Ex-Leiter der städtischen Poststelle steckte 150.000 Euro ein

Ex-Leiter der städtischen Poststelle steckte 150.000 Euro ein

Nächste Woche wird einem 55 Jahre alten Familienvater wegen Untreue und Betrugs der Prozess gemacht. Der Mann will den Schaden mit 500-Euro-Raten wieder gutmachen

Wuppertal. Vom Steurbescheid übers Parkknöllchen bis zum Glückwunsch des Oberbürgermeisters: Mehr als 160.000 Schriftstücke verlassen pro Monat das Rathaus Barmen. Die Masse macht’s. Das erkannte wohl auch der langjährige Leiter der städtischen Poststelle. Jetzt kam heraus: Über Jahre soll der 55-Jährige bei der Bestellung von Postwertzeichen betrogen haben. Nächste Woche wird dem Mann der Prozess gemacht. Laut Anklage hat der Regierungsangestellte zwischen Februar 2003 und November 2007 in 132 Fällen einen Schaden von 97.000 Euro angehäuft.

Wie die WZ erfuhr, ist die Summe noch viel größer. Der Stadt liegt ein Schuldanerkenntnis über 150.000 Euro vor. Offenbar hat der Angeklagte schon vor 2003 immer wieder über den Umweg gefälschter Frankierungen in die Stadtkasse gegriffen. Strafrechtlich relevant sind diese Vorwürfe aber nicht mehr. Der Grund: Die alten Fälle sind verjährt.

Seit Januar dieses Jahres versucht der 55-Jährige jedoch, den Schaden wieder gut zu machen. 500 Euro überweist er monatlich an die Stadt. Angesichts der sechsstelligen Schadenssumme dauert es 25 Jahre bis die Schuld beglichen ist. Dann ist der Mann 80 Jahre alt. Fakt ist: Die Stadt hat einen Vollstreckungstitel für die nächsten 30 Jahre.

Erst im November 2007 waren einem Mitarbeiter der Poststelle Unregelmäßigkeiten aufgefallen. Es folgte eine interne Buchprüfung samt Befragung des Leiters.

Kurz darauf war die Karriere des Mannes - er war seit 1973 angestellt - zumindest bei der Stadtverwaltung Wuppertal zu Ende. Im Februar 2008 unterschrieb er einen Auflösungsvertrag.

Sein Motiv: Laut Staatsanwaltschaft hat der Mann durch die Taten seinen gehobenen Lebensstandard finanziert. Damit suchte er offenbar nach familiärer und gesellschaftlicher Anerkennung.

Und die Stadt? Die hat die Poststelle nochmals genau unter die Lupe genommen, unter anderem eine veraltete Frankiermaschine aus dem Verkehr gezogen. Seit Januar dieses Jahres übernimmt jetzt ein externer Dienstleister die Frankierung der städtischen Post. Das war allerdings sowieso geplant.

Für den Prozess ist ein Verhandlungstag vorgesehen.

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