkraft des Gründer- und Technologiestandorts.  „Es ist ein spannender Baustein für die Weiterentwicklung des Mirker Quartiers und zeigt, wie bedeutsam die Nordbahntrasse als städtebauliche Entwicklungsachse geworden ist. Positiv zu bewerten ist, dass alte gewerbliche Flächen in eine Zukunft geführt werden.“

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